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Verkehrsentwicklung : 20 Maßnahmen für Tornesch

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die Vorschläge reichen von der Umgestaltung der größten Tornescher Kreuzung bis zum vierspurigen Ausbau der Bahnunterführung.

Uetersen | Dreieinhalb Jahre hat seine Erstellung gedauert, nun ist er da: Der Verkehrsentwicklungsplan für Tornesch. 20 Maßnahmen sind darin enthalten, die für eine nachhaltige Verbesserung der Verkehrsqualität in der Stadt sorgen sollen. Insbesondere die Kreuzung Friedrichstraße / Ahrenloher Straße steht dabei im Fokus der Experten.

Regelmäßig stauen sich die Fahrzeuge vor Torneschs zentralem Knotenpunkt. Die meisten Fahrer auf der Esinger Straße wollen durch die Unterführung in Richtung Autobahn, wie die Bestandsanalyse ergeben hat. Entsprechend könne eine Rechtsabbiegerspur für eine deutliche Entlastung sorgen, erläuterte Diplom-Ingenieur Arne Rohkohl am Montagabend. Rohkohl stellte seine Ausarbeitungen während einer Sondersitzung des Bauausschusses vor.

Pkw-, Rad- und Fußverkehr sowie den öffentlichen Personennahverkehr − die vorgestellte Untersuchung beleuchtet alle Bereiche. Auch eine mögliche Stadtbahn zwischen Uetersen und Tornesch haben die Experten unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: Wirtschaftlichkeit und Umsetzbarkeit sind höchst fragwürdig. Ob und welche Maßnahmen aus dem Verkehrsentwicklungsplan umgesetzt werden, steht noch in den Sternen. „Er soll als Handlungskonzept dienen“, so Rohkohl. Die Ausschussmitglieder begrüßten die umfangreiche Untersuchung durchweg.

Verkehrsschwerpunkt: An der Kreuzung Ahrenloher Straße / Friedrichstraße soll eine Rechtsabbiegerspur für Entlastung sorgen.
Verkehrsschwerpunkt: An der Kreuzung Ahrenloher Straße / Friedrichstraße soll eine Rechtsabbiegerspur für Entlastung sorgen. Foto: Dickersbach
 

Auf der Tagesordnung für die Sitzung des Bauausschusses am Montagabend stand nur ein wesentlicher Punkt. Und das war auch gut so, denn alleine die Vorstellung des Verkehrsentwicklungsplans (VEP) für Tornesch dauerte knapp eine Stunde. 85 Seiten stark ist die Untersuchung, die Diplom-Ingenieur Arne Rohkohl vom Wasser- und Verkehrskontor in Neumünster den Politikern und zirka 20 anwesenden Bürgern präsentierte. Außer einer Bestandsanalyse enthält sie 20 konkrete Maßnahmen, mit denen aus Sicht des Experten Verkehrssicherheit und -qualität in der Stadt verbessert werden können.

Ein Schwerpunkt der Untersuchung war die Kreuzung Ahrenloher Straße / Friedrichstraße und der umliegende Bereich. Vor allem zwei Veränderungen sollen für eine Verbesserung sorgen: Eine Rechtsabbiegerspur auf der Esinger Straße und eine Optimierung der Ampelschaltung. „Sechs Sekunden mehr, bringen doppelt so viel Verkehrsabfluss aus der Friedrichstraße“, erläuterte Rohkohl.

Auch eine mögliche Umgestaltung der Bahnunterführung taucht in dem Plan auf. Konkret geht es um eine Vierspurigkeit − „das ist schon ein bisschen visionär“, musste Rohkohl zugeben. Dennoch: Möglich wäre es. Und es würde eine Alternative für Radfahrer und Fußgänger erforderlich machen. Die könnte im Bau eines neuen Tunnels bestehen. „Neben einer attraktiveren Führung würde gleichzeitig eine Verbesserung der städtebaulichen Verknüpfung im Bahnhofsumfeld erreicht werden“, heißt es in der Untersuchung.

Neue Auffahrt für die Autobahn?

