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Weinlese auf Sylt : Zum Wohl: Frischer Wein von der Insel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Große Erträge bei zweiter offizieller Weinlese in Keitum / Hohe Qualität durch langen warmen Sommer

Premiere am Sonnabend, 15.30 Uhr: Winzer Christian Ress und seine Mitarbeiter setzen die Keltermaschine mit der ersten Ladung von 600 Kilogramm Sylter Trauben in Betrieb. Eben noch hingen sie an den Rebstöcken des Weinbergs gegenüber der Kirche St. Severin, jetzt wird aus ihnen in einer Halle auf dem Gänsehof der kostbare Most für den Jahrgang 2014 des Weißweins „Sölring“ gewonnen. „Dank der Hilfe von Familie Petersen konnten wir auf der Insel eine Kelterstation einrichten“, sagt Ress. „Das ist sehr wichtig für die Vermarktung.“ Denn nur ein Wein, der auch im Anbaugebiet gekeltert und ausgebaut wird, darf die entsprechende Herkunftsbezeichnung tragen – im Fall des „Sölring“ lautet sie „Schleswig-Holsteinischer Landwein“.

Gut zwei Stunden dreht sich eine Charge in der laut polternden Maschine. Mit wechselndem Luftdruck wird im Inneren ein mehrere Meter langer Gummischlauch immer wieder aufgeblasen und abgelassen, um noch den letzten Saft aus den Trauben zu pressen. „Die Mostausbeute beträgt 65 bis 70 Prozent“, erläutert Kellermeister Günter Kanning, „eine Ladung Trauben ergibt also ungefähr 400 Liter.“ Während die Lese am Weinberg noch läuft, hat Christian Ress schon mal „ganz grob durchkalkuliert“: Er rechnet mit einer Ausbeute von eintausend Litern. „Macht zirka 1400 Flaschen“, freut sich der Winzer, „das sind doppelt so viele wie in letzten Jahr.“ Die Ursache dafür, der sehr warme und lange Sommer, sorgte aber nicht nur für die große Menge an Sylter Solaristrauben, sondern auch für deren hohe Qualität. Sobald der erste Saft in die Auffangschale unter der Keltermaschine läuft, entnimmt Kellermeister Kanning in einem Reagenzglas eine Probe, um mit einer Mostwaage den so genannten Oechslewert zu bestimmen. „Fast 100 Grad, gut 20 mehr als 2013. Das hätte ich nicht erwartet.“ Damit könnte der Jahrgang 2014 des Sölring etwa einen Alkoholgehalt von 11,5 Volumenprozent erreichen.

Zwei Wochen noch bleibt Günter Kanning auf der Insel, um den weiteren Klärungs- und Vergärungsprozess auf dem Gänsehof zu betreuen. Anschließend wird der Wein nach Hattenheim, in das heimisches Weingut in Rheingau, transportiert, wo er in Edelstahltank weiter reift bis zur Abfüllung im Sommer 2015. Dann erhalten auch wieder die 555 Pächter der Sylter Rebstöcke ihre Flaschen des neuen Jahrgangs. Einige von ihnen kamen am Sonnabend – teilweise weit angereist aus der Schweiz, aus Eisenach in Thüringen oder Bonn am Rhein – zur Weinlese nach Keitum.

Gemeinsam mit Gastronomen von der Insel wie Verena Fitschen, Claas-Erik Johannsen und André Speisser oder dem stellvertretenden Bürgermeister Carsten Kerkamm schnitten insgesamt 70 fleißige „Erntehelfer“ die Trauben von den Rebstöcken oder schleppten auf ihren Rücken die 50 Kilogramm schweren Winzerbütten zur Keltereiverladung. Für die fachliche Überwachung der Weinlese sorgte auch in diesem Jahr wieder Ursula Linssen. Die Weinkontrolleurin des Kieler Landwirtschaftsministeriums ist mittlerweile für fünf verschiedene Anbauorte in Schleswig-Holstein zuständig und hatte 2009 selbst einige der ersten Rebstöcke in Keitum gepflanzt. Angeleitet wurde die unterhaltsame Aktion bei strahlendem Frühherbst-Sonnenschein von Oliver Schmid, dem Außenbetriebsleiter des Weinguts Balthasar Ress, der per Megaphon immer wieder zu „mehr Gewissenhaftigkeit“ mahnte, damit ja keine der wertvollen Trauben versteckt unter den Blättern hängen bleiben.


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erstellt am 29.Sep.2014 | 12:10 Uhr

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