Einsatz der Kulturgemeinschaft : Abschiedshaus vor Abriss gerettet

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Die Gerüchte um einen möglichen Abriss des ehemaligen Abschiedshauses des Tornescher Hofes hatten auch Mitglieder der Kulturgemeinschaft erreicht.

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16. Oktober 2012, 21:08 Uhr

Und quasi in letzter Sekunde konnten sie einen Abriss des 1810 errichteten reetgedeckten Zweiständer-Fachhallenhauses verhindern. Denn sie haben sich nicht nur bei der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Pinneberg für den Erhalt des Gebäudes engagiert eingesetzt, sondern auch beim Landesamt für Denkmalpflege in Kiel. Und dort wurde die kulturgeschichtliche Bedeutung des noch vor Kurzem bewohnten und bislang unter einfachem Denkmalschutz stehenden Gebäudes erkannt und schnell gehandelt. Dr. Berthold Köster vom Fachreferat „Ländliche Bauten“ des Landesamtes für Denkmalpflege schaute sich das Haus an der Hamburger Straße an, sichtete die von der Historikerin und Zweiten Vorsitzenden der Kulturgemeinschaft Annette Schlapkohl zusammengetragenen Daten zur baulichen und kulturhistorischen Bedeutung des Gebäudes und unterzeichnete am Montag, dem 15. Oktober, eine Urkunde, die das Haus zum „Kulturdenkmal mit besonderer Bedeutung“ erklärt. Diese Wertschätzung und Eintragung in das Denkmalbuch für Kulturdenkmale in Schleswig-Holstein erfuhr in Tornesch bislang lediglich das Heimathaus (Ostermannsche Hof).

„Mit dieser Einstufung ist ein wichtiger Schritt zum Erhalt des Gebäudes getan worden“, so Hans-Joachim Wohlenberg, Ehrenvorsitzender der Kulturgemeinschaft. Er ist sehr froh darüber, dass das Landesamt so schnell reagiert hat. Denn am gestrigen Nachmittag war bereits ein bestellter Abrissbagger vor Ort. Der Eigentümer des Hauses, der offenbar erst gestern von der neuen Denkmaleinstufung des Gebäudes erfahren hatte, ließ den Bagger jedoch nicht tätig werden. Auch Hans-Joachim Wohlenberg, Harald Schulz, Annette Schlapkohl sowie Jürgen Körner von der Kulturgemeinschaft, die Leiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Pinneberg Annelie Fesser und Henning Tams aus dem Tornescher Bauamt waren vor Ort. Nach UeNa-Informationen habe das benachbarte Unternehmen Hawesko das Grundstück bereits erworben und zwar mit der Vereinbarung, dass der Verkäufer die Abrissarbeiten leistet. Für Informationen dazu war gestern bei Hawesko niemand zu erreichen. Das Unternehmen hatte vor ein paar Jahren signalisiert, an dem Gelände samt historischem Gebäude interessiert zu sein, um dort eine Art Gästehaus mit Gastronomie und einen Werks-Weinverkauf einzurichten. Doch offenbar haben sich diese Pläne für die Nutzung des Geländes zerschlagen.

„Wir würden es begrüßen, wenn die Idee von damals wieder aufgegriffen wird. Das Haus ist für Tornesch nicht nur aufgrund seiner baulichen Besonderheiten wertvoll, es ist sozusagen die Keimzelle von Tornesch“, betont Hans-Joachim Wohlenberg. Die Kulturgemeinschaft appelliert an den Eigentümer, die Tornescher Politik sowie die Verwaltung, das ehemalige Abschiedshaus zu erhalten. „Wir stehen für ideelle Unterstützung mit unseren Erfahrungen bei der Erhaltung des Ostermannschen Hofes als Heimathaus gerne zur Verfügung“, so Hans-Joachim Wohlenberg. Keimzelle des Ortszentrums Historisches Kleinod Das reetgedeckte Zweiständer-Fachhallenhaus von 1810 an der heutigen Hamburger Straße 10 war eines der beiden Abschiedshäuser des Tornescher Hofes, Hof Nummer7, der Gemeinde Esingen nach der Verkoppelung von 1788.

Es trägt an der östlichen Giebelfront die Inschrift: Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut. Im Himmel und auf Erden. Anno 1810 Jürgen Siemsen, Anna Catarina Siemsen, den 2. Juni. Wie die Historikerin Annette Schlapkohl in der Ortschronik vermerkt, hat der Enkel des Abschiednehmers, Jürgen Siemsen der Jüngere, um 1840 der Eisenbahngesellschaft Land für den Eisenbahn- und Bahnhofsbau verkauft und eine Schankkonzession erhalten. Zu dem Zeitpunkt lag das Abschiedshaus (Altenteilerhaus, in das die Altbauern nach der Hofübergabe zogen) noch in unmittelbarer Nähe zum Tornescher Hof, der 1876 auf dem Gelände des heutigen Rewe-Marktes neu gebaut wurde. Das heutige Ortszentrum von Tornesch – Wilhelmstraße, Friedrichstraße, Uetersenser Straße bis hin zum Friedhof wurde Gelände des ehemaligen Tornescher Hofes errichtet.

Die Größe und Ausstattung des Tornescher Hof-Abschiedshauses spiegelt die wirtschaftliche Stellung des bereits im 16. Jahrhundert nachgewiesenen Hofes wider. Für den Erhalt des Hauses sprechen nicht nur die baulichen Besonderheiten, sondern auch die noch vorhandene Döns (Wohnstube) mit Paneelwand, Alkoven und Uhrenschrank. Das Abschiedshaus und das Grenzhaus an der Ahrenloher Straße, das auch zum Tornescher Hof gehörte, sind die einzigen noch erhaltenen reetgedeckten Häuser im Ortsteil Tornesch.

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