Weniger visionär wären eine weitere Erschließung des Gewerbegebietes Oha, sprich der Ausbau der Kreuzung Ahrenloher Straße / Lise-Meitner-Allee, sowie der Bau einer neuen Auffahrt zur A23. Mithilfe einer Rampe könnten Pkw- und Lkw-Fahrer, die aus Richtung Tornesch kommen, als Rechtsabbieger auf die Autobahn gelangen. „Das würde sehr stark zur Qualitätssteigerung beitragen“, so Rohkohl. Sinnvoll sei die Maßnahme auch im Zusammenhang mit einem möglichen sechsspurigen Ausbau der A23, der jüngst Eingang in den „vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans gefunden hat.

Eine „gewaltige Nachfragesteigerung“ hat Rohkohl bei der Bahnnutzung festgestellt: Von 2800 Fahrgästen pro Tag in 2010 ist die Zahl auf 3900 im Jahr 2015 gestiegen. Als Sofortmaßnahme schlägt der Experte den zusätzlichen Halt eines Regionalexpresses am Tornescher Bahnhof vor. „Das könnte einen Zuwachs um 600 Fahrgäste pro Tag bewirken“, so der Diplom-Ingenieur.

Wiederum im visionären Bereich befindet sich eine Reaktivierung der Werksbahntrasse zwischen Tornesch und Uetersen für den Personenverkehr. Attraktiv ist die sogenannte Stadtbahn laut Rohkohl allerdings nur, wenn sie eine direkte Verbindung von Uetersen nach Pinneberg ermöglicht. Gegen die Reaktivierung sprechen nicht nur die schwer kalkulierbaren Kosten − letzte Schätzungen stammen aus dem Jahr 1997 und belaufen sich auf elf Millionen Euro − sondern auch die enorme Beeinträchtigung des Verkehrs an der Kreuzung im Tornescher Stadtzentrum, die regelmäßige Bahnquerungen mit sich bringen würden.

Diplom-Ingenieur Arne Rohkohl ging während seines Vortrags ausführlich auf die einzelnen Punkte des Plans ein.
Diplom-Ingenieur Arne Rohkohl ging während seines Vortrags ausführlich auf die einzelnen Punkte des Plans ein. Foto: Dickersbach
 

Realistischer erscheint da schon die Möglichkeit, die Bahntrasse in einen Radschnellweg umzubauen. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass hier das Potenzial zur deutlichen Steigerung der Qualität im Radverkehr besteht. Zudem wird, sollte die Trasse zusätzlich noch bis in das Gewerbegebiet Oha fortgesetzt werden, ein großes Verlagerungspotenzial vom Kfz- zum Radverkehr gesehen.

Auch ein Dauerärgernis für viele Menschen in der Region, den Bahnübergang kurz vor Prisdorf, hat die Untersuchung aufgegriffen. Wartezeiten von mehr als zehn Minuten seien dort festgestellt worden, so Rohkohl. Ungeduldige Fußgänger würden die Trasse zudem trotz geschlossener Schranken überqueren. Abhilfe könnte hier eine Unterführung bringen. Würde diese und eine weitere im Zuge der Kreisstraße K22 gebaut werden, könnten die bestehenden − beschrankten − Bahnübergänge Denkmalstraße und Gärtnerweg aufgehoben werden. Das trage zur Reduzierung der Beeinträchtigung und der potenziellen Konfliktstellen im Zuge der Bahntrasse bei, heißt es in dem Plan.

Zusammenfassend sagte Rohkohl: „Es gibt Defizite in der Infrastruktur in Tornesch.“ Der VEP diene jedoch nicht als Blaupause, sondern vielmehr als Orientierungshilfe für die weitere Verkehrsentwicklung in der Stadt.

Der Verkehrsentwicklungsplan befasst sich ebenfalls mit der Schaffung von Parkraum. So könnte etwa auf der Fläche des bestehenden Park+Ride-Parkplatzes an der Hamburger Straße ein Parkdeck mit insgesamt drei Ebenen gebaut werden. Die Zahl der Plätze könnte so auf 150 verdoppelt werden. Die zweite Option besteht in der Aufstockung des bestehenden Parkdecks auf dem Dach der Verbrauchermärkte. Je Geschoss könnten so zirka 70 Plätze geschaffen werden.
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erstellt am 01.Feb.2017 | 16:14 Uhr

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