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Sylter Rundschau

17. Dezember 2017 | 15:14 Uhr

Streit auf Sylt : „Wir wurden abgewatscht“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Verwaltung und Selbstverwaltung streiten weiter über die Halle 28 und den abgesagten Infotag.

Zwei Wochen nachdem der Hauptausschuss der Gemeinde Sylt in einer emotional aufgeheizten Sitzung beschlossen hat, den für den 1. November geplanten Katastrophenschutztag in der Halle 28 nicht stattfinden zu lassen, stand er am Dienstagabend wieder auf der Tagesordnung. Wer aber erwartete, dass der Konflikt zwischen Verwaltung und Selbstverwaltung, der sich an diesem Thema entzündet hatte, nun auch nur ansatzweise aufgearbeitet wurde, der irrte. Anstelle von neuen Ergebnissen förderte die langwierige Diskussion vor allem alten Groll zutage.

Ganz so hart wie in der vorherigen Sitzung gingen die Kommunalpolitiker diesmal mit Ordnungsamtsleiterin Gabriele Gotthard allerdings nicht ins Gericht. Vielleicht begründete sich der gemäßigte Ton auch darin, dass die Entscheidung, den Informationstag ausfallen zu lassen, zu kritischen Reaktionen in der Bevölkerung geführt hatte.

Gotthard ist Mitglied der Lenkungsgruppe Gefahrenabwehrplan (GAP), in der Fachleute und Ehrenamtler den Umgang mit allen erdenklichen Unglücksfällen für die Insel durchspielen und mögliche Rettungsszenarien entwickeln (wir berichteten). An dem gecancelten Informationstag hätten alle mit dem Katastrophenschutz betrauten Gruppen sich selbst und ihre Fähigkeiten in der Halle 28 vorführen sollen. SSW, SWG, Grüne und SPD hatten diese Standortwahl scharf kritisiert, weil es seit Jahren beschlossene Sache sei, dass die Halle 28 eigentlich nicht mehr genutzt werden soll – die Veranstaltung wurde also abgesagt.

Für diejenigen, die größtenteils ehrenamtlich viel Zeit in die Arbeit der GAP-Gruppe steckten, „war diese Entscheidung sehr demotivierend“, sagte Gotthard am Dienstagabend und fügte hinzu: „Da wurden wir richtig abgewatscht.“ Dass sich die Ehrenamtler durch sie despektierlich behandelt fühlten, habe man nicht gewollt, hieß es aus den Reihen des SSW, der Grünen und der SPD. Wirklich zurückrudern – das war für die Politiker offenbar auch keine Option: Weil deutlich sei, dass die Verwaltung mit der Standortwahl ein Zeichen für den Erhalt der Halle 28 setzen wollte, argumentierte beispielsweise Andreas Eck (SSW). Ulla Lunk-Lorek (SWG) und Andreas Eck (SSW) kritisierten zudem einige der zurückliegenden Evakuierungen in die Halle 28 – sie hätten bessere Standorte gekannt, zu denen man die Menschen hätte bringen sollen.

Gabriele Gotthard betonte, sie stehe zu den jeweiligen Entscheidungen: „Wir sind ein tolles Team und wir leisten gute Arbeit.“ Der stellvertretende Bürgermeister Carsten Kerkamm (CDU), der regelmäßig auf ein nahes Ende der Debatte drang, zeigte sich über die scheinbaren Fachkenntnisse einiger Mitglieder des Hauptausschusses überrascht: „Ich dagegen höre in der Regel auf das, was mir Experten raten.“

Gerd Nielsen (SPD) benannte das dem Konflikt zugrunde liegende Problem recht deutlich: Eigentlich gehe es nicht um den Infotag, sondern darum, dass die Verwaltung den Jahre alten Entschluss der Politik nicht umsetze, der besagt, dass die Halle nicht mehr für Evakuierungen zu nutzen und Pläne für eine neue Halle zu erstellen seien: „Sie sollten die gewählten Vertreter respektieren.“

Dafür müsse die Politik endlich deutliche Vorgaben machen, welche Standards sie für eine solche Halle überhaupt wollen, konterte Reiber: „Und wenn Sie uns sagen, wir sollen Zelte auf dem Rathausmarkt aufbauen und die Menschen dorthin evakuieren“, dann würde auch dieser Beschluss umgesetzt. So lange aber keine Alternative zur Halle auf dem Fliegerhorstgelände zur Verfügung stünde, werde die Halle 28 auch weiterhin für die Evakuierung genutzt.

Um den Vorwurf zu entkräften, die Verwaltung würde Entscheidungen der Politik nicht umsetzen, werde die Gemeinde nun in die Planung für eine neue Halle gehen, so Petra Reiber gegenüber der Sylter Rundschau: „Weil die Politik keine Entscheidung gefällt hat, nach welchen Standards diese Halle ausgestattet werden soll, werden wir erst einmal Vorgaben geben“, fügte Reiber hinzu, „und zwar die, die wir als Fachleute für richtig halten.“

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