Vortrag : Als Vater uns erzählte, dass er ein DDR-Spion sei

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22. Januar 1979: Das Leben des 16 Jahre alten Thomas Raufeisen fällt wie ein Kartenhaus zusammen. Auf einer überstürzten Flucht aus Hannover in die DDR erfährt er vom Vater, dass dieser seit 22 Jahren als Stasi-Spion in der Bundesrepublik eingesetzt ist. Das Leben der Familie in Westdeutschland war nur Fassade. Kindheit, Schule, Freunde und Zukunftsträume der beiden Söhne gehören auf einen Schlag einer irreparablen Vergangenheit an, eine neue, grausige Wirklichkeit beginnt. Was die Familie nach der Flucht über die Grenze erlebte, beschreibt Thomas Raufeisen am Donnerstag, 20. September, in der Gebrüder-Humboldt-Schule, Rosengarten 18 in Wedel.

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18. September 2012, 20:28 Uhr

Die SPD lädt zu diesem zeitgeschichtlich interessanten Vortrag ein. Vom Vater verraten und aus dem gewohnten Leben gerissen, weigern die Kinder sich, das Spiel mitzumachen, verweigern sich der Zwangseinbürgerung, der Alltag wird zum Albtraum deutsch-deutsche Geschichte aus einer ungewöhnlichen Perspektive.

Bis zum 27. September wird in der Bibliothek der Gebrüder-Humboldt-Schule die Ausstellung „Stasi im Ostseeraum“ gezeigt. Lothar Barop, Vorsitzender der SPD, und Jürgen Pieplows stehen an allen Tagen jeweils von 15 bis 17 Uhr für Fragen und Gespräche zur Verfügung. Weitere Zeitzeugengespräche auch mit Schulen werden gern vermittelt. Die Ausstellung wurde 2003 von Dr. Volker Höffer, Leiter der Außenstelle Rostock des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, und dem Wedeler Grafiker Jürgen Pieplow, der aus politischen Gründen in der DDR nicht studieren durfte, ausgearbeitet.

Sie wurde seitdem 40 Mal gezeigt, jetzt zum ersten Mal in einer Schule. Die Dokumente zeigen anschaulich das Wirken der einstigen Geheimpolizei, insbesondere in den damaligen Nordbezirken der DDR. Die Stasi war das wichtigste Machtinstrument der SED, die über Jahrzehnte die staatliche und gesellschaftliche Führung in diesem Teildeutschland besaß. Lothar Barop: „Es wird viel zu wenig über dieses Thema gesprochen. Wir wollen das ändern.“

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