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Bahnverkehr : Wird Sylt vom Fernverkehr abgehängt?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Bahnkonkurrent RDC behauptet, die Deutsche Bahn wolle künftig von Sylt aus keine Fernverkehrsverbindungen über Hamburg hinaus anbieten. Die Deutsche Bahn dementiert dies vehement.

Sylt | Die Sorge ist auf Sylt nicht neu: Wird die Insel mittelfristig vom Fernverkehr der Deutschen Bahn angefahren? In einer aktuellen Mitteilung schreibt auch das amerikanische Eisenbahnunternehmen Railroad Developement Corporation (RDC) über die Gefahr, dass Sylt vom Fernverkehr abgekoppelt werden könnte. Die Deutsche Bahn weist diese Spekulationen vehement zurück.

In dem neuen Konzept für den Fernverkehr, das die Deutsche Bahn AG Mitte vergangener Woche als „größte Kundenoffensive in ihrer Geschichte“ präsentiert hat, stellt die Anbindung der Insel Sylt einen wichtigen Bestandteil dar, betont DB-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis. „Anderslautende Behauptungen entbehren jeder sachlichen Grundlage und führen zu einer unnötigen Verunsicherung in der Region. Einen Rückzug aus diesem Verkehr wird es damit nicht geben.“ Die Bahn reagiert mit dieser Erklärung auf die Kritik eines ihrer Konkurrenten, RDC, der sich aktuell auch um die Übernahme des Autozuges zwischen Niebüll und Westerland bewirbt.

In der ersten Ausgabe seines Infodienstes berichtet RDC unter der Schlagzeile „Sylt abgehängt“, dass die Bahn plane, zwischen Hamburg und Westerland nur noch eine so genannte IC-Neu-Verbindung verkehren zu lassen, die offenbar keine direkte Verbindung nach Süden mehr schaffe. Damit würde es sich eigentlich nicht um einen Fernverkehrszug handeln, sondern lediglich um einen schnellen Zug auf der Marschbahn. Diese IC-Neu-Linie werde im Liniennetz der DB als „Touristische Anbindung (kein durchgängiger Zwei-Stunden-Takt)“ bezeichnet. „Damit wird aber nur die Tatsache schöngeredet, dass die Westküste und Sylt keine DB-Direktverbindungen zu den Herkunftsgebieten der Touristen mehr haben. Genau das hatten wir für den Fall, dass die Westküsten-Strecke nicht elektrifiziert wird, vorhergesagt“, heißt es in dem RDC-Newsletter.

Alle Verkehre in dem öffentlich vorgestellten Fernverkehrskonzept wären langfristig durchinvestiert, kontert die Bahn AG. Damit seien auch für die Anbindung Sylts Investitionen in neue Fahrzeuge vorgesehen.

Diese neuen Fahrzeuge wären sowohl für eine Geschwindigkeit von 200 Kilometer pro Stunde als auch für den Betrieb mit Diesellokomotiven geeignet. „Damit können die Züge selbstverständlich wie heute von den wichtigen Quellregionen wie zum Beispiel dem Ruhrgebiet, Berlin oder dem Rhein/Main-Gebiet nach Sylt umsteigefrei durchgebunden werden und werden nicht nur von beziehungsweise nach Hamburg verkehren“, erklärt DB-Pressesprecher Meyer-Lovis.

Das erweiterte ICE-Netz sowie das neue IC-Neu-Netz sollen von 2016 bis 2030 schrittweise eingeführt werden und zirka 25 Prozent mehr Zugleistungen im Fernverkehr erbringen. Bis 2030 würden 50 Millionen Fahrgäste mehr pro Jahr mit ICE oder IC unterwegs sein als heute, prophezeit die Bahn.

Die Deutsche Bahn AG vermeldet, dass die seit vielen Jahren bestehende und durch hohe Investitionen verbesserte Anbindung Sylts durch den Fernverkehr von den Bahnkunden sehr gut angenommen werde. „Die Zahl der Fahrgäste nimmt weiter kontinuierlich zu. Die Zahl der Verbindungen im Fernverkehr nach Sylt wird daher auch langfristig nicht reduziert werden“, verspricht Meyer-Lovis. Die DB-Strategie sehe sogar vor, dass bei der Fortsetzung des positiven Fahrgasttrends eine Ausweitung der Frequenzen erfolge.

Auch die Vorwürfe von RDC, eine Modernisierung und Verbesserung der Schienen-Infrastruktur der Marschbahn Hamburg-Sylt würden vernachlässigt, entbehrten jeglicher Grundlage, erklärt die Bahn. In den vergangenen Jahren sei erheblich in die verkehrliche Anbindung Sylts investiert und gleichzeitig mehrere Stationen modernisiert worden. Für den Streckenabschnitt Niebüll–Westerland habe die Bahn seit 2010 Investitionen im mittleren zweistelligen Millionenbereich getätigt, bis 2019 wären weitere Investitionen in Millionenhöhe geplant. Investitionsschwerpunkte seien der Oberbau, Uferschutz und die Stellwerkstechnik.

Obwohl es in der aktuellen Streit zwischen DB und RDC um den Fernverkehr, nicht aber um die Vergabe des Autozugs geht, kann sich Bahnsprecher Meyer-Lovis eine Anmerkung dazu doch zu verkneifen: „Seit dem Jahr 2000 sind darüber hinaus rund 50 Millionen Euro in die Anlagen des SyltShuttle investiert worden. Weitere 30 Millionen Euro sind für die nächsten Jahre geplant.“ Falls die Bahn denn die lukrative Autozugverbindung auch ab 2016 weiter betreiben darf und nicht etwa doch Konkurrent RDC zum Zuge kommt.

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erstellt am 23.Mär.2015 | 05:23 Uhr

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