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Uetersener Nachrichten

22. September 2017 | 04:55 Uhr

120 Jahre für die Menschenwürde

vom
Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

Ein leidenschaftliches Plädoyer für die Achtung der Menschenwürde hat Oberkirchenrätin Cornelia Coenen-Marx zum Festakt 120 Jahre Hamburger Arbeiter-Kolonie gehalten. 1891 hatten Baron Jasper von Örzen, Frederich Freiherr von Schröder und Emil Koehn eine Einrichtung in Hamburg gegründet, um armen Menschen eine Unterkunft und Arbeit zu verschaffen. Seit 1936 ist diese Aufgabe auf dem Schäferhof in Appen konzentriert.

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erstellt am 02.Dez.2011 | 21:55 Uhr

Der Vorstand der Stiftung feierte gemeinsam mit Vertretern der Diakonie, der evangelisch-lutherischen Kirche, der Politik und der Partner, die auf dem Schäferhof ein soziales Netzwerk aufgebaut haben. Der Festakt wurde rustikal in einer Werkshalle begangen. Stiftungsvorsitzender Bernhard Schröder erinnerte an die Geschichte der Einrichtung: An den ersten Kolonisten, einen Tischler, der das Inventar fertigte. Den ersten Umzug innerhalb Hamburgs. An Werner Wendt (1935 bis 1965) und Klaus Bünz (1965-2000), die als legendäre Inspektoren auf dem Schäferhof gelten, der 1898 mit einem Kredit in Höhe von 350000 Goldmark erworben worden war.

Seitdem führt Rainer Adomat die Regie in Appen. Der Stiftungsratsvorsitzende freute sich, dass neben Bünz auch der erste Sozialarbeiter Frank Schönstedt, der 1976 eingestellt worden war, an der Feier teilnehmen konnte.

„Brich dem Hungrigen dein Brot und die, die im Elend sind, führe in dein Haus; so du einen nackend siehest, so kleide ihn und entziehe dich nicht von seinem Fleisch.“ Die ehemalige Pröpstin Monika Schwinge zitierte das Bibelwort aus Jesaja 58. Es steht noch heute in der Satzung der Stiftung Hamburger Arbeiter-Kolonie. Aus christlicher Nächstenliebe handelten die Begründer der Einrichtung.

Winfried Uhrig, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe, lobte den langen Atem der Stifter und der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter. Der Schäferhof sei nie in der Tradition erstarrt, sondern habe seine Hilfsangebote immer kritisch überprüft und den Bedürfnissen angepasst. „Mein Respekt – hier wird vorbildliche Arbeit geleistet.“ Uhrig mahnte, gegen staatlich organisierte Ausgrenzung von armen, kranken und alten Menschen weiterhin anzuarbeiten.

In diesem Sinne argumentierte auch Oberkirchenrätin Cornelia Coenen-Marx. Sie berichtete, wie ein Obdachlosenchor in Köln bei seinem Auftritt die Herzen der Menschen erobert hätte. Die Chorarbeit sei Teil der Therapie. So wie in dieser Gemeinschaft sei auch der Schäferhof ein Ort, an dem sich Menschen, die lange gelitten haben, wieder aufgenommen fühlen.

Gemeinsam würden hier verschüttete Fähigkeiten wiederentdeckt, so Cornelia Coenen-Marx. Solidarität werde spürbar. Der Einzelne erfahre wieder, was sein Leben wert sei. „Ich bin wieder jemand.“

Die Oberkirchenrätin bat die Versammelten, sich dafür stark zu machen, nicht die bis zu zehn Prozent Schulabgänger ohne Abschluss und Langzeitarbeitslosen an den Rand zu schieben und von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland abzukoppeln. „Wir müssen uns einmischen, ein Zeichen setzen.“ Cornelia Coenen-Marx: „Es tut allen gut, wenn wir einander als Freunde sehen.“

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