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Autozüge nach Sylt : Wirrwarr an der Verladung

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Gemeindevertretung verlangt gegenseitige Anerkennung der Tickets, um Wartezeiten an Spitzentagen zu verkürzen

von
erstellt am 17.Jun.2017 | 05:04 Uhr

Der Ärger mit dem Bahnverkehr aufs Festland nimmt kein Ende. Während die Pendler gegen die Unzuverlässigkeit des Personenverkehrs Sturm laufen, beschweren sich Sylter vor allem über das Durcheinander bei den Autozügen. Seit mit RDC im Oktober 2016 ein zweiter Anbieter an den Start gegangen ist, klagen Autofahrer an den Terminals über Wartezeiten und mangelnde Informationen.

In der Gemeindevertretersitzung am Donnerstag Abend griff John Bourne (CDU) das Thema auf: An Tagen mit starkem An- und Abreiseverkehr sei es für die Gäste nicht zumutbar, drei statt zwei Stunden auf den nächsten Autozug der DB zu warten, wenn parallel ein RDC-Autozug abfährt. Daher müssten die beiden Autozugbetreiber gegenseitig ihre Tickets akzeptieren. „Da besteht ganz dringender Handlungsbedarf.“

Sein Fraktionskollege Frank Zahel schlug in die gleiche Kerbe: „Ich hatte auch Pech und musste drei Stunden auf den nächsten Syltshuttle warten, während der RDC-Autozug kam und gerade einmal fünf Autos entladen hat.“ Zahels Forderung: „Die Tickets müssen anerkannt werden – gerade, wenn Züge ausfallen oder defekt sind, muss ein gesundes Miteinander möglich sein.“

Kay Abeling (CDU) erkannte hier vor allem ein Versäumnis des neuen Anbieters: „Wir haben uns RDC gegenüber viel zu lange neutral verhalten.“ Das Unternehmen habe „viele Versprechungen einfach nicht eingehalten.“ Erst habe sich der Betriebsstart um ein Jahr verzögert. Über „wettbewerbsfähige Züge“ verfüge RDC bis heute nicht – „die können nur 70, 80 Autos mitnehmen.“ Abelings Fazit: „Es ist einfach nicht in Ordnung, was die treiben. Wir sind mit denen absolut nicht zufrieden.“

Das Problem: Bei der Auffahrt zu den Autoterminals in Westerland und Niebüll ist nicht erkennbar, welcher Anbieter als nächstes fährt oder ob es einen Stau gibt. Der rote DB-Syltshuttle fährt täglich etwa 21 Mal, der blaue RDC-Autozug sieben Mal. Auf die nächste Verladeschlusszeit eines RDC-Autozuges weist ein einfaches Schild an der Zufahrt hin – wann die DB fährt, bleibt im Dunkeln.

Dabei sei das RDC-Schild nur eine einfache Übergangslösung, berichtet RDC-Sprecherin Meike Quentin auf Anfrage unserer Zeitung. Im Februar sei mit der Deutschen Bahn, dem Landesbetrieb Straßenbau (LBV.SH) und dem Amt Südtondern besprochen worden, dass die DB bis Ostern eine Digitalanzeige installiert, die ständig aktuell die nächsten vier Verladeschlusszeiten und dazu die Fahrspuren anzeigt. „Doch das analoge Schild steht bis heute“, bedauert Meike Quentin. „Dass diese Information nicht geliefert wird, empfinden wir und viele Fahrgäste als Ärgernis.“ Die Deutsche Bahn habe noch nicht einmal einen Bauantrag für das Schild gestellt. „Wir haben jetzt parallel Angebote eingeholt und stellen uns darauf ein, das Schild selber zu kaufen.“

„Die Aussagen sind falsch“, wies DB-Sprecher Egbert Meyer-Lovis den Vorwurf der Konkurrenz zurück, die Deutsche Bahn sei mit der Digitalanzeige im Verzug. „Es handelt sich hier um sehr komplexe Sachverhalte mit Genehmigungen et cetera.“

Auch beim gegenseitigen Austausch der Tickets kommen Deutsche Bahn und RDC sich nicht entgegen. „Also das Thema haben wir doch schon so oft erklärt,“ schrieb uns Egbert Meyer-Lovis aus der Hamburger DB-Zentrale. Ein gegenseitiges Anerkennen der Tickets sei nicht möglich, da die Tarife unterschiedlich sind, was sowohl Preise als auch Beförderungsbedingungen angeht. Da könne man selbst an Spitzentagen keine Ausnahme machen. Aber es stehe dem Autofahrer ja frei, sein Ticket zurückzugeben und dann beim anderen Anbieter ein neues zu kaufen.

Kann er es denn das Ticket problemlos umtauschen? Der DB-Pressesprecher verweist auf die Tarifbedingungen. Demnach könnte der Kunde das Geld zurückbekommen, wenn er mit dem nächst erreichbaren Zug sein Ziel mit mehr als einer Stunde Verspätung erreichen würde (Sylt-Shuttle-Tarif, A 17.1). Sonst gilt Preiskategorie Z – für die Erstattung von Fahrkarten wird eine Gebühr von 19 Euro kassiert.

Bei RDC-Pressesprecherin Meike Quentin hört sich das etwas anders an: Das grundsätzliche Anerkennen der Tickets der Konkurrenz sei kartellrechtlich nicht erlaubt. Man müsse aber im Interesse der Fahrgäste eine Möglichkeit finden, den Andrang an den Terminals an Spitzentagen so schnell wie möglich abfahren zu können. „Wir sind gerne bereit, das Nötige zu tun.“

Das Anerkennen der Tickets der Konkurrenz – dieser Punkt sei schon diskutiert worden, bevor RDC seinen ersten Autozug auf die Reise geschickt hat, erinnerte sich Bürgervorsteher Peter Schnittgard (CDU) in der Gemeindevertretersitzung. „Es ist immer wieder neu zu hören, was alles nicht läuft, aber es ist selten etwas zu hören, was inzwischen gut läuft.“

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