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Keimzelle der Stadt : Abriss des Abschiedshauses beginnt

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Der Bagger ist da. Heute sollen die Vorarbeiten für den Abriss des sogenannten Abschiedshauses in Tornesch beginnen. Im Laufe der Woche werde es abgebrochen, kündigte Eigentümer Michael Schütt an. Anschließend will er das Grundstück an den Käufer, die benachbarte Firma Hawesko, übertragen.

shz.de von
erstellt am 20.Mai.2013 | 21:12 Uhr

Das 1810 erbaute sogenannte Zweiständer-Fachhallenhaus mit 320 Quadratmetern Wohnfläche und Reetdach gilt als Keimzelle der Stadt. Ob es erhaltenswert ist, wird sehr unterschiedlich beurteilt.

Schütt schätzte die Kosten einer Komplettsanierung gegenüber unserer Zeitung auf 1,5 bis zwei Millionen Euro. „Einige Sachverständige sagten, dass wir noch zu wenig angesetzt hätten“, so der Handwerker. Ein Problem: Ein angrenzender Parkplatz liege höher als das Haus, auf das dadurch Grundwasser drücke. Auch das Gebälk sei kaputt.

Nur 500000 Euro an Kosten setzt ein Gutachten von Experten für Denkmalpflege an, das der Gemeinschaft zur Erhaltung von Kulturgut in Tornesch vorliegt. Der Ehrenvorsitzende Hans-Joachim Wohlenberg führte es bei einer Diskussion nach einem Vortrag des Bauhistorikers Dr. Holger Reimers im POMM 91 vor fast 70 Gästen an. Wohlenberg räumte gegenüber den UeNa ein: Das Gutachten beruhe nicht auf einer Bestandsaufnahme und nenne bloß die Kosten einer denkmalgerechten Herstellung des Baukörpers, nicht der Inneneinrichtung. Doch Reimers warnte vor Schätzungen. Zudem wirkte er 2005 bis 2006 an der Sanierung eines ähnlich großen Gebäudes mit, des Alten Pastorats in Stellau bei Wrist. Er schilderte die Wiederherstellung. Sie kostete rund 520000 Euro, finanziert aus EU- und Kirchenmitteln. Das Pastorat sei aber wesentlich baufälliger als das Gebäude in Tornesch gewesen.

Reimers hatte das Abschiedshaus äußerlich in Augenschein genommen. „Es ist in einem dermaßen guten Zustand, dass man gar nicht auf die Idee kommen kann, es abzureißen“, sagte der 56-Jährige. Die Dachdeckung sei intakt, halte noch 30 bis 50 Jahre. Die Außenwände sähen gut aus. „Mein Plädoyer: stehen lassen, weiter nutzen“, sagte der Bauhistoriker aus Hohenfelde bei Elmshorn. Er erklärte sich zu einem Gespräch mit Hawesko bereit. „Der Käufer sollte das Grundstück mit diesem wertvollen Kulturzeugnis erwerben und das Haus in seine Pläne einbeziehen“, empfahl er. Vorteile: Die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landschaft fördert nach Prüfung die Sanierung auch ehemals landwirtschaftlich genutzter Kulturdenkmale. Zudem ließen sich Investitionen in Baudenkmäler steuerlich vorteilhaft absetzen. „Die Erhaltung des Abschiedshauses wäre ein klares Bekenntnis zur traditionellen Baukultur der Region. Es ist nicht zu spät. Der Bagger kann wieder abrücken“, sagte er.

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