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Jugendtheater : Albtraum wird wahr: Handy ist futsch

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Versetzen wir uns in diese missliche Lage: Man greift in die Jackentasche, ganz sicher, dort das Handy zu finden, und zieht eine leere Hand wieder heraus. Ob diese Situation als Katastrophe empfunden wird, hängt vermutlich auch vom Alter ab. Das höhere Semester ist wahrscheinlich in Sorge um die Investition, das Geld, das es für das Mobiltelefon hinblättern musste, den möglichen Missbrauch durch Unbefugte.

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2014 | 19:22 Uhr

Jugendliche verfallen aus einem anderen Grund in Panik, haben sie doch das Gefühl, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, an den Rand der Gesellschaft gedrängt worden zu sein. Ohne Handy ist man ein Nichts, hat keine Chance auf Kommunikation und Angst vor der Vereinsamung. Schlimmer fühlt sich ein Vertreter der Gruppe U20 (unter 20) nur, wenn er das falsche, gar ein Steinzeit-Handy besitzt, oder nicht rechtzeitig des angesagten Klingelton runtergeladen hat.

Der überzogene Stellenwert eines Mobiltelefons war jetzt Anlass für eine junge Theatergruppe, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Sie warf damit auch einen kritischen Blick auf die eigenen Gewohnheiten, allerdings ohne den Anspruch, dem angesagten Statussymbol ab sofort einen untergeordneten Stellenwert zuzuweisen. „Handy Stories“ heißt das Jugendtheaterstück des Bühnenautors Hans Zimmer, das der Wahlpflichtkurs Theater an der Regionalschule Am Himmelsbarg unter der Leitung von Christine Heinemann ein halbes Jahr lang geprobt hat, um es jetzt nicht nur vor Freunden und Familienangehörigen zu zeigen, sondern auch vor Schülern anderer Klassenstufen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht Tinka, die ihr Handy verloren hat und nun von genannten Ängsten geplagt wird. Glücklicherweise hat sie mit einem Frisiersalon, gleichzeitig auch Trendboutique und psychologische Praxis, einen angesagten Treffpunkt, so dass ein gewisser Austausch sichergestellt ist.

Hier trifft Tinka zum Beispiel Nick, der für das Erstellen von Flirt-SMS bezahlt wird. Oder Nina, die ihre Handy-Rechnungen längst nicht mehr bezahlen kann. Und Tinka erlebt, dass es nicht unbedingt in einer Katastrophe endet, wenn man sich ohne ständige Erreichbarkeit durchs Leben schlagen muss. Verlieben kann man sich auch ohne Mobiltelefon, Freunde treffen ebenfalls. Alles eine Frage der (persönlichen) Absprache.

Mehr noch als das Stück überzeugten die jungen Darsteller mit ihrer unbefangenen Spielfreude und der Fähigkeit, sich in die Figuren hineinzuversetzen. Die Anstrengung habe sich, so die einhellige Meinung der Zehntklässler, unbedingt gelohnt. Die Gruppe sei wie eine Familie.

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