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Uetersener Nachrichten

21. September 2017 | 10:52 Uhr

Als die Lieder frech wurden

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

KulturKünstlerehepaar präsentiert im Pomm 91 Chansons aus den 1920er und 30er-Jahren / Publikum ist begeistert

Frech kommen sie daher, die Chansons und Couplets der 1920er und 1930er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Und frech wurden sie am vergangenen Wochenende auf dem Chanson-Abend des Tornescher Allerleis (ToAll) im Pomm91, dem Tornescher „Kulturpalast“, präsentiert.

ToAll-Vorsitzender Harald Scharffenstein (kleines Foto) hatte mit seinem Team wieder einmal die Musiker vom Hamburger „musicaportabile“ eingeladen und das Ehepaar Karolin und Markus Schell legten unter dem Titel „Reizend“ eine von Regisseurin Julia Fabian rundum gut ausstaffierte Geschichte um den Ehe-Alltag auf die Bretter, die die Welt bedeuten. Viele berühmte Chansons der Zeit, in der die Röcke kürzer, die alten Zöpfe zum Bubikopf abgeschnitten wurden und Schlager noch „Gassenhauer“ hießen, erklangen zur Begeisterung des vorwiegend älteren Publikums.

Chansons, und hier vor allen Dingen die von den Textern und Komponisten Friedrich Hollaender und Otto Reutter erzählen Geschichten − und die wollen verstanden werden, sind manchmal sogar ganz schön lang. So das Lied vom Blusenkauf, das erzählt, wie ausführlich die Dame, die ihren Mann vor dem Geschäft stehen lassen hat, sich durch das gesamte Angebot aller Farbvariationen probiert, schließlich nach vielen Stunden mit einer roten Bluse herauskommt, sieht, dass ihr Mann draußen tot umgefallen ist, auf der Stelle ins Geschäft zurück kehrt und sich dort eine schwarze Bluse kauft. So viel süffisante Ironie und Komik bietet heute kaum ein Schlagersänger auf, die rasen lediglich atemlos durch die Nacht, was dabei passiert, erfährt keiner, die Protagonisten sterben am Schluss nicht mal.

Oder das Chanson von der Kleptomanin (Friedrich Hollaender), bei der die Dame alles mögliche klaut, das verschafft ihr einen Lustgewinn und wenn sie es Zuhause hat, wirft sie es weg – den Dreck.


Der schauspielerische Einsatz ist groß


Sängerin Karolin Schell hat zwar nicht unbedingt eine Chansonstimme oder -ausbildung, sie kommt stimmlich eher operettenhaft daher, aber sie versöhnt durch großen schauspielerischen Einsatz. Blitzschnell kleidet sie sich auf der Bühne – natürlich hinter einem Paravent – dreimal um und nutzt geschickt die sorgfältig ausgewählten und in die Zeit passenden Requisiten. Ihr Mann Markus Schell, am Beginn mit lustigem Kreissägen-Hut aus Stroh, gefiel durch seine temperamentvolle Klavierbegleitung, schimpfte aber auch mit seiner Frau: „Guck doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin“, was nahezu jeder im Saal mitsingen konnte.

„Reizend“, so der Titel des Abends, „Reizend“ so das Urteil der vielen Zuhörer über einen gelungenen ToAll-Abend.

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