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Uetersener Nachrichten

21. Oktober 2017 | 18:14 Uhr

Urteil : Acht Jahre für versuchten Mord

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Vier Prozesstage brauchte die Strafkammer am Landgericht Itzehoe für die Beweisaufnahme; gestern verkündete das Gericht das Urteil: Der 54-jährige Bozkurt K. (Name von der Redaktion geändert) muss für 8 Jahre ins Gefängnis, weil er seine Ehefrau auf offener Straße mit Salzsäure übergoss und danach mit acht Messerstichen so schwer verletzte, dass nur eine Notoperation das Leben der Frau retten konnte.

shz.de von
erstellt am 11.Feb.2014 | 22:59 Uhr

Für die Staatsanwältin war klar, dass es sich um einen Mordversuch handelte, als der Mann zustach, einziges überhaupt infrage kommendes Mordmerkmal indes war Heimtücke; sie forderte daher 12 Jahre Haft für den Deutschtürken. Das freilich sah der Verteidiger des Angeklagten, der Hamburger Rechtsanwalt Wolf Dieter Reinhard, ganz anders. Heimtücke könne man beim besten Willen nicht erkennen, schließlich war die Frau bereits vor der Messerattacke auf der Flucht vor ihrem Mann, nachdem dieser sie bereits mit Säure attackiert hatte. Von einer Arglosigkeit der Frau könne daher nicht die Rede sein, so Reinhard, denn wer aus Angst vor einer Attacke dem Täter zu entfliehen versucht, könne niemals arglos sein. Das aber ist eine Voraussetzung die vorliegen muss, will man eine heimtückische Begehung der Tat bejahen: nämlich jene Arglosigkeit, die sich natürlicherweise in einer Wehrlosigkeit niederschlägt. Verschiedene Entscheidungen des Bundesgerichtshofes (BGH) sollten diese Ansicht Reinhards untermauern. Und in der Tat sah der BGH in frühen Entscheidungen durchaus keine Arg- und Wehrlosigkeit gegeben, wenn dem eigentlichen Angriff bereits ein anderer vorausgegangen war. Allerdings hat der BGH diese Ansicht mehr und mehr aufgegeben und bejaht Heimtücke nun viel großzügiger. In Schriftum und Lehre der Juristen existieren zwar auch ganz andere Ansichten, die das Vorliegen einer Heimtücke wesentlich restriktiver ausgelegt haben wollen, das Landgericht schloss sich aber der Ansicht des BGH an und sah Heimtücke als gegeben an. So lautete der Schuldspruch: 8 Jahre Freiheitsstrafe wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Damit verhängte das Gericht eine mittelschwere Strafe innerhalb eines möglichen Rahmens von 3 bis 15 Jahren. Die Forderung des Verteidigers von 7 Jahren Haft überschritt die Kammer dabei nur minimal. Für den Täter im Grunde trotz aller Härte ein noch glimpflicher Ausgang. Davor, nach den Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidiung hatte der Angeklagte als letzter das Wort. Er betonte – wie schon zu Beginn der Verhandlung im Januar – wie leid ihm seine Tat tue. Er wisse, dass er Unrecht verwirklicht habe und versicherte unter Tränen, dass etwas Derartiges nie wieder passieren werde. Er wolle sich bei seiner Frau und bei allen Menschen entschuldigen, die durch seine Tat gelitten haben. Außerdem wolle er in der Haft eine Therapie machen, um so seine psychischen Probleme in den Griff zu bekommen. Diese ehrliche Reue hatte am Ende sicher auch Auswirkungen auf das Strafmaß.

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