Heute, 20.15 Uhr: Sylt als Kulisse : ZDF zeigt Lenz-Verfilmung

Die Hauptdarsteller: Bernadette Heerwagen, Nicolette Krebitz, Jürgen Vogel und Ina Weisse (v.l.) bei den Dreharbeiten in Rantum.
Die Hauptdarsteller: Bernadette Heerwagen, Nicolette Krebitz, Jürgen Vogel und Ina Weisse (v.l.) bei den Dreharbeiten in Rantum.

Der Film „Die Flut ist pünktlich“ wurde teilweise auf Sylt gedreht und wird heute Abend ausgestrahlt

shz.de von
24. Februar 2014, 06:00 Uhr

Eineinhalb Jahre nach den Dreharbeiten auf Sylt wird der ZDF-Film „Die Flut ist pünktlich“ nach dem Buch von Siegfried Lenz heute Abend, um 20.15 Uhr ausgestrahlt. Die Produktionsfirma Network Movie drehte sowohl in Rantum als auch in List, auf Rømø sowie an der dänischen Küste und in Hamburg (wir berichteten).

Literaturverfilmungen haben in der Regel ein Problem: Die Vorlage ist meist viel zu lang und muss für die Leinwand massiv gekürzt werden. Bei dem ZDF-Fernsehfilm der Woche ist es es einmal umgekehrt: Den schmalen Text, eine bereits 1953 verfasste Kurzgeschichte des Schriftstellers Siegfried Lenz (87, „Deutschstunde“) über eine Geliebte und ihren Geliebten sowie den im Watt verschwundenen Ehemann, hat der Drehbuchautor André Georgi für den 90-Minuten-Film mit zusätzlichen Personen und Handlungssträngen unterfüttert.

Der Tote, der zu Beginn des Films am Nordseestrand gefunden wird, ist der kranke Mediziner Alexander (August Zirner). Seine Frau Bettina (Ina Weisse) lebt im gemeinsamen Sommerhaus auf der Insel und hat ein Verhältnis mit Tom (Jürgen Vogel), der wiederum seine Frau Ulrike (Nicolette Krebitz) betrügt. Während bei Lenz praktisch nur im Dialog zwischen Bettina und Tom das Beziehungsdrama zunehmend deutlich wird, setzt der Film als dramaturgischen Kunstgriff auf eine junge Dorfpolizistin. Maike (sehr überzeugend: Bernadette Heerwagen) will klären, ob der Tod im Watt ein Unfall, ein Selbstmord oder ein Verbrechen war.

Die tragende Hauptrolle in dem ruhigen, aber psychologisch sehr intensiven Film spielt die norddeutsche Küstenlandschaft mit weitem Horizont und rauer See. Viele Szenen wirken, als stünden die von seelischen Konflikten belasteten Protagonisten in Landschaftsbildern.

Der Film lebt davon, dass vieles nicht ausgesprochen wird. Die durchweg großartigen Schauspieler müssen mit Augen und Mimik ausdrücken, was die von ihnen Dargestellten hinter ihren Worten wirklich bewegt: Verlustängste, Sehnsucht nach Liebe und Anerkennung, Lebenshunger.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen