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Kunst auf Sylt : Zwischen den Polen: Ingo Kühl

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Seit 35 Jahren arbeitet Ingo Kühl als Maler, seit zwölf Jahren lebt er in Keitum. In der Alten Post ist eine Auswahl seiner Werke zu sehen.

von
erstellt am 15.Feb.2014 | 06:00 Uhr

Gegensätze – mal deutlich ausgeprägt, mal eher subtil – das scheint vieles in der Malerei und im Leben von Ingo Kühl auszumachen. Bei der Eröffnung seiner Ausstellung „Retrospektive“ in der Galerie Alte Post in Westerland zeigte sich dies nicht nur in der Auswahl der Bilder aus 35 Jahren als freischaffender Künstler, es wurde auch aus der kurzen Biografie deutlich, die Petra Reiber in ihrer Begrüßungsrede in Auszügen vorstellte.

Seit zwölf Jahren lebt und malt Ingo Kühl mit seiner Frau in Keitum. Am Inselleben schätzt er nicht nur die Natur, besonders das Meer, das er immer wieder in schweren Tönen in seinen Bildern fest hält. Sondern auch „diese tollen, freundlichen Menschen“. Andererseits hat sich Kühl gerade nach zwölf Jahren wieder ein Atelier in Berlin eingerichtet: „Ich brauche das Stadtleben, darf den Anschluss an die Welt nicht verlieren“, erklärt der freundliche, zurückhaltende Mann. Zu schnell werde man „zum Inselmaler“ – das wolle und könne er sich nicht leisten.

Es sind schätzungsweise 1500 Ölbilder, die Kühl als Künstler bisher gemalt hat. Eine Auswahl der besten (unverkauften) Werke hängt nun in der Alten Post – an ihnen zeigt sich auch Kühls Entwicklung von 1978 bis heute. Sein allererstes Bild sieht ziemlich düster aus. Was Ingo Kühl damit meint, wenn er auf das schwarz-weiße, abstrakte Muster zeigt und sagt, dies sei eigentlich ein Selbstporträt, ist zunächst nicht klar. „Urlandschaft apokalyptisch“ heißt das Gemälde, das Kühl malte, nachdem er beschlossen hatte, vom Architekturstudium zu den Bildenden Künsten zu wechseln: Dieser Untergang des einen Lebensentwurfes und der Neubeginn als Maler – dieser Wechsel im Selbstbild, findet Kühl, spiegele sich in seinem Erstlingswerk wider. Den Wechsel von der für ihn langweiligen Architektur hin zum riskanten Leben als freischaffender Künstler hat Kühl nie bereut. Gerade in seinen früheren Werken finden sich weiterhin architektonische Anspielungen, außerdem verdient Kühl zusätzliches Geld als Architekt. Privat erfüllte Kühls Leben während des Kunststudiums in Berlin die gängigen Klischees: „Eine billige Wohnung, keine Reisen, keine Freundin“, zählt Reiber in ihrer Rede während der Ausstellungseröffnung auf, „um seine inneren Kräfte zu spüren, müsse man allein und zurückgezogen leben“, habe Kühl ihr einmal erzählt. In einer ganz gegensätzlichen Situation lernte ihn allerdings 1991 seine heutige Frau kennen: Sie machte ihm auf einer Party ein Kompliment für seinen wilden Tanzstil.

In den Jahren zuvor begegnete Kühl neben Autoren wie Christa Wolf und Günter Grass auch Sarah Kirsch, zu der er eine intensive Beziehung aufbaute, wie er sagt. Er bebilderte einen Gedichtband von ihr, „Farbräume“ nennt er die in der Zeit entstehenden Werke, in denen Landschaften nur schemenhaft und am Rande von ineinander laufenden Farbschattierungen auftauchen.

Mit seiner Frau unternimmt Kühl in den Neunzigern viele Reisen. Daraufhin entstehen die in sanften Tönen gehaltenen, sehr lieblichen Südseebilder, denen als Gegenpol in der Alten Post die kräftigen, dunklen Gemälde der Nordsee vor Sylt gegenübergehängt wurden. Die Insel ist nach Eiderstedt und Amrum eine von mehreren Lebens- und Malstationen in Kühls Leben. Doch auch, wenn der Insel nun wieder ein bisschen mehr Stadt-Malerei entgegengesetzt werden soll – auf Sylt möchte er bleiben, sagt Ingo Kühl.


Die Ausstellung ist noch bis zum 28. Februar (Mo-Fr 15-18, Sa 10-13 Uhr) zu sehen, parallel ist das Keitumer Atelier geöffnet. Am Sonnabend, 22. Februar, findet ab 17 Uhr in der Stadtgalerie unter dem Titel „Meereslust im Werk von Ingo Kühl“ eine szenische Lesung mit Musik statt.

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