Sylt Shuttle : Wohnmobil-Problematik: Kritik an der DB Autozug

Nachdem die DB Autozug keine größeren Wohnmobile mehr mitnimmt, wird Kritik am Unternehmen laut. Nun sollen Netze helfen.

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02. Juni 2015, 05:15 Uhr

Nun sollen Netze helfen: Nachdem der Syltshuttle seit vergangenem Freitag keine größeren Wohnmobile mehr transportiert, arbeite das Unternehmen an Lösungen, hieß es gestern von einem Bahn-Sprecher. Als Grund für den Mitnahme-Stopp hatte die Bahn am Wochenende Sicherheitsgründe genannt: In der vergangenen Woche hätten sich in drei Fällen Panoramadächer von Wohnmobilen während der Fahrt gelöst und seien abgefallen. Gestern testete das Unternehmen nun, die Dächer mit großen Netzen zu schützen, die über die Wohnmobile gespannt werden. Sollten diese Tests erfolgreich verlaufen, hoffe man, ab Ende der Woche wieder größere Wohnmobile auf dem Syltshuttle transportieren zu können, sagte Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis.

Auf der Insel wird derweil immer mehr Ärger über das Unternehmen laut. Dabei wird nicht nur bemängelt, dass das Unternehmen den Mitnahme-Stopp  nicht ausreichend kommuniziert hatte. Sondern auch, dass die Problemfelder „Wohnmobile“ und „Rückwärtstransport“ der Deutschen Bahn schon seit Jahren bekannt sein müssten.

In Internetforen findet sich unter anderem ein Bericht eines Wohnmobilfahrers aus dem Jahr 2007, der davon berichtete, dass sein Panoramadach während der Fahrt abgefallen sei. Ein Sylter Ehepaar, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen wollte, hatte sich juristisch mit der Deutschen Bahn über das gleiche Thema gestritten. Sie fuhren vergangenen Sommer mit ihrem nagelneuen Wohnmobil auf dem Syltshuttle von Westerland nach Niebüll. „Bei der Verladestation wurden wir darauf hingewiesen, dass wir darauf achten sollten, dass die Dächer und Luken geschlossen sind. Das haben wir getan – sie waren zu“, erinnert sich der Sylter. Trotzdem habe sich das Dachfenster mitten auf dem Hindenburgdamm gelöst und sei auf einen vor ihnen stehenden Audi gekracht. Nach einigem juristischen Hin- und Her war für Ende Mai dieses Jahres, also vor wenigen Tagen, ein Gerichtstermin  vor dem Niebüller Amtsgericht angesetzt worden. Doch vorher habe ihnen der Anwalt der Deutschen Bahn einen Vergleich angeboten, den sie annehmen wollen, so das Ehepaar weiter. Sie mutmaßen, dass dieser Konflikt die Bahn dazu bewegt hat, zunächst keine größeren Wohnmobile mehr zu transportieren.

Neben dem juristischen Ärger stören sich die beiden Sylter daran, dass die Bahn trotz dieser Vorfälle größere Wohnmobile  nach wie vor rückwärts stehend über den Damm transportiert. Aus verladetechnischen Gründen werden diese genau wie Lkw auf Flachwagen auf die Insel gefahren. Dabei stehen sie – anders als die Autos auf den klassischen Doppelstockwagen – entgegen der Fahrtrichtung. „Während unserer Fahrt auf dem Autozug Richtung Niebüll hatten wir starken Ostwind. Auf unser rückwärts stehendes Wohnmobil haben Geschwindigkeiten bis zu 160 km/h eingewirkt“, glaubt der geschädigte Wohnmobilist, „dafür sind die nicht gebaut.“

Das sieht  Wilfried Leupolz ähnlich. Er ist Pressesprecher des großen Wohnmobile-Herstellers „Bürstner“ und betont: „Rückwärts kann ein von uns gebautes Wohnmobil normalerweise nur im niedrigen zweistelligen Bereich fahren.“ Heißt: Die Fahrzeuge  sind nicht dafür konzipiert, von hinten schnellen  Geschwindigkeiten ausgesetzt zu werden. Das glaubt auch Klaus Jensen, Kfz–Meister und SWG-Politiker auf Sylt: „Auch frühere Probleme wären nicht entstanden, wenn die Fahrzeuge in der vorgesehenen Fahrtrichtung transportiert worden wären“, ist Jensen überzeugt. Er spielt damit unter anderem auf einen Unglücksfall an, bei dem ein Lkw während des Rückwärtstransports vom Shuttle geweht wurde – ein Mann verstarb. Jensen ist deshalb der Ansicht,  die Bahn würde fahrlässig transportieren: „Das Verschulden liegt aus meiner Sicht bei DB Autozug und nicht bei den Kunden.“ Er findet, dass ein Bau von neuen Verladerampen, die eine Beförderung in Fahrtrichtung ermöglichen würden, „bei den Millionengewinnen auf dieser Strecke doch wohl drin sein sollte“.

Dass der Bau neuer Verladeeinrichtungen irgendwann Thema werden muss, glaubt auch Hans Leister. Der Chef des Syltshuttle-Konkurrenten RDC sagt, dass auch sein Unternehmen Wohnmobile und Lkw im Rückwärtstransport mitnehmen werden muss: „Die Rampen sind nur dafür ausgerichtet.“ Bahn-Sprecher Egbert Meyer-Lovis weist den Vorwurf, die Bahn würde beim Rückwärtstransport fahrlässig handeln, entschieden zurück: Ein von der Bahn beauftragter Sachverständiger sei der Ansicht, der Rückwärtstransport habe mit den Vorfällen nichts zu tun. Deshalb bestehe auch kein Grund,   die Verladestationen auch für die Flachwagen auf Vorwärts-Transport umzurüsten.

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