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Musical : Zu viel Blümchen, zu wenig Alexandra

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Jasmin Wagner schaffte es im Musical "Alexandra" nicht, die Sängerin wirklich überzeugend zu verkörpern

shz.de von
erstellt am 04.Mai.2013 | 08:00 Uhr

Westerland | Der Applaus war am Donnerstagabend in Westerlands Altem Kursaal noch nicht ganz verebbt, da begannen vereinzelte Zuschauer bereits mit der Diskussion. "Alexandra - Glück und Verhängnis eines Stars" war mit Akteuren wie Jasmin Wagner (in den 90er-Jahren als Popsängerin "Blümchen" bekannt), André Vetters (Jaques Moulin) sowie Andreas Peschel am Piano als Musical über die Bühne gegangen. Und fand keinen ungeteilten Beifall.

"Sie ist das Blümchen geblieben, das sie war. Sie spielte oft zu hektisch und wenig ausgeformt," hieß es da. Andere kritisierten sprachlich ungenaue Artikulationen bei dem einen oder anderen Mitwirkenden. Oder empfanden den gesanglichen Part der Hauptdarstellerin in Teilen überzogen, gar überdreht.

Nun ist das mit Biografien, die als Musical für die Bühne aufbereitet werden sollen, immer so eine Sache. Elemente des Dramas, etwa die sich steigernde, spannungsgeladene Handlung, müssen kombiniert werden mit musikalischen, tänzerischen und sprachlichen Formen, um so ein "Drama mit Musik" zu ergeben. So der klassische Anspruch an das Musical schlechthin.

Verfolgt man den Lebensweg der (realen) Alexandra, wies der Entbehrungen und Enttäuschungen, aber auch überzeugende Erfolge auf. An dramatischen Elementen fehlte es ihm nicht. Daneben: ihre tiefe, rauchige Stimme samt der melancholisch anmutenden Lieder. All das ist bis heute unvergessen. Dieses Format umzusetzen, besser: adäquat zu besetzen (auch gesanglich) ist eine Herausforderung, die (auch an diesem Abend) nur schwer erfüllbar ist. Bei allem Respekt vor Wagners stimmlicher und schauspielerischer Leistung. Was sie leistete, das war ein wahrer Kraftakt, dem Anerkennung, gar Bewunderung gebührt.

Manches im Leben der (historischen) Alexandra mag Rätsel aufgeben. Warum der Autor Michael Kunze aber - teils unterschwellig, teils ausdrücklich - den russischen Geheimdienst KGB in das Handlungsgeschehen einflocht, bleibt wohl allein dem Bedürfnis nach prickelnder Dramatik geschuldet. Andere Stimmen an diesem Abend sprachen schlichtweg von "überflüssigem Unsinn".

Einige Szenen berührten und waren nicht ohne emotionale Tiefe. Susanne Häusler als sorgende, vieles durchschauende Mutter Wally Treitz wirkte authentisch und überzeugend. Andreas Peschels Piano-Spiel lieferte manch zusätzliche interpretatorische Begleitung. Einfühlsam verband er durch seine Musik die eine oder andere Szene miteinander. Das Stück hatte immer da seine Stärken, wo es sich eng an den gesichert überlieferten Lebensweg der Sängerin Alexandra hielt. Hinweise auf die letzte russische Zarin Alexandra hatten geradezu antizipatorischen Charakter, ließen sie doch an das tragische Ende beider Figuren denken. Alexandra mag mit ihrer Eigenkomposition "Mein Freund der Baum" im Baum den starken und sicheren Halt gesehen und gesucht haben, der ihr im wirklichen Leben versagt blieb. Sein Sterben in der Natur fand seine Entsprechung im Leben der Künstlerin, die am 31. Juli 1969 auf der Fahrt nach Sylt einen Unfalltod stirbt. Sie hatte keineswegs nur ihr Leben, sondern auch das neue Automobil nicht meistern können, fand doch die Polizei Zettel am Armaturenbrett mit Bedienungshinweisen für die richtige Handhabung des schweren Fahrzeuges. Wäre nicht auch das Wert gewesen, dramatisiert zu werden?

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