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Kolumne : Zum Weltposttag: Geschichte in Briefform

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Rundschau-Volontärin Cornelia Pfeifer überlegt anlässlich des Weltposttages, warum sie endlich mal wieder einen Brief schreiben sollte.

Neulich kam ich von der Arbeit und fand im Briefkasten einen handgeschriebener Brief. Er hatte keinen besonderen Anlass, eine Freundin hatte einfach ein Bild von einem gemeinsamen Ausflug auf eine Karte geklebt und ein paar liebe Zeilen geschrieben. Kein großer Aufwand, aber mir versüßte er den ganzen Abend. Daraufhin kam ich ins Grübeln: Warum schreibe ich eigentlich nur noch so selten Briefe? Dabei weiß ich genau, welche Bedeutung so etwas haben kann. Mein Urgroßvater ist wegen einer Verletzung erst sehr spät in den Zweiten Weltkrieg eingezogen worden. Jeden Tag schrieb er einen Brief an seine Frau und seine Kinder. Darin verarbeitete er nicht nur seine Erlebnisse, sondern versuchte auch, seine Aufgaben als Vater über die Distanz zu erfüllen. Seinen Söhnen gab er Ratschläge fürs Leben und versicherte sie immer wieder seiner Liebe – bis zu dem Tag, an dem er in französischer Kriegsgefangenschaft starb. Diese Briefe waren alles, was meinem Großvater von seinem Vater geblieben sind. Als seine Augen zu schlecht wurden, sprachen wiederum seine Söhne die Briefe auf Band, damit er sie sich weiterhin anhören konnte. Die Briefe sind bei uns also zum wichtigen Teil der Familiengeschichte geworden. Dass schnell dahin geschriebene Emails so sorgsam aufbewahrt werden, kann ich mir kaum vorstellen. Vielleicht hole ich am Wochenende doch mal wieder das Briefpapier raus...

 

 

 

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erstellt am 09.Okt.2013 | 06:00 Uhr

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