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Uetersener Nachrichten

15. Dezember 2017 | 21:32 Uhr

Vor 70 Jahren : 92 Tote auf einer Kreuzung

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Gestern vor 70 Jahren ließen die Alliierten etwa 100 Bomben auf Elmshorn fallen. Zwölf Tage vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges starben dadurch 92 Menschen, 46 wurden schwer verletzt, weitere 324 obdachlos. Nach Angaben der Stadtverwaltung handelte es sich um den Luftangriff mit den meisten Opfern im Kreis Pinneberg.

shz.de von
erstellt am 26.Apr.2015 | 19:40 Uhr

Die Bomben gingen zwischen 18 und 18.30 Uhr auf der Kreuzung Köllner Chaussee, Steindamm und Langelohe nieder. Dort weihte Bürgermeister Volker Hatje gestern einen Gedenkstein ein. „Den Opfern des Bombenangriffs vom 26. April 1945 zum Gedenken“ ist darauf zu lesen. Rund 150 Menschen hörten ihm und drei Zeitzeugen zu.

„Es ist richtig und wichtig, dieser schwierigen Zeit unserer Geschichte unsere Aufmerksamkeit zu geben“, sagte Hatje. Zu Anfang des Krieges sei Schleswig-Holstein noch verschont geblieben, doch als gegen Ende die deutschen Soldaten vor den Alliierten nach Norden flohen, sei das Land stark getroffen worden.

Der Zeitzeuge Karl Heinz Kuhlemann ist sich sicher, dass durchziehende Soldaten der Grund für den Luftangriff US-amerikanischer Flugzeuge waren. Die Bürger hätten zuvor weiße Fahnen gehisst, doch die SS-Soldaten hätten sie teils wieder abgenommen. Die ersten Luftangriffe auf zivile Flächen flogen die Deutschen. Am 26. April 1937 bombardierten sie die Stadt Gernika in Nordspanien. „Das war der erste Verstoß gegen das Kriegsvölkerrecht“, so Hatje.

Der erste Fliegeralarm in Elmshorn ertönte am 9. September 1939. Am 3. August 1943 fielen Brandbomben auf die Königstraße. Die Folge waren schwere Explosionen. 57 Menschen starben, 2435 wurden obdachlos. Die Angriffe am 26. April 1945 begannen morgens um 7 Uhr. Christel Kröger war fünf Jahre alt, hörte auf dem Hof der Langeloher Schule noch den Voralarm, als die Bomber kamen. „Ich flog das letzte Stück über die Straße“, berichtete sie gestern. Ein Bein wurde aufgerissen, eines durchschossen.

Gerd Meyer half den Verletzten. „Ich war 13 Jahre alt. Es war für uns selbstverständlich zu helfen, weil sonst keine Männer da waren“, sagte er. Die Tragweite des Angriffs blieb lange verborgen, da es in den letzten Kriegstagen keine Zeitung mehr gab, die hätte berichten können. Erst als 2008 ein neues Personenstandsrecht die Standesämter anwies, Sterbebücher nach 30 Jahren den Archiven zu überlassen, entdeckte Kuhlemann die große Zahl an Opfern. Er arbeitet ehrenamtlich im Elmshorner Archiv und beantragte den Gedenkstein.

Weitere Steine in Elmshorn erinnern an die Opfer des Angriffs von 1943, an die in Elmshorn gestorbenen Zwangsarbeiter, Soldaten und die in KZs umgebrachten Elmshorner.

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