zur Navigation springen

Ortsentwicklung in Keitum : „Wir wollen nicht wie Kampen werden“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Vertreter der SWG beklagen die verfehlte Entwicklungen bei Keitumer Bauprojekten.

von
erstellt am 22.Sep.2015 | 05:42 Uhr

„Ich kann nur jedem raten, mal zum Kliff zu gehen und sich anzuschauen, was da jetzt gebaut wird bei Nielsen’s Kaffeegarten: Drei Stadthäuser, mit neun Appartements. Ich frage mich ernsthaft, was so etwas bei uns im Dorf zu suchen hat“, ärgert sich Traute Meyer. Sie hofft, das sei ein „letztes schlechtes Beispiel für eine verfehlte Ortsentwicklung“ im Inselosten. Die Vertrauensfrau für Baudenkmalspflege sagt, sie sei sehr froh, dass „wir seit der Fusion wieder eine Politik und mittlerweile auch eine Verwaltung haben, die sich für die Interessen des Dorfes einsetzen und weiterem Wildwuchs Einhalt gebieten.“

Ausdrücklich fordert die Bürgervertreterin der Sylter Wählergemeinschaft (SWG), künftig keinerlei Ausnahmen bei Umbauten im Bestand mehr zuzulassen. Keitum müsse als grünes Dorf erhalten bleiben, mit seinen Museen, den Werkstätten und Ateliers der Kunsthandwerker und auch mit ganz normalen Läden des täglichen Bedarfs. „Das ist es doch, wofür die zahlreichen Touristen unser Dorf so lieben: Das Ursprüngliche, das Traditionelle – zum Shoppen kann man auch woanders hinfahren“, sagt Traute Meyer. Die seit Mitte der 1990er Jahre geltende 40/60-Regelung für ein Nebeneinander von Gewerbe und Wohnraum im Erdgeschoss habe sich bewährt, daran sollte nicht gerüttelt werden – auch nicht mit Sonderbestimmungen für Schank- und Speisewirtschaften, wie aktuell durch den Fall „Fisch-Fiete“ in der Diskussion. Die Denkmalspflegerin spricht sich dafür aus, dass der städtebauliche Rahmenvertrag aus dem Jahr 1983 weiter eingehalten wird. Allerdings müsse er fortgeschrieben, den aktuellen Problemen im Dorf angepasst werden: „Aber das ist ja auch in der Vergangenheit immer wieder geschehen“, so Traute Meyer.

Auch Sönke Hansen kann sich noch gut an die Ursprünge der Keitumer 40/60-Regelung erinnern: „Wir wollten verhindern, dass im Dorf so etwas wie in der Westerländer Friedrichstraße entsteht: Eine Fußgängerzone mit Geschäft an Geschäft und Kneipe an Kneipe “, sagt der 1. Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SWG, „und wir wollten auch keine Whiskey-Meile à la Strönwai. Das gilt bis heute: Denn wir wollen ja nicht wie Kampen werden.“ Deshalb habe er sehr große Problem mit Ausnahmeregelungen – aus welchen Gründen auch immer – für einzelne Bauvorhaben: „Das kann sich dann schnell zu einer Art Präzedenzfall entwickeln und sich unerwünscht auf Folgeanträge der Nachbarn auswirken“, sagt Sönke Hansen.

Nach den Diskussionen im Bauausschuss um „Fisch-Fiete“ sei es sein Anliegen gewesen, dass das Thema 40/60-Regelung noch mal grundsätzlich im Ortsbeirat behandelt werden sollte. „Wie gesagt, grundsätzlich. Ich wollte wissen, ob die Keitumer nach wie vor zu den im Dorf geltenden Regelungen stehen oder ob Änderungen, in welche Richtung auch immer, gewünscht werden“, so Hansen. Aber dann sei im Ortsbeirat doch wieder nur über das Thema „Fisch-Fiete“ gesprochen und die Problematik schließlich lediglich auf Umbauten für bestehende gastronomische Betriebe ausgeweitet worden. „Das jedoch bringt uns im konkreten Fall nicht weiter, denn wie der Eigentümer selbst erklärte, will er in den neuen Anbauten Ladenlokale einrichten und die dann weiterverpachten. Und in genau diesen Fällen würde wieder die 40/60-Regelung fürs Erdgeschoss greifen.“ Einer Nutzungsänderung selbst , wie zum Beispiel für die Alte Friesenwirtschaft in Keitum beantragt, könne laut Baurecht allerdings nicht widersprochen werden.

Man müsse Bauanträge stets wertfrei betrachten, losgelöst von einzelnen Personen und deren individuell eventuell verständlichen Absichten: „Das ist immer mein Anspruch und auch mein Handeln gewesen, solange ich in der Politik bin“, sagt Sönke Hansen. Darum sei es notwendig, rechtssichere und verlässliche Vorgaben zu haben und gemeinsam Beschlüsse zu erarbeiten, an die sich alle Verantwortlichen in Politik und Verwaltung halten.

 

 

 

 

 

 

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen