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Sylter Rundschau

22. August 2017 | 17:30 Uhr

Inselpolitik : Zoff in Hörnum

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bürgermeister Rolf Speth wollte in der Sitzung der Gemeindevertreter Tourismuschefin Finja Fröhlich absetzen lassen.

Eine Gemeindevertretersitzung mit 31 Tagesordnungspunkten zwei Tage vor Heiligabend – das spricht für schnelles Abhaken der Themen, weil alle schnell nach Hause wollen. In Hörnum ist die Sache komplizierter, weil sich ein tiefer Graben durch das Parlament zieht. Aber auch zwischen Gemeindebüro und Tourismusservice muss es Abgründe geben. Eine Mitarbeiterin des Tourismusservices wurde von Bürgermeister Rolf Speth gar des Saales verwiesen, weil sie aus den Zuschauerreihen heraus etwas beitragen wollte.

„Personalangelegenheiten“ hatte Bürgermeister Speth (AWGH) unter Punkt 30 auf die Tagesordnung setzen lassen, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. In der nicht-öffentlichen Beschlussvorlage, die unserer Zeitung vorliegt, heißt es: „Die Gemeindevertretung beschließt, das Beschäftigungsverhältnis“ mit der Betriebsleiterin des Tourismusservices „umgehend zu beenden. Der Bürgermeister wird beauftragt, ... einen Auflösungsvertrag auszuhandeln. Sollte eine einvernehmliche Beendigung nicht zustande kommen, dann ist der Bürgermeister autorisiert, das Beschäftigungsverhältnis verhaltensbedingt ordentlich zum nächstmöglichen Zeitpunkt zu kündigen.“

Sein CDU-Widersacher Ingo Dehn erkannte darin den Versuch des Bürgermeisters, sich seiner missliebigen Tourismuschefin Finja Fröhlich zu entledigen. Dehns Fraktion forderte eine Debatte über die Betriebsleiterin in aller Öffentlichkeit, und Finja Fröhlich hatte dazu schriftlich ihr Einverständnis erklärt. Sie saß in der ersten Reihe, während das Kommunalparlament über ihre berufliche Zukunft diskutierte. „Wir sollten als Gemeindevertretung gemeinsam mit ihr ein Gespräch über die Kritikpunkte führen, um die Zusammenarbeit zu verbessern,“ forderte Ingo Dehn. Inken Kessenich-Neubauer (CDU) warf Rolf Speth vor, er habe auf ihre zweimalige Aufforderung, die Vorwürfe gegen die Betriebsleiterin zu benennen, bis heute nicht reagiert. Schließlich setzte sich die AWGH-Mehrheitsfraktion des Bürgermeisters mit ihrem Antrag durch: Speth soll Anfang Januar ein Personalgespräch mit der Betriebsleiterin des Tourismusservices führen.

Um welche Vorwürfe es geht, wurde im weiteren Verlauf der Sitzung deutlich: Speth gibt ihr die Schuld daran, dass die Kurabgabensatzung nicht beschlussreif ist. Den Wirtschaftsplan 2017 des Tourismusservices wollte die Gemeindevertretung nicht verabschieden, weil er mit einem Unterschuss von 215  000 Euro abschließt. Beim Gemeindezuschuss für das Sylt Marketing klaffte eine Lücke zwischen den vom Tourismusservice errechneten 90  000 Euro und der Kalkulation der Inselverwaltung, die auf 110  000 Euro kommt. Die CDU wiederum sieht Versäumnisse des Bürgermeisters. Speth wolle seine Betriebsleiterin loswerden, weil sie bei den strafrechtlichen Ermittlungen gegen ihn die Staatsanwaltschaft unterstützt.

Schnell und einstimmig durchgewunken wurden die Anträge auf Gemeindezuschüsse. Sydslesvigs danske Ungdomsforening bekommt im laufenden Jahr 5760 Euro für die Hortbetreuung in Westerland. Der Etat für den Seniorenausflug und die Seniorenweihnachtsfeier der Gemeinde wird von 2500 auf 3200 Euro erhöht. Mit 200 Euro wird die Arbeit der Werkstatt 36 in Tinnum unterstützt. Das Diakonische Werk Südtondern erhält 868,95 Euro für die Beratung in Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen sowie 8308,17 Euro für die Suchthilfe. Die Frühe Hilfe Sylt wird mit 500 Euro gefördert, das dänische Büchereiwesen mit 100 Euro.

Am 3. Januar wäre Gelegenheit für die Hörnumer, einen Schritt aufeinanderzuzugehen. Dann findet im Hapimag-Komplex der Neujahrsempfang der Gemeinde statt.

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