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Neuer Pastor der Sylter Katholiken : „Wir sind Teamplayer“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Seit einem Monat ist der neue Pastor der katholischen Kirchengemeinde auf Sylt, Noel Hendrik Klentze, im Amt

„Ich fühle mich viel entspannter, seitdem Sie hier sind!“ so Erika Redlin von Westerlands katholischer Kirchengemeinde St. Christophorus. Mit ihr allerdings freuen sich ebenso vorbehaltlos Schwester Francisca, Beate Lüngen sowie Regina Kirsten, dass die Insel Sylt seit dem 1. August wieder einen neuen katholischen Seelsorger hat. Genauer gesagt: einen auch für Sylt zuständigen Priester. Pastor Noel Hendrik Klentze nämlich ist innerhalb des geographisch weit gefächerten neuen pastoralen Raumes nicht nur für die Katholiken auf Sylt zuständig, sondern auch für die Inseln Amrum und Föhr sowie Niebüll, Bredstedt und St. Peter-Ording. Welch eine Herausforderung!

Freuen sich über Pastor Klentze (2. v. li.): Beate Lüngen, Schwester Francisca, Erika Redlin und Regina Kirsten (v. li.).
Freuen sich über Pastor Klentze (2. v. li.): Beate Lüngen, Schwester Francisca, Erika Redlin und Regina Kirsten (v. li.). Foto: Lorkowski

Seinen Wohnsitz hat der 46-Jährige, der die Insel in der Verganheit häufig als Urlauber besuchte und sie mittlerweile in ihrer gesamten Länge und Breite erkundet hat, im Pfarrhaus der Westerländer Gemeinde St. Christophorus genommen. Der Seelsorger kann sich bei der auf ihn zukommeden Arbeit auf ein verlässliches, fleißiges und eingespieltes Team stützen. „Wir sind Teamplayer“, so der Pastor und dankte den vier Damen für ihren unermüdlichen Einsatz für die Gemeinde während der Pfarrvakanz.

Im Niebüller Pastorat übrigens steht dem Geistlichen ebenfalls eine Unterkunft zur Verfügung. Sie wird er in Anspruch nehmen (müssen) nach abendlichen Gremiensitzungen auf dem Festland. Oder wenn – nach Lage der Dinge – wieder einmal Züge ausfallen oder mit extremer Verspätung ihren Weg Richtung Sylt antreten.

Nach Sylt hat ihn Hamburgs Erzbischof in erster Linie als Tourismusseelsorger berufen. Hendrik Klentze ist also kein im herkömmlichen Sinne zu verstehender Gemeindepastor mehr. Dennoch: er ist sehr wohl für sämtliche auf der Insel anfallenden Amtshandlungen wie Taufen, Trauungen oder Beerdigungen der dafür zuständige katholische Seelsorger. Sein Dienst aber führt ihn immer wieder auch auf das Festland. So wird er etwa einmal pro Monat mindestens in Niebüll mit der dortigen Gemeinde die Heilige Messe feiern. Für Aufgaben der Seelsorge steht ihm darüber hinaus dort – gottlob – weiterhin der (Kapuziner-)Pater Markus Benedikt zur Seite.

Pastor Klentze hat sein pastoraler Auftrag von Bayern weit in den Norden geführt. Aus seinem Elternhaus („mit keiner religiösen Einstellung“) in München führten ihn „Sinn- und Lebenskrisen“, so bekennt der Priester freimütig, zum Studium der Theologie. „Ich suchte nach neuen, nach anderen Wegen. Ich fragte nach den Inhalten des christlichen Glaubens ebenso wie nach Antworten auf das Sinn- und Glücksverlangen des Menschen“. Auf der Hochschule St. Georgen der Jesuiten in Frankfurt/Main sowie der Hochschule für Philosophie und Theologie des Kapuziner-Ordens im westfälischen Münster absolvierte er seine Studien. „Meine Eltern,“ so Pastor Klentze, „unterstützten meinen Weg, förderten und bestärkten mich“. Sein Einsatz als Kaplan: Schwerin, Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt. „Da traf ich auf eine wahnsinnig engagierte Gemeinde. Der Besuch der sonntäglichen Gottesdienste war sehr gut. Die Katholiken dort hielten stramm zusammen!“

Hamburgs Bischof berief Hendrik Klentze danach als Seelsorger in den pastoralen Raum Südholstein. Er nahm zwar eine Wohnung in Wedel, sein Dienstsitz allerdings war Elmshorn. „Da kostete es Energie, die einzelnen Gemeinden mit den Neuerungen und den damit verbundenen Herausforderungen der pastoralen Neugliederungen vertraut zu machen“, so erzählt er rückblickend.

Nicht anders stellt sich für ihn die Situation in Nordfriesland dar. „Ich muss hier beweglich sein, das erfordert die neue Aufgabe“. Klentzes Hoffnung: dass die Dienstpläne über den Einsatz der Seelsorger seinen Arbeitsschwerpunkt insgesamt stärker auf den nördlichen Bereich focussieren. Hinzu kommt nämlich auch noch, dass der neue Priester zur Mitarbeit in der Kunst- und Liturgiekommission des Bistums berufen ist. Das alles, so schätzt er sehr realistisch, „kostet Zeit und Kraft und Einsatz!“

Die Seelsorge aber verliert er bei allen Anforderungen und Aktivitäten nicht aus dem Blick. „Was brauchen die Menschen?“ – diese Frage treibt ihn um. Lässt ihn auf vielerlei neuen Wegen das Gespräch mit den Menschen suchen. „Kirche muss rausgehen. Dahin, wo die Menschen sind. Die alte, allzu lange praktizierte Clubmentalität muss aufgebrochen werden.“ Aus Überzeugung spricht er diese Worte. Und setzt gleich hinzu: „Mein Predigtauftrag ist es, die Gemeinden zum Fragen zu bringen, damit sie angespornt werden, neue Sichtweisen für ihr Leben und für ihren Glauben in den Blick zu nehmen.“ Wundert es da, dass er in mancher Heiligen Messe Altar und Kanzel verlässt, um die Nähe der Menschen zu suchen? Auch im Kirchenraum? Etwa indem er mit dem Handmikrophon durch die Reihen geht, um die Besucher in den Prozess der in der Predigt aufgeworfenen Fragen mit einzubeziehen.

Der Wind auf Sylt, von jeher den Menschen vertraut, scheint um eine weitere Prise frischen Windes reicher geworden zu sein. So will es jedenfalls scheinen.

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