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Sylter Rundschau

26. September 2017 | 11:23 Uhr

„Wir ziehen alle an einem Strang“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Gespräch mit dem Lister Bürgermeister Ronald Benck über Pläne und Entwicklungen des nördlichen Inseldorfes

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2016 | 18:17 Uhr

Die Gemeinde List lädt zu ihrer Gemeindevertretersitzung am 24. Mai ein. Ein Termin, der aufhorchen lässt, denn in dem nördlichsten Inseldorf bewegt sich einiges. Unsere Zeitung bittet deshalb um einen Vorabtermin bei dem Bürgermeister der Gemeinde, bei Ronald Benck, der erst seit wenigen Monaten im Amt ist, um mit ihm über die Entwicklungen, Visionen und die Arbeit als ehrenamtlicher Bürgermeister zu sprechen.

Wer mit Ronald Benck ins Gespräch kommt, merkt schnell, dass er ein freundlicher, seinem Gesprächspartner zugewandter Mensch ist. Ebenso schnell wird auch klar, dass Benck ein echter Lister ist. Einer, der hier geboren und aufgewachsen ist und einer, der schließlich auch geschäftlich in Sylts nördlichstem Dorf seine Basis gefunden hat. Seit gut einem halben Jahr ist der leidenschaftliche Surfer Bürgermeister von List. Einige Jahre war der CDU-Mann als Stellvertreter des langjährigen Lister Bürgermeisters, Wolfgang Strenger, bereits in der Kommunalpolitik tätig. Doch als Benck das Amt übernahm, nützten Vorkenntnisse und Vorahnungen nix.

„Das erste halbe Jahr war viel, viel Kleinarbeit. Das Problem war, dass ich pünktlich mit der Amtsübernahme auch einen gesperrten Haushalt übernahm.“ Die Gemeinde musste den Bauhof und das Grundstück der alten Feuerwache zum Bestpreis veräußern, um Gelder für den Haushalt zu generieren, die List wieder handlungsfähig machen sollte. „Das ist uns zum Glück gelungen.“ Der Haushalt wurde frei gegeben.

Seitdem scheint sich im Inselnorden weiter alles zum Guten zu wenden, ist Aufbruchstimmung spürbar, wenn Ronald Benck von den weiteren Entwicklungen in seinem Dorf erzählt. Mittlerweile hat er richtig Freude an seinem Amt, was auch daran liegt, „dass hier über die Parteigrenzen hinweg alle an einem Strang ziehen - da bin ich mir ganz sicher“.

Deshalb traut sich der Ort wohl auch all die Pläne zu, die die Attraktivität und Einwohnerzahl für List steigern soll. „Eine der größten Visionen ist dabei die Neugestaltung der Hafenstraße, die noch von Militärbauten geprägt ist. Die ehemalige Fahrbereitschaft ist ja schon zum Glück bereinigt worden, wir sehen da die voranschreitenden Bauaktivitäten“, freut sich Benck. „Wir sind darüber hinaus sehr froh, wie die Architektur dort ausfällt, das städtebauliche Erscheinungsbild passt zu List - für uns ist der dort entstehende Marktplatz ein Leuchtturmprojekt.“

Dann soll es seeseitig weitergehen, die alten Militärbauten abgerissen und später moderne Bauten entstehen. „Die ganze Straße wird als Boulevard ausgebaut. Es soll eine Flaniermeile werden.“ Mit den Bauarbeiten dort will man nach Fertigstellung des Lister Marktes, also Mitte 2017, beginnen. Gedacht ist dabei an eine Architektur, die als moderne Variante der Bäderstil-Villen des ausgehenden 19. Jahrhunderts beschrieben wird. „Viel Holz, aber kein Reet, sondern villenartige Gebäude mit sehr lichten, großzügigen Wohneinheiten.“ Einheiten, „die wenig Fläche verbrauchen werden, dafür aber in die Höhe gehen und Offenheit zum Meer ermöglichen. Damit würden dann die alten Militärgebäude verschwinden, also städtebaulichen Missstände bereinigen werden“.
Ganz besonders aber liegt Benck und seinen Gemeindevertretern das brach liegende Gelände der ehemaligen Marineversorgungsschule am Herzen, auf dem ursprünglich ein Internat geplant war, das dann aus unterschiedlichen Gründen nicht gebaut wurde. Das 18 Hektar große Gelände gehört der Grundbesitzergesellschaft NCS, die das Areal in Abstimmung und gemeinsam mit der Gemeinde in eine touristische Nutzung und für den Neubau von Dauerwohnraum nutzen will. Ob und wann sich diese Wunschpläne realisieren lassen, ist nach wie vor ungewiss, da der Bund hier mit hohen Nachforderungen bei dieser Nutzungsänderung droht.

Dagegen scheint ein Projekt auf der Zielgraden zu sein: der Lanserhof. „Für List, nein für die Insel, ist das ein riesiger Gewinn“, ist Benck überzeugt. Dennoch gab es auch hier einiges Hin und Her bis sich jetzt die Dinge geklärt haben, die aus Bencks Sicht alle Unwägbarkeiten vertraglich regeln ließen. Die Gemeinde „wollte sicher gestellt wissen, dass jedwede Art von Spekulation ausgeschlossen ist. Aber jetzt ist alles geklärt. Das Projekt kommt - da bin ich mir hundert Prozent sicher. Es soll der größte europäische Lanserhof, der Vorzeige-Lanserhof werden. Ein tolles Projekt!“

Geklärt ist nun auch der neue Standort des Feuerwehrgerätehauses der an der neuen Wache der ehemaligen MVS liegen wird. Mit Hochdruck wird auch an dem neuen möglichen Standort des Bauhofes und der Strandkorbhalle gearbeitet die auf dem Lister Klärwerksgelände ihre neue Heimat finden sollen. Das Grundstück, das logistisch ideal wäre, ist bereits versiegelt Fläche. Könnte man dort bauen, hätte das einen weiteren Vorteil: „Wir würden Einsparungen in Höhe von einer Million Euro ermöglichen“.

Nein, es ist noch lange nicht alles so klar und eindeutig geregelt, dass sich der Bürgermeister und seine Mitstreiter zurücklehnen können. Es sind noch eine Menge Baustellen offen, aber für Benck laufen die Projekte in die richtige Richtung. Auf die Frage, ob er denn sich erneut zur Wahl stellen würde, wenn 2018 Neuwahlen anstehen, zögert er nur kurz: „Wenn diese Harmonie unter uns erhalten bleibt und die Gemeindevertreter geschlossen hinter mir stehen, dann könnte ich es mir vorstellen.. Ich liebe diesen Ort und freue mich, dass List noch eigenständig ist.“

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