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Ausstellung in Morsum : „Wir sind uns der emotionalen Hürde bewusst“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Morsumer Kirchengemeinde lädt zur „Jedermann-Ausstellung“ in die Aussegnungshalle ein. Ein Ort der Begegnung, der zum Gemeindeleben jetzt auf neue Art und Weise dazugehört.

Obwohl die ganze Insel am Sonntagabend gebannt vor dem Fernseher zu sitzen scheint, um das EM-Spiel Deutschland-Slowakei zu verfolgen, wird im Inselosten eifrig gewerkelt und angeregt geschnackt. Der Förderverein der Kirchengemeinde St. Martin hat zusammen mit Pastor Ekkehard Schulz zur „Jedermann-Ausstellung“ an einen ungewöhnlichen Ort eingeladen: in die Aussegnungshalle auf dem Morsumer Friedhof. Hier wurden Verstorbene, die nicht Mitglied einer Kirche gewesen sind, würdig verabschiedet. „Das ist in den letzten 20 Jahren vielleicht acht Mal vorgekommen“, erklärt Schulz, „deswegen haben wir über eine erweitere Nutzung nachgedacht. Natürlich wissen wir, dass es sich dabei um einen emotionalen Spagat handelt – doch verweisen das Kreuz an der Wand und die Ausrichtung zur Kirche auf den christlichen Bezug dieses Gebäudes, und wir gehen sehr sorgsam mit den Erinnerungen und Gedanken um, die an diesem Raum für viele Menschen hängen“, versucht der Pastor mögliche Vorbehalte auszuräumen.

So facettenreich wie das Leben vieler Verstorbener gewesen ist, präsentiert sich auch die Jedermann-Ausstellung. Ölbilder, Fotos, Collagen, Sandmalereien und Federzeichnungen hängen scheinbar ungeordnet an den Wänden. Sylt und vor allem Morsum sind häufige Motive, doch entführen die Bilder auch nach Italien, nach Asien oder tragen eine Botschaft in sich. Der Maler und Bildhauer Hans Joachim Pohl bringt eine große quadratische Leinwand, auf der ein Fisch und der Schriftzug „Clean“ zu sehen sind. „Der Fisch“, so erläutert der Künstler, „steht für das Meer und als Zeichen des christlichen Glaubens. Mit dem Begriff ‚Clean‘ möchte ich auf die drohende Verschmutzung unserer Meere vor allem durch Plastikmüll hinweisen.“

Der Vorsitzende des Fördervereins St. Martin, Michael Boysen, nimmt ihm das Bild ab und platziert es auf einer der wenigen noch freien Flächen. „Wir haben Kunstwerke von der ganzen Insel bekommen und wer noch etwas bringen möchte, ist uns herzlich willkommen“, lädt er alle Kunstliebhaber ein, ihr Werk als Teil der Jedermann-Ausstellung zur Verfügung zu stellen. „Wir wünschen uns, dass die Wände voll sind und hier Menschen zusammenkommen, um über die Bilder zu sprechen und sich daran erfreuen, ihre Schätze zu zeigen, die sonst nur in den eigenen vier Wänden zu sehen sind. Neue Bilder können jeden Sonntag nach dem Gottesdienst aufgehängt werden.“

Versichert sind die Bilder nicht, verkauft werden sie auch nicht. Das Ziel der Aktion ist es, die Aussegnungshalle ohne Schwellenängste zu betreten und sie als Ort der Begegnung zu erfahren, der zum Gemeindeleben jetzt auf neue Art und Weise dazugehört. „Wir werden aus der Aussegnungshalle keine Partyzone machen“, beruhigt Pastor Schulz. „Vielmehr möchten wir einen Ort anbieten, an dem die Gemeinde nach einer Taufe, Hochzeit, einem Konzert oder eben zur Jedermann-Ausstellung zusammenkommen kann.“

Zu sehen sind die Bilder der Jedermann-Ausstellung bis zum Ernte-Dank-Gottesdienst während der Öffnungszeiten der Morsumer Kirche. Der Eintritt ist kostenlos.



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erstellt am 28.Jun.2016 | 05:43 Uhr

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