zur Navigation springen

Sylter Objekt des Monats : Zeitmesser mit großer Symbolik

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Objekt des Monats Oktober ist eine Taschenuhr, die erahnen lässt, welch wichtige Dienste sie einst geleistet haben muss.

In einer Serie der Sylter Rundschau stellt Alexander Römer, Leiter der Museen der Söl’ring Foriining, jeden Monat einen Schatz aus dem Sylter Heimatmuseum oder aus dem Altfriesischen Haus vor. Die Objekte, die sich in der Sammlung befinden, sind sehr vielfältig, die damit verbundenen Geschichten und Informationen leider oftmals in Vergessenheit geraten. Objekt des Monats September ist eine Taschenuhr eines Pariser Uhrmachers.

Ein schnelles, kaum wahrnehmbares Ticken ist zu hören. Die Technik eines Uhrwerkes fasziniert immer wieder aufs Neue. Sei es das einer großen Standuhr, einer Wanduhr oder eben dieser kleinen faszinierenden Taschenuhr, die das Objekt des Monats Oktober bildet. Liebevoll und im Detail sorgfältig ausgearbeitet, liegt sie in der Hand und es lässt sich erahnen, welch wichtige Dienste diese Uhr einst geleistet haben muss. Die Spuren verdeutlichen dies eindrücklich. Das silberne Gehäuse ist sowohl von hinten als auch von vorne mit einem Klappdeckel verschlossen. Öffnet man den hinteren silbernen Deckel bzw. das Werk, trifft der Blick auf das goldfarbene Innengehäuse. In gewundener Schrift ist „Breguet et Fils“ eingraviert. Der Uhrmacher Abraham-Louis Breguet (1747-1823) eröffnet 1775 seine Uhrmacherwerkstatt in Paris und fertigt in den folgenden Jahren Uhren, die neue Maßstäbe setzten. 1807 nimmt er seinen Sohn Louis-Antoine als Partner auf, was zur Signatur „Breguet et Fils“ führt.

 


Drei Motive thematisieren die Todessymbolik


Eine Neuerung auf dem Uhrenmarkt war der „Breguetzeiger“, den Breguet 1783 erfand. Dieser filigrane Zeiger, oft in gebläutem Stahl oder aus Gold, sollte sowohl der Funktion, als auch den hohen ästhetischen Ansprüchen Breguets entsprechen. Spitz zulaufend und zum Ende verjüngend erweitert Breguet den Zeiger mit einem ausgestanzten Kreis. Der Minutenzeiger überragt das kleine zwölf-Stunden-Ziffernblatt leicht, während der Stundenzeiger recht zurückhaltend auftritt. Umgrenzt von einem goldenen Ring arbeitet Breguet in Emailletechnik die schwarzen arabischen Ziffern auf weißem Hintergrund auf. Die verbleibende Fläche ist ebenfalls in Emaillefarbe gestaltet und zeigt sich in einem hellblauen Ton.
Ebenfalls sehr fein ausgearbeitet sind in der rechten Hälfte drei einzeln aufgebrachte Motive, die die Todessymbolik thematisieren. Über der Ziffer Zwölf prangt ein Adler, der zwei große Glocken zu seinen Seiten trägt. Mittig befindet sich eine Figur mit Hammer und Sense und am unteren Ende, unter der Ziffer Sechs, ein florales Gebilde mit Laterne. Die Gestalt kann aufgrund der Sense mit der Figur des Todes identifiziert werden. Interpretieren lässt sich die Szene mit der Vergänglichkeit, dem Tod, der mit seinem Hammer die Glocken schlägt und damit die ablaufende Zeit anmahnt. Ein wahrlich spannendes und aufregendes Szenario für eine Taschenuhr. Es ist keine Seltenheit im 18. Jahrhundert, dass solch oder anders geartete Themen auf den Zifferblättern vorzufinden sind.
Die Liebe zum Detail wird bei der Uhr immer wieder aufgezeigt. Nicht nur in der Gestaltung und der Symbolik, die sie mit sich trägt. Immer wieder lassen die dezenten und durchdachten Details die Technik erkennen – auch wenn die eigentlich komplizierte Mechanik im Verborgenen bleibt. Zwischen der Vorder- und Rückplatine befindet sich das Werk. Feder, Getriebe, Hemmung und Schwingsystem sorgen als genial ausgeklügeltes System, dass der Stundenzeiger in zwölf Stunden eine einzige Umdrehung macht.
Zum Ende des 17. Jahrhunderts entstehen häufig ganze Zifferblätter aus Email. Der Trend der Emailuhren ist jedoch um 1800 bereits rückläufig. Die Emailkunst begann im 13. und 14. Jahrhundert in Limoges und wandelte sich im Laufe der Zeit. Maschinell gravierte Uhrengehäuse erobern zu dieser Zeit bereits den Markt. Die Uhrengehäuse präsentieren sich in schlichter Gestaltung statt aufwendig durchbrochenem und graviertem Silbergehäuse. Das Uhrengehäuse der vorliegenden Uhr zeigt sich recht schlicht. Auffallend jedoch sind im äußeren Gehäusemittelteil die eingearbeiteten Kannelüren. Umlaufend sind fein strukturierte vertikale Rillen zu sehen. Diese können ebenfalls als Markenzeichen einer Breguet Uhr gesehen werden. Am oberen Ende ist der umlaufende Ring zusammengelötet und nimmt den Kettenanker auf.
Zum Aufziehen der Uhr benötigt man einen Schlüssel, der auf den Vierkant der Federhaus- bzw. Schneckenwelle gesteckt wird. Dazu muss man das Gehäuse täglich öffnen und gut Acht auf den Schlüssel geben, dass dieser nicht verlegt wird. Dieser aufwendige Prozess führte zur Weiterentwicklung des Selbstaufzuges. Auf der anderen Seite galten die Uhren auch oftmals als Schmuckwerk, so dass bei einigen Modellen die Genauigkeit des Werkes als zweitrangig angesehen wurde.

Uhrmacher Carl Bohn mit seiner Frau Clara Christina, geborene Matzen.
Uhrmacher Carl Bohn mit seiner Frau Clara Christina, geborene Matzen.
 

Bis 1875 gab es in Keitum vier Uhrmacher


 

Das zusätzliche Schutzgehäuse der Uhr verweist im Inneren auf den Uhrmacher Carl Bohn. Bohn wurde 1856 in Morsum geboren und heiratete 1881 die ebenfalls aus Morsum stammende Clara Christina Matzen. Mit 61 Jahren verstarb Bohn, der in Keitum als Uhrmacher tätig war. Der aus Friedrichstadt stammende Uhrmacher Jacob Trogilius Sievers (1766-1849) lässt sich 1790 auf Sylt nieder. Sievers errichtete zu dieser Zeit in Keitum am Gurstig ein Haus und wird von dem Chronisten Henning Rinken als erster Uhrmacher Sylts ausgewiesen. Bis 1875 sollen in Keitum noch weitere vier Uhrmacher in ihrem Handwerk gearbeitet haben. Dabei handelt es sich um Georg Hansen Sievers (1800-1873), Michael Nielsen (1798-1860), Peter Momsen (1821-1869) und Heinrich Christian Jensen (um 1870).



Eine Stunde zurück



Ab dem 29. Oktober ticken die Uhren wieder nach der Winterzeit. Auch an den Sölring Museen wird diese Zeitumstellung nicht ohne Geräusch vorübergehen. Von November bis März laden die Keitumer Museen von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 11 bis 15 Uhr zu einem Besuch ein. Das Megalithgrab Denghoog und die Vogelkoje bleiben in diesem Zeitraum geschlossen.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen