Interview : „Wir müssen mehr Gäste holen“

Mit diesem Logo wirbt das Sylt Marketing auf www.sylt.de um Unterstützer für die Onlinepetition.
Mit diesem Logo wirbt das Sylt Marketing auf www.sylt.de um Unterstützer für die Onlinepetition.

Sylt-Marketing-Chef Moritz Luft erklärt im Interview, welche Ziele mit der Petition verfolgt werden.

shz.de von
17. August 2018, 05:00 Uhr

Catapult Air – das Video kennt wohl fast jeder. Vor 25 Tagen wurde der Clip durch die Sylt Marketing Gesellschaft (SMG) im Internet veröffentlicht. Wir fragten SMG-Chef Moritz Luft, ob das Video die Erwartungen erfüllt hat.

Herr Luft, wie viel Internetnutzer haben das Video gesehen?

Wir haben bis heute über zwei Millionen Aufrufe. Das Video zieht seine Kreise, im Verkehrsministerium genauso wie bei der Bahn. Bundesweit greifen es die Medien auf – neulich das ZDF, mittlerweile auch in der Schweiz und in Österreich. Das Video war wichtig, um Aufmerksamkeit zu erzielen. Jetzt geht es um die Petition.

Haben Sie mit diesem Erfolg gerechnet? War das so kalkuliert?

Ja, darauf haben wir gehofft. Wir hatten zwei Ziele: Zum einen wollten wir uns bei Gästen und Pendlern bedanken, dass sie die Strapazen bei der Bahnanreise ertragen. Und wir wollten den Druck auf die Bahn und die Politik erhöhen, damit der zweigleisige Ausbau der Bahnstrecke vorangetrieben wird. Wir wollten aufzeigen, dass es dabei nicht um ein regional begrenztes Problem geht, sondern dass eine Million Sylt-Reisende aus ganz Deutschland betroffen sind.

Was muss also passieren?

Das Allerdringlichste ist, dass zumindest das 13 Kilometer lange und fast unbebaute Stück zwischen Niebüll und Klanxbüll zweigleisig ausgebaut wird. Und wir brauchen eine höhere Kapazität im Bahnverkehr, weil wir in den nächsten Jahren immer mehr Reisende haben werden, sowohl auf den Autozügen als auch vermehrt in den Personenzügen. Die Zahl von gut 20 000 Unterstützern für die Online-Petition liegt allerdings noch unter den Erwartungen. Jetzt kommen zwar noch die schriftlichen Unterschriften-Listen hinzu, aber die Unterstützung in der Region ist noch relativ verhalten.

Überrascht Sie das? Nicht jeder Sylter möchte ein zweites Gleis vor der Haustür...

Es sollte aber jeder Sylter eine verlässliche An- und Abreise erwarten, die im Übrigen nur dann ermöglicht werden kann, wenn Züge auf zwei Gleisen mehr Puffer für Verspätungen haben. Aktuell stehen oftmals lediglich vier Minuten pro Stunde zum Ausgleich von Störungen zur Verfügung. Bei dem aktuellen Aufkommen wird also nur die Ausweitung der Zweigleisigkeit für mehr Fahrplantreue sorgen können. Darüber hinaus müssen nun Nah.SH und vor allem DB Regio schnellstens für einen endlich einwandfreien Einsatz ausreichender Fahrzeuge und für genügend Personal sorgen, und wir warten auf angekündigte Bahnsteigverlängerungen, damit Zuglängen von zehn auf zwölf Wagen erweitert werden können. So kann dann zumindest kurzfristig dem steigenden Nachfragedruck auf der Bahn Rechnung getragen werden.

Reicht nicht der Status quo an Gästen, müssen es denn noch mehr sein?

In Anbetracht einer an der gesamten Küste seit langem stetig sinkenden Aufenthaltsdauer wird es schon schwer genug, überhaupt den Status quo der Übernachtungen zu halten. Wenn wir die Entwicklung der letzten Jahre fortschreiben, brauchen wir jedes Jahr 1,2 Prozent mehr Gästeanreisen, um die Übernachtungszahlen der Insel überhaupt zu erreichen. Wir müssen also mehr Anreisen generieren, und dazu muss die Infrastruktur passen. In der Hauptsaison – da sind wir uns alle einig – ist das Maximum erreicht.

Ist so eine politische Aktion nicht ungewöhnlich für Marketing-Leute? Strahlt denn die Aktion auch positiv auf Sylt ab?

Auf die Bahnprobleme haben Medien deutschlandweit schon oft hingewiesen, zu Pfingsten hat es die Insel sogar in die Tagesschau geschafft. Wenn es schon soweit ist, brauchen wir nichts mehr schönzureden. Wenn uns Pendler und Gäste sagen, das könnt ihr euch doch nicht bieten lassen, dann ist es unsere Pflicht, uns dazu passend zu äußern. Insofern ist Catapult Air mit der Petition eine notwendige Krisenkommunikation, die bislang ja auch gut ankam. Sowohl Verkehrsminister Buchholz in Kiel als auch Staatssekretär Ferlemann in Berlin haben uns bestätigt, dass das Video die öffentliche Wahrnehmung und den Handlungsdruck erhöht haben. Der Spagat zwischen humorvoll und ernsthaft scheint also gelungen zu sein.

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