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Bahnverkehr : Wird der Güterzug nach Sylt abgeschafft?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ein Transportunternehmen überlegt, den Güterzug nach Sylt abzuschaffen. Insulaner und Gäste würden dies unter anderem an der Tankstelle merken.

Wer daran denkt, wie Waren auf die Insel kommen, hat wahrscheinlich zuerst den Syltshuttle oder die Syltfähre im Sinn. Doch dreimal pro Woche fährt nachts ein Güterzug von Niebüll nach Westerland, der fast das komplette Mineral- und Heizöl sowie einen großen Teil der Baustoffe auf die Insel bringt. Der Betreiber dieses Güterzugs, die CFL Cargo Deutschland GmbH mit Sitz in Flensburg, überlegt, den Güterverkehr im kommenden Jahr aufzugeben. Das bereitet Sylter Unternehmern Sorge.

Ernst Petersen, Geschäftsführer der Knudsen Brennstoff GmbH, lässt mit dem Güterzug unter anderem Heizöl, Mineralöl für eine Sylter Tankstelle und Gasöl für den Schiffsverkehr auf die Insel kommen. Sollte der Zug wirklich nicht mehr fahren, müssten diese Brennstoffe also per Lkw auf die Insel kommen. Das ist laut Petersen nicht nur teurer, er stellt sich dies auch logistisch schwierig vor: „Es darf auf einem Syltshuttle nur ein Gefahrguttransport pro Zug mitfahren. Gerade im Sommer, wenn viel Benzin auf der Insel gebraucht wird, könnte es eng werden.“ Durch die erhöhten Transportkosten würde das Tanken und Heizen für Insulaner und Gäste teurer werden – Petersen schätzt, dass dann an Sylter Tankstellen zwei Cent pro Liter mehr gezahlt werden müsste. „Und es würden die riesigen Tanklastzüge über die Sylter Straßen rauschen und für die entsprechende Lärmbelastung sorgen“, hebt er als eine weitere Konsequenz hervor. Bisher wird lediglich eine einzige Sylter Tankstelle per Tanklaster beliefert.

Ähnlich kritisch sieht das auch Karl-Heinz Thielemann, Betriebsleiter des Baustoffhandels Gehlsen: „Allein unser Betrieb bekommt wöchentlich ungefähr 350 bis 400 Tonnen Baustoffe über den Güterzug geliefert. Wenn diese Mengen mit Lkw auf die Insel kommen sollten, würde das richtig teuer.“ Um 50 bis 70 Prozent würden sich die Kosten für die Fracht erhöhen, schätzt er. Auch er rechnet im schlimmsten Fall mit erhöhten Kosten, die auf den Verbraucher zukommen: Baumaterial auf Sylt wäre deutlich teurer. Und die Zahl der Lkw, die über die Insel führen, stiege natürlich auch an.

Schon vor einem Jahr habe auf der Kippe gestanden, ob die CFL Cargo Deutschland die Sylt-Strecke weiter betreibt, sagt Thielemann. Er will sich in den kommenden Wochen mit dem Geschäftsführer der Firma treffen, um herauszufinden, ob und wie es weitergehen kann: „Denn wenn die den Güterverkehr aufgeben, ist es damit für alle Zeit vorbei“, vermutet er, „so eine Strecke fasst doch dann keiner mehr an.“

Vom Aufgeben will Andreas Friedl momentan gar nicht reden: Bis Ende diesen Jahres habe er den Unternehmen zugesagt, dass der Güterzug weiter rollt, sagt der Geschäftsführer der CFL Cargo Deutschland. Damit es längerfristig weitergehen kann, brauche das Unternehmen allerdings die Unterstützung der Sylter Unternehmer. Sprich: Neue Kunden. In den vergangenen Jahren seien viele Firmen vom Güterzug zum Syltshuttle gewechselt. Über die Gründe für diesen Wechsel möchte Friedl, der seit einem halben Jahr als Geschäftsführer der GmbH tätig ist, nicht mutmaßen. Lediglich: „Vielleicht haben sich die Unternehmen von uns nicht gut genug betreut gefühlt.“ Dies, so sagt er, solle sich künftig ändern. Um auch bei anderen Unternehmern auf der Insel um Vertrauen zu werben, habe er sich kürzlich an den Verein Sylter Unternehmer gewandt, um mit ihrer Hilfe einen Infoabend zum Thema Güterzug zu organisieren. Gleichzeitig überlege man, den Sylt-Güterzug bis nach Neumünster fahren zu lassen, um so gegebenenfalls neue Kunden zu gewinnen.

Laut Friedl bietet CFL Cargo Deutschland in ganz Europa Gütertransporte an und befinde sich auf Expansionskurs. Probleme bereite lediglich die Sylt-Strecke: „Hier haben wir die spezielle Situation, dass der Autozug fast den gesamten Güterverkehr kannibalisiert hat.“ Logischerweise wäre es Friedl am liebsten, wenn der Autozug komplett frei von Güterverkehr wäre. In diesem Zusammenhang hofft er auf positive Impulse durch die mögliche Neuvergabe des Syltshuttles – einer der Mitbewerber der DB Autozug habe signalisiert, dass er die Trasse am liebsten nur für den Personenverkehr nutzen würde. Dies sollte aus seiner Sicht auch im Interesse der Sylter und Urlauber sein: Einen Tanklaster beispielsweise, vermutet Friedl, möchte niemand gern vor oder hinter sich auf dem Autozug stehen haben.

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erstellt am 22.Okt.2014 | 06:31 Uhr

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