Flashmobs Party : Zwanzig Dixi-Klos als letzte Zeugen

Erwachen am Strand: Von den 5 000 Menschen,die am Vorabend auf der Insel feierten, blieben nur wenige wirklich bis zum Sonntagmorgen.
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Erwachen am Strand: Von den 5 000 Menschen,die am Vorabend auf der Insel feierten, blieben nur wenige wirklich bis zum Sonntagmorgen.

Die Meute war riesig, der Müllberg am Tag danach auch: Sowohl der Sylter Strand als auch die Friedrichstraße mussten im Anschluss an die Beach-Party erst einmal ordentlich gereinigt werden.

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15. Juni 2009, 10:13 Uhr

Sylt | Einsam und verlassen steht der Mann mit dem Besen auf dem ansonsten menschenleeren Vorplatz des Westerländer Bahnhofs und kehrt die Reste des Vorabends zusammen. In den frühen Morgenstunden nach der großen Beach-Party, zu der der aus Busdorf bei Schleswig kommende Christoph Stüber über das Internetportal "meinVZ" eingeladen hatte, herrschte Tristesse auf Sylt. Die grauen Wolken hingen bleiern über der Insel, hin und wieder tröpfelte Regen aufs Pflaster. Die große, feiernde Menge - nach Schätzungen der Polizei etwa 5.000 Menschen - ist da schon lange auf dem Heimweg. Hinterlassen hat sie einen großen Müllberg.

"Die Friedrichstraße war schon unheimlich dreckig am Sonntagmorgen", stellte nicht nur Mario Witt fest, der am Vorabend noch ganz dicht am Geschehen dran war. Von seiner "Créperie am Meer" aus hatte er den besten Blick auf die Feiernden, blieb von bösen Überraschungen allerdings verschont. "Ich kann nicht sagen, dass hier mehr los war als sonst", erzählt er, "natürlich sind hin und wieder ein paar von den Feiernden rüber gekommen und haben etwas gekauft, aber es hat keine Randale gegeben."
DRK: 54 Einsätze, 26 Verletzte

Weitaus unruhiger indes verlief die Nacht vom Sonnabend auf den Sonntag für die drei Ärzte und 50 Helfer des Deutschen Roten Kreuz (DRK), die mit acht Fahrzeugen im Einsatz waren. "Wir hatten unglaublich viel zu tun, so viel wie vorher noch nie bei einer Großveranstaltung auf der Insel", bilanzierte Karl-Heinz Kroll, Leiter des Rettungsdienstes am Sonntag, "insgesamt gab es über die gesamte Nacht verteilt 54 Einsätze zu verzeichnen." Dabei hätten sich die DRK-Kräfte, so Kroll, um 26 Verletzte kümmern müssen.
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Freilich ohne jegliche Verletzung, dafür aber mit "viel zu wenig Schlaf" verlebte Hans Wilhelm Hansen die Nacht. Auch wenn sich die ersten Partygänger bereits am späten Sonnabend mit den Zügen von Westerland aus zurück auf den Weg zum Festland machten und die Masse so langsam abnahm, machte sich der Ordnungsamts-Leiter bis zuletzt immer wieder ein Bild von der aktuellen Lage. "Das letzte Mal um vier Uhr morgens", wie er verrät, "danach konnte ich mit dem guten Gewissen, dass wir das Ganze überstanden haben, nach Hause ins Bett."
Weitaus früher trat indes übrigens Petra Reiber ihren Heimweg an. "Ich bin bis Mitternacht vor Ort gewesen und habe dort Dinge gesehen, die ich eigentlich nicht gerne sehen wollte", verwies die Bürgermeisterin der Gemeinde Sylt auf teils übermäßig stark alkoholisierte Jugendliche. Doch auch diese waren am Sonntagmittag längst Geschichte. Lediglich die zwanzig Dixi-Klos am Bahnhof zeugten da noch vom großen Ansturm des Vorabends.

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