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Morsum bald ohne Grundschule : Zu wenig Schüler: Primarhaus schließt

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Schulrätin Maike Jennert hat gestern das definitive Aus für den Schulstandort Morsum verkündet. Maximal 22 Schüler für das kommende Schuljahr sind für die Fortführung des im Sommer 2011 begonnenen Experiments zu wenig. Bürgermeisterin Reiber bedauert den „ungünstigen Zeitpunkt“ der Entscheidung.

Die gute Nachricht: Die Zukunft der vier Sylter Grundschulen ist für die nächsten fünf bis zehn Jahre gesichert. Die schlechte Nachricht: Das Primarhaus Morsum, offiziell Außenstelle der Grundschule am Nordkamp, wird im Sommer definitiv geschlossen. Das teilten gestern Schulrätin Maike Jennert und Schulverbandsvorsteherin Petra Reiber nach einem Treffen der Schulrätin mit den Sylter Schulleitern und Vertretern der Schulträger mit.

„Die Gemeinde möchte das Primarhaus unbedingt erhalten, aber leider haben sich in der dreijährigen Experimentierphase die Schülerzahlen nicht wie erwartet entwickelt, sondern sind sogar noch zurückgegangen. Es ist uns einfach nicht gelungen, genug Schüler zu finden, diesen Fakten müssen wir leider ins Auge sehen“, bedauert Petra Reiber die Entwicklung. Waren es bei der Eröffnung des Primarhauses – Kindergarten, Hort und Grundschule unter einem Dach, jahrgangsübergreifender Unterricht – im Sommer 2011 noch 46 Grundschüler, wären es im nächsten Schuljahr nur noch 22. Zehn Abgängern würden nur vier Erstklässler gegenüberstehen. Für den Erhalt des Standortes wären mindestens 44 Schüler erforderlich.

Damit stünden für Morsum 14,33 Lehrerwochenstunden zur Verfügung, statt der 26 benötigten – ganz zu schweigen von möglichen Krankheitsvertretungen. „Das Angebot für Morsum ist rein rechnerisch einfach nicht mehr darstellbar“, sagt die neue Schulrätin Maike Jennert. Wobei die schlechten Schülerzahlen nichts über die Qualität des pädagogischen Konzeptes aussagen würden, von dem sich Lehrer, Eltern und Politik eigentlich den Erhalt der kleinen Dorfschule erhofft hatten. „Das Primarhaus hat viele tolle Elemente, die man sicherlich an anderen Schulen übernehmen kann, aber eben auch einen sehr schwierigen Standort.“ Formal wären die 18 verbleibenden Kinder ab Sommer automatisch Nordkamp-Schüler, die Eltern könnten sich jedoch auch für eine andere Schule entscheiden. Jennert: „An allen vier Standorten gibt es genug Kapazitäten.“

Und daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern: Die Prognosen des Schulamtes Nordfriesland gehen davon aus, dass die Zahl der Grundschüler inselweit von derzeit 445 bis zum Schuljahr 2019/20 auf 367 und bis 2024/25 auf 339 zurückgehen wird. Wobei die Boy-Lornsen-Schule in Tinnum langfristig die einzige sein wird, die die Mindestgröße für eine selbstständige Schule mit eigener Schulleitung erfüllt. „Daher macht es Sinn, sich rechtzeitig Gedanken über mögliche organisatorische Verbindungen zu machen“, sagt Maike Jennert und kündigt an, dass die Stelle des Nordkamp-Schulleiters von Hans Peter Krebs nicht neu besetzt wird, wenn dieser im Sommer in den Ruhestand geht.

Trotz der recht eindeutigen Fakten zeigt sich Petra Reiber mit der Schließung des Primarhauses „nicht einverstanden“, da diese zur negativen Gesamtentwicklung für Familien beitrage. „Die Schließung kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt, wo die Inselgemeinden in den kommenden Jahren bis zu 2 850 neue Wohnungen planen. Wenn die bezogen werden, fehlen uns die Schulen.“

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erstellt am 22.Jan.2014 | 06:00 Uhr

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