Schloss Gottorf : Als die „Hedvig Sofia“ versank

Eine hochinteressante internationale Sonderausstellung mit dem spannenden Titel: „Von Degen, Segeln und Kanonen – Der Untergang der Prinzessin Hedvig Sofia“ ist noch bis zum 4. Oktober in der Reithalle auf Schloss Gottorf zu sehen.

shz.de von
16. Juli 2015, 22:32 Uhr

„Eine Frau, ein Schiff“ – und dann der Zusammenbruch des kleinen aber zu seiner Zeit einflussreichen Herzogtums Schleswig-Holstein-Gottorf, so lässt sich die Geschichte, die sich vor über 300 Jahren ereignete, umreißen.

Der Untergang der „Prinzessin Hedvig Sofia“ liegt einem Wrackfund eines schwedischen Flaggschiffs namens „Prinzessin Hedvig Sofia“ zu- grunde, das vor sieben Jahren Anlass war, Entwicklungslinien, die zum Großen Nordischen Krieg (1700-1721) führten, nachzuzeichnen. Denn am Ende wurde der Norden Europas neu geordnet.

Unweit des Bülker Leuchtturms bei Kiel war am 25. April 1715 „eines der größten Kriegsschiffe seiner Zeit“, die „Prinzessin Hedvig Sofia“, gesunken. Sie war die Namensgeberin und Tochter des schwedischen Königs Karl IV und Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorf.

Diese „Konstellation“ brachte Gottorf vor 300 Jahren zwischen die Fronten der Ostseemächte Schweden und Dänemark-Norwegen, was den Großen Nordischen Krieg auslöste. In dieser umfassenden Sonderausstellung wird zum ersten Mal die Rolle des Herzogtums unter Hedvig Sofias Ehemann Friedrich IV spannend und transparent gezeigt. Die Ausstellungsmacher richten den Blick nicht nur auf die absolutistischen Höfe des Hochbarocks, sondern zeigen auch die katastrophalen hygienischen Bedingungen auf den Kriegsschiffen auf, wo der Tod der ständige Begleiter war.

„Von Degen, Segeln und Kanonen“ ist einer der aufwändigsten Projekte in der Geschichte des Landesmuseums. Es geht auf eine Initiative von Dr. Ralf Bleile, Direktor des Archäologischen Landesmuseums auf Schloss Gottorf zurück. Seine Direktorin-Kollegin für Kunst und Kulturgeschichte Dr. Kirsten Baumann war für diese „spektakuläre“ Sonderausstellung sofort zu gewinnen.

Der Ausstellungsbereich in Barockrot gehalten, zeigt das prunk- und machtvolle Leben an den Höfen des frühen 18. Jahrhunderts, darunter Mode, Gemälde und eine versilberte Toilettengarnitur, die vermutlich Hedvig Sofia gehörte, sowie andere persönliche Gegenstände, die den barocken Prunk widerspiegeln. Außerdem wird das Leben unter Deck gezeigt, die Funde vom Ostseegrund u. a. Kanonenkugeln, Waffen, Knöpfe, Kämme und Löffel lassen vermuten, wie hart das Leben auf den Schiffen bei Seeschlachten war. Ein dritter Teil der historisch äußerst interessanten Schau schlägt den Bogen zur Gegenwart. Es geht um Unterwasserfunde, die man am Meeresboden belässt, statt sie zu bergen. Für die Ausstellung hat die UNESCO die Schirmherrschaft übernommen und hat außerdem viele skandinavische Kooperationspartner. Ende 2015 wird sie in Finnland gezeigt. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen. Sonntags um 12 Uhr sind Angebotsführungen von ca. 60 Minuten (ohne Reservierungen). Geöffnet: Mo. bis Fr., 10-17 Uhr. Sa. und So. 10-18 Uhr. Infos unter www.von-degen-segeln-und-kanonen.de

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