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Konzerterlebnis : Alte Scheune, moderne Technik - und nicht verstaubt

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Wer glaubt, dass alte Texte, altes Liedgut längst verstaubt sind und einzig den Archiven gehören sollten, der wurde, wenn er am Sonntag die Zeit dazu fand, dem Konzert in der Priörinnenscheune beizuwohnen, eines Besseren belehrt. Denn dort sorgten Elsa Plath, Veronika Haker (Sopran) und Bettina Jung (Klavier) mit ihrer literarisch-musikalischen Zeitreise dafür, dass genau dieser Eindruck mehr und mehr verblich.

shz.de von
erstellt am 09.Jun.2015 | 18:06 Uhr

Die Klosterfreunde Uetersen hatten schon einmal ein Claudius-Programm in ihrer Konzertreihe, taten aber gut daran, den Dichter in diesem Jahr zu seinem Doppeljubiläum (275. Geburtstag, 200. Todestag) noch einmal zu feiern.

„Gräfin Stolberg besucht...“ ist öfters in den Notizen von Claudius zu lesen, und dann kam er tatsächlich zu Besuch nach Uetersen, nur einen Steinwurf entfernt von der Priörinnenscheune. „Kloster Uetersen feiert Matthias Claudius“, hatte Elsa Plath die Reise durch die Geschichte betitelt, und ihr sowie dem Goethe-Stolberg Ensemble mit der Sopranistin und der Pianistin gelang es wieder einmal, das Geschehen vom 18. Jahrhundert direkt in die Gegenwart zu holen: geistreich, abwechslungsreich, historisch fundiert und auf unnachahmliche Art verwoben, zum Schmunzeln anregend durch Claudius-typische Auszüge aus seinen Schriften.

Erstaunlich vor allem das: Als Gerüst diente die Verbindung Uetersen-Wandsbek, und um dieses herum wurde das gesamte Geschehen der damaligen kulturellen Welt gestreift und einbezogen.

Dazu wurden Lieder eingestreut, die die Claudius-Texte vertonten: vom anrührenden Volkslied bis zum Kunstlied, variantenreich gesungen von Veronika Haker, einfühlsam begleitet von Bettina Jung.

Überhaupt ein Merkmal: dieses Miteinander, dieses Gewachsene, das in den vergangenen Jahren auch ein modernes Medium dazugewonnen hat, nämlich Lichtbilder, die sowohl Personen als auch Original-Abbildungen der Orte zeigen, vermischt mit Dokumenten und Stimmungsbildern. Das Publikum konnte so noch tiefer in die damalige Welt eintauchen und gleichsam die Verbindung zum Heute erfühlen. Klosterprobst Hubertes Graf von Luckner drückte zur Verabschiedung seine Begeisterung aus und beschrieb Elsa Plath (83) als außergewöhnliche Wissensquelle, die dazu mit bewundernswerter Lebendigkeit solche Programme zu präsentieren in der Lage sei.

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