Bienenzucht auf Sylt : Züchter von "Super-Bienen" ärgert sich über Schwarz-Imker

Hobbyimker Rudolf Schneider arbeitet seit vier Jahren in der Bienenzuchtstation in den Rantumer Dünen
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Hobbyimker Rudolf Schneider arbeitet seit vier Jahren in der Bienenzuchtstation in den Rantumer Dünen

Züchter in Sorge: Um Milben-resistente Bienen zu züchten, dürfen sie sich nicht mit anderen Bienenrassen paaren.

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02. Juni 2015, 05:02 Uhr

„Irgendwo hier in den Dünen müssen Schwarzimker ihre Bienenvölker aufgestellt haben. Damit gefährden sie die gesamte Arbeit unserer Königinnen-Zucht“, klagt Rudolf Schneider. Der 67-jährige Hobbyimker ist Leiter der Inselbelegstelle Puan Klent, eine der größten Zuchtanlagen zur Anpaarung von Bienenköniginnen in ganz Deutschland. „Und vor allem unser Plan, eine varroa-resistente Biene zu züchten, kann durch nur ein einziges illegal aufgestelltes Bienenvolk mit seinen 8  000 bis 12  000 Drohnen zunichte gemacht werden“, ergänzt Hans-Joachim Totzek, der Vorsitzende des Vereins Norddeutsche Peschetz Zuchtgemeinschaft, der die Anlage in Rantum betreibt.

2014 seien erstmals DNA-Tests bei den Bienenvölkern in der Zuchtstation durchgeführt worden, erläutert Totzek. Als Ergebnis der Untersuchungen ließ sich eine „Fremdbegattung im Sperrbezirk“ nicht ausschließen. „Damit ist nicht nur die Reinzucht unserer europaweit als besonders sanftmütig und leistungsfähig bekannten Bienensorte Carnica-Peschetz gefährdet.“, sagt Belegstellenleiter Schneider. „Auch für unser Ziel, dass mit der Weitergabe des wertvollen Erbguts der Drohnen die hier aufgezogenen Bienenköniginnen robuster werden gegen die Varroamilbe und auch gegenüber Umweltbelastungen, könnte einen empfindlichen Rückschlag erleiden.“ Bei manchen Imkern in Schleswig-Holstein hat die aggressive Milbenart „Varroa destructor“, die als Parasit auf Honigbienen lebt, bereits dieses Frühjahr zu einem Verlust von knapp der Hälfte der Bestände geführt.

Vor mehr als 60 Jahren sei gleichzeitig mit dem Erwerb des Geländes mit der schleswig-holsteinischen Landesregierung vertraglich vereinbart worden, im Umkreis von 7,5 Kilometern um die Belegstelle ein Sperrgebiet einzurichten, in dem es jedermann untersagt ist, Bienenvölker aufzustellen. Die Sperrzone reicht nach Süden bis zur Hörnum Odde und nach Norden über Rantum hinaus bis zum Baaktal sowie über das Rantum-Becken hinweg.

„Wir haben bereits nach den illegalen Bienenstöcken gesucht, aber bisher nichts gefunden“, berichtet Rudolf Schneider. „Das ist in dem großen unwegsamen Gelände auch eine echte Detektivarbeit für Spürhunde – oder vielleicht für elektronische Drohnen mit Spezialkameras.“ Die fremden Bienen müssten absichtlich irgendwo in den Rantumer Dünen aufgestellt worden sein, so der Belegstellenleiter. Es wäre ausgeschlossen, dass die Tiere aus Westerland oder aus dem Inselosten bis nach Puan Klent kommen. „Viel zu weit für die kleinen Insekten, außerdem mögen sie nicht übers Wasser fliegen.“ Das sei auch der Grund, warum die Zuchtstation für Bienenköniginnen überhaupt auf Sylt eingerichtet wurde: „Die abgeschottete Insellage sorgt für eine ganz besondere Reinheit. All die Jahrzehnte ging das gut, nun aber haben wir die ärgerlichen existenzgefährdenden Probleme“, sagt der ehrenamtliche Bienenwart.

Über die Gründe, die Schwarzimker dazu veranlasst haben, ihre Völker nahe der Belegstation aufzustellen, kann Rudolf Schneider nur spekulieren. „Bis Mitte Juli gibt es hier gar keine blühende Vegetation, erst dann beginnt die Heideblüte.“ Deshalb füttert Schneider die Bienen ab Öffnung der Station am 1. Juni zunächst auch mit selbst angesetztem Sirup. „So schlimm es klingen mag: Die illegale Aufstellung muss irgendwie mutwillig geschehen – anders kann ich mir das nicht erklären“, sagt Schneider. Er weist auch darauf hin, dass jeder Imker auf der Insel gesetzlich verpflichtet ist, dem zuständigen Veterinäramt in Husum den genauen Standort und die Anzahl seiner dort aufgestellten Bienenvölker zu melden. „Über entsprechende Gen-Untersuchungen ist es heute durchaus möglich, den Verursacher ausfindig und dann einen Schadenersatz geltend zu machen“, sagt Vereinsvorsitzender Totzek. „Noch appellieren wir allerdings an seine Vernunft, aber suchen natürlich intensiv weiter.“

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