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Sylter Autozüge : „Wir sind an einem guten Miteinander interessiert“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Statement von RDC Deutschland zur aktuellen Diskussion über den Autozugverkehr von und nach Sylt

shz.de von
erstellt am 16.Okt.2017 | 22:05 Uhr

Seit fast auf den Tag genau einem Jahr sind wir als Autozuganbieter auf der Syltstrecke unterwegs. Bis zu 600 Fahrzeuge fahren mittlerweile tagtäglich auf unseren blauen Flachwagen mit freier Sicht aufs Wattenmeer nach Sylt oder zurück aufs Festland. Unsere Fahrgäste haben alle weniger gezahlt als bei der Alternative DB Sylt Shuttle und sind gut und sicher angekommen. Viele loben unseren freundlichen, persönlichen Service beim Fahrkartenkauf und auf dem Terminal. Sylter Firmen, Hotels und Geschäfte kommen verstärkt auf uns zu, um Kooperationen für ihre Gäste und Kunden zu vereinbaren. Als kleines Unternehmen können wir ihnen mancherlei Spezialwünsche flexibel und selbst kurzfristig noch erfüllen.

So kommt es, dass sich unsere Fahrgastzahlen ebenso erfreulich wie beständig nach oben entwickeln. Gemeinsam mit den Kollegen vom DB Sylt Shuttle haben wir zudem die erste Hochsaison auf den Verladeterminals insgesamt erfreulich störungsfrei gemeistert. Dies nicht an jedem Tag, nein. Sturmbedingte Ausfälle, häufige Streckenbauarbeiten, schadhafte Züge anderer Eisenbahnen auf der Strecke mit in der Folge erheblichen Verspätungen haben auch unseren Autozugkunden vereinzelte Überfahrten erschwert. Auch ist es an einigen Hochandrangstagen an Ferienwochenenden zu Staus vor den Verladeterminals gekommen, so wie das auch schon vor unserer Betriebsaufnahme regelmäßig der Fall war.

 


Wir stehen selbst auch nicht gern im Stau

Wir verstehen jede Verärgerung darüber und stehen selbst auch nicht gern im Stau. Für diese Tage beziehungsweise bestimmte Andrangszeiten an diesen Tagen würden auch wir gern Doppelstockfahrzeuge nutzen können. Nicht zuletzt korrespondiert unser unternehmerisches Interesse, so viele Fahrgäste pro Zug wie möglich befördern zu können, mit der Notwendigkeit, an solchen Tagen wartende Urlauber so schnell wie möglich auf die Insel zu bringen.

Doppelstockwagen für die Syltverbindung sind jedoch nicht „im Regal stehend“ vorhanden, man kann sie auf dem Fahrzeugmarkt nicht kurzerhand anmieten. Vielmehr müssen sie für Sylt aufgrund der Seitenverladung ganz neu gebaut werden. Das bedeutet: Entwicklung, Bau und Test eines Prototypen, Optimierung, schließlich Neubau und anschließend aufwendige Zulassung sämtlicher Fahrzeugwagen. Insgesamt ist das ein mehrjähriger Prozess. Darauf haben wir schon immer hingewiesen, zuletzt übrigens öffentlich im Wirtschaftsausschuss des Kreises Nordfriesland im Juli in Husum. Seitens der Sylter Gemeindepolitiker hat sich danach übrigens niemand bei uns gemeldet.

Doppelstockwagen sind an den meisten der 365 Verkehrstage im Jahr übrigens nicht zwingend erforderlich, wohl aber zu Hochandrangszeiten. Deshalb haben wir bis zur Fertigstellung von Neubauten ein Angebot zur Anmietung vorhandener Doppelstockwagen, die derzeit ungenutzt auf Sylt stehen, inklusive Wartung und Inspektion gemacht. Wir warten hier noch auf Antwort. Um die Erwartungen etwas zu versachlichen, die eine Nutzung von Doppelstockwagen hinsichtlich der Stauentwicklung an Hochandrangtagen bewirken kann: Derzeit können wir bis zu 80 Pkw pro Zug befördern, Doppelstockwagen bieten Platz für bis zu 160 Fahrzeuge. Bei zum Beispiel sechs Kilometer Stau ab Risum/ Lindholm bis Niebüll verlängert unsere Flachwagenkapazität den Stau um zirka vier Meter/pro Fahrzeug x 80 Fahrzeuge = 320 Meter. Selbst bei zwei Zügen wären es 640 Meter. Die übrigen 5,68 beziehungsweise 5,36 Kilometer Stau würden allein durch Doppelstockwagen bei beiden Anbietern nicht wesentlich verkürzt. Hier müssen ergänzend andere Maßnahmen greifen.

 


Online-Reservierung hat prima funktioniert

Überlegenswert ist hierfür, dass rund 15 Stunden am Tag Autozugverkehr angeboten wird. Wenn man feste Zugreservierungsmöglichkeiten zu den zehn Stunden eines Tages bietet, die außerhalb des zirka fünfstündigen Andrangszeitfensters liegen, verlängern diese Fahrgäste schon einmal nicht die Warteschlange. Der blaue Autozug Sylt bietet seit Ende Juni die Möglichkeit der Online-Reservierung – und das hat die gesamte Hochsaison über prima funktioniert. Nicht eine Lösung allein vermag Stau an Hochandrangstagen also zu verkürzen oder zu vermeiden, sondern eine Bündelung.

Uns erscheint es wichtig, dass alle Beteiligten, die hierzu einen Beitrag beisteuern möchten, konstruktiv im Gespräch miteinander bleiben und gemeinsam Lösungen erarbeiten. Für die Insel Sylt, ihre Gäste und Unternehmen. Der blaue Autozug Sylt steht hierfür uneingeschränkt zur Verfügung – übrigens auch gern genau denen, einzelnen Gemeindepolitikern, die bisher eher über als mit uns gesprochen haben.

Noch ein Wort zu den Spätzügen: Diese haben wir sehr gern angeboten. Es hat sich aber in diesem Jahr gezeigt, dass es nur wenige Menschen gibt, die nach 22 Uhr noch Autozüge nutzen. Man muss hier abwägen, auch gegenüber Anwohnern an der Strecke, etwa in Morsum, ob man ihnen unvermeidbare Zuggeräusche zu später Stunde angesichts von vier oder fünf Fahrzeugen auf einem 600 Meter langen Zug zumuten möchte. Wir sind hier an einem guten Miteinander interessiert. Im nächsten Fahrplanjahr werden wir daher auch nur an besonderen An- und Abreisetagen, etwa vor Brückentagen, vereinzelte Spätzugverbindungen anbieten. Nicht aber täglich. Trassen haben wir übrigens nicht blockiert, auch am 30. September nicht; sie standen allen Eisenbahnverkehrsunternehmen zur Nutzung frei.


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