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Amtsgericht : 2,46 Sekunden lang nicht aufgepasst

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Die ersten Worte des Richters nach der Urteilsverkündigung gestern galten der Mutter des Opfers: „Das Strafrecht hat nicht die Möglichkeit, Ihnen den Schmerz zu nehmen“, sagte Jörn Harder zu ihr.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2012 | 20:07 Uhr

Er verurteilte den Haseldorfer Bernd S. am Amtsgericht Pinneberg wegen fahrlässiger Tötung zu einer Strafe von 2700 Euro. Der 47-Jährige hatte im Juni 2011 auf der Landstraße zwischen Holm und Hetlingen einen 23-jährigen Hamburger angefahren. Robert M. starb am Unfallort.

Der Richter ließ keinen Zweifel aufkommen: Das Urteil konnte nur das Fehlverhalten des Angeklagten bestrafen, nicht den Verlust eines Sohnes aufwiegen. „Es geht um den Tod eines Menschen, der eine Welt bedeutet, und die Schuld, die ein Augenzwinkern bedeutet“, beschrieb er die Tragik des Falls.

2,46 Sekunden lang hätte Bernd S. im Juni 2011 nicht mit den Augen zwinkern dürfen. Diese Zeitspanne verstrich zwischen dem Moment, in dem die Xenon-Scheinwerfer seines Audi Q7 die Umrisse von Robert M. erfassten, und dem tödlichen Zusammenstoß. Das errechnete der Dekra-Sachverständige Thomas Hilker. Doch Bernd S. bemerkte den Fußgänger nicht. Der 47-jährige Obstbauer war auf dem Weg zum Hamburger Großmarkt. „Ein Bruchteil vor dem Aufprall habe ich etwas Helles gesehen, wie ein Stück Papier oder ein T-Shirt“, sagte er gestern. Da traf der vordere rechte Kotflügel den 23-Jährigen mit Tempo 80 bis 90 und schleuderte ihn gegen einen Baum. Er fiel in den Straßengraben und starb.

Robert M., Marcel K., Paul W., Daniel G. waren am 2. Juni auf Vatertagstour gewesen. Am Abend hatten die Hamburger an der Hetlinger Schanze gefeiert. Betrunken, zu Fuß und mit einem Bollerwagen im Schlepptau machten sie sich auf den Rückweg. Einige erinnerten sich, dass sie auf dem Fußweg unterwegs waren. Daniel G. war sich sicher, dass Robert M. und er auf der Straße gingen.

Drei andere Autofahrer hatten die Truppe rechtzeitig gesehen. Matthias K. fuhr Richtung Hetlingen. „Auf einmal kam von rechts was hoch. Ich musste voll in die Eisen“, berichtete er. Ein Betrunkener wollte ihn anhalten. Andere sprangen um das Auto herum, trommelten aufs Dach. K. versuchte, sie von der Straße zu scheuchen. Zwei Pkw-Fahrer warnte er per Lichthupe. Den Q7 hatte er gesehen. Ob er auch ihn angeblinkt hatte, wusste er nicht mehr. Bernd S. entschuldigte sich. „Ich war mit der Situation überfordert und bin es noch“, sagte er mit Tränen in den Augen. Sein Verteidiger Volker Teichgräber ließ offen, ob er Berufung einlegen wird.

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