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Uetersener Nachrichten

13. Dezember 2017 | 20:30 Uhr

Ausstellung : Als Uetersen eine reiche Stadt war

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Luftaufnahmen der Uetersener Lederfabriken, Porträtfotos der Fabrikanten, Werkzeuge der Gerber, Materialproben zum Anfassen, das Wanderbuch eines Gerbergesellen – die neue Ausstellung im Museum Langes Tannen mit dem Titel „Spiegel, Hechte und Croupons“ lässt ein lebendiges Bild einer blühenden Epoche der Stadt entstehen.

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2012 | 21:26 Uhr

„Die Verarbeitung von Leder war ein großer Wirtschaftsfaktor“, sagte Bürgermeisterin Andrea Hansen bei der feierlichen Eröffnung am Sonnabend.

Das Gerberhandwerk entwickelte sich seit Anfang des 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Industriezweig in Uetersen. Mitte des 20. Jahrhunderts prägten sieben Lederfabriken das Ortsbild. Viele Nachfahren der Gründer Carl und Christian Frese, Christian Testorf, Ludwig Schröder und der Gebrüder Vietheer erschienen zur Vernissage. Hans Heinrich Vietheer erinnerte sich: „In den 1970er Jahren war Uetersen die reichste Stadt Schleswig-Holsteins.“ Der 74-Jährige arbeitete einst selbst in den Fertigungshallen der Familien Kreuzberger, Ludwig Schröder am Tornescher Weg und Christian Testorf am Großen Sand. Doch wie so viele Lederfachmänner musste er die Branche wechseln. Durch das Aufkommen von Kunststoff und Gummi, durch Umweltauflagen sowie eine billigere Verarbeitung außerhalb Europas schlossen während der 1960er und 1970er-Jahre deutschlandweit zahlreiche Lederfabriken. Das Firmenschild der Gebrüder Vietheer hängt nun in der Ausstellung.

Museumsleiterin Dr. Ute Harms arbeitete bei der Vorbereitung eng mit den Nachfahren zusammen. „Die Quellenlage ist eher dürftig“, berichtete sie. Dadurch wurden Zeitzeugen zu wichtigen Ansprechpartnern. Christian Testor erinnerte sich: „Wir haben stundenlang in staubiger Atmosphäre Bilder und Bücher geprüft.“ Seine Fabrik im Katzhagen 5 schloss 1995 als letzte in Schleswig-Holstein. Er dankte Harms für ihre mühevolle Arbeit. Sie arbeitete mit der einmaligen Schau nicht nur ein Stück heimischer Industriegeschichte, sondern auch die Biografien namhafter Uetersener auf.

Die Besucher zeigten sich beeindruckt. Michael Kruse, Sohn des Uetersener Zichorienfabrikanten Otto Kruse, sagte: „Das ist eine gelungene Mischung aus Lokalhistorie, der Darstellung von Wirtschaftsabläufen und der industriell-gewerblichen Entwicklung in der Stadt – ein Glanzpunkt für Uetersen.“

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