zur Navigation springen

Neues Hotel : „Wir müssen die Marke Sylt verjüngen“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In List entsteht ein neues Design-Hotel: Damit soll der Ortskern belebt und ein jüngeres Publikum angelockt werden.

shz.de von
erstellt am 11.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Statt alter Betonplatten, Unkraut und heruntergekommener Baracken soll es am Anfang der Lister Hafenstraße bald jung, bunt und durchgestylt zugehen. Neben Supermarkt, Parkplätzen und Mitarbeiterwohnungen soll auf dem Gelände der ehemaligen Fahrbereitschaft der Bundeswehr ein modernes, stylisches „Junges Hotel“ entstehen – so der Arbeitstitel. Ein Design-Hotel ähnlich der Villa 54°Nord in Westerland stellen sich die Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Sylt, Hermann Höft, Jan-Hendrik Rose und Sven Paulsen vor – mit weniger als 40 Zimmern, bunten, hellen Farben und einer Einrichtung, die auch ein jüngeres Publikum anspricht. In eine Sterne-Kategorie will Rose das neues Hotel nicht einordnen: „Vom Zimmerstandard her ist die Qualität deutlich höher als zwei Sterne, aber die Leute, die hier absteigen, wollen keinen Zimmerservice oder Wellness-Bereich.“

Jedoch: Braucht Sylt eigentlich noch ein neues Hotel – bei einem Minus von 2,4 Prozent bei den Übernachtungszahlen im Jahr 2012? Die Antwort auf Facebook fällt da eindeutig aus: Nein, auf keinen Fall sollte es noch ein Hotel geben, davon habe die Insel ohnehin schon genug, stattdessen solle sich die Politik lieber um neuen Dauerwohnraum bemühen.

Auch Moritz Luft, Geschäftsführer von Sylt Marketing sagt, eigentlich sei auf Sylt in Bezug auf die Gästebetten eine Sättigung erreicht. Eigentlich – denn auf der anderen Seite drohe der Marke Sylt auch eine Überalterung. Von Vier-Sterne-Hotels habe die Insel mehr als genug, aber was fehle, seien bezahlbare, moderne Angebote für junge Leute. „Damit kann man die Marke Sylt jung halten. Es gibt ein paar Beispiele, wie die Villa 54°Nord – aber nicht viele.“

Das Zielpublikum, das Luft dabei im Auge hat, sind junge Menschen, Studenten und Jobeinsteiger zwischen 25 und 35, die auf Design viel Wert legen. „Sie suchen etwas Frisches – und nicht die verstaubten Standards, die Urlaubsregionen im Gros anbieten.“ In Großstädten wie Berlin oder Hamburg habe sich das bereits durchgesetzt. „Solche Trends fangen in den Großstädten an und werden dann in den Urlaubsregionen aufgegriffen.“ Entscheidend sei dabei auch eine kurze Verweildauer. „Während die Übernachtungszahlen insgesamt zurück gegangen sind, gibt es eine Steigerung von sechs Prozent bei Übernachtungen bis zu vier Nächten.“ All diese Bedürfnisse würde nach Lufts Meinung das neue Hotel in List erfüllen. „So ein Hotel ist gut für ein frischeres Image der gesamten Insel. Wir müssen die Marke Sylt wieder verjüngen.“

Es gibt aber noch andere Argumente, warum sich die Lister Kommunalpolitiker nach einer fast dreijährigen Diskussion mit den Käufern der ehemaligen Fahrbereitschaft, Höft, Rose und Paulsen, auf die Idee mit dem Hotel eingelassen haben. Auf der Wunschliste der Gemeinde stand für das Grundstück am Anfang der Lister Hafenstraße zunächst nur ein Edeka-Markt, Mitarbeiterwohnraum, einige zusätzliche Geschäfte und öffentliche Parkplätze. „Wir wollen diesen Schandfleck, der von Tag zu Tag hässlicher wird, in ein neues, vorzeigbares Entrée für den Ort verwandeln“, fasst Bürgermeister Wolfgang Strenger zusammen. Übernehmen wollten die Investoren die Kosten für 230 Parkplätze aber nur, wenn sie dafür auch das Hotel bauen durften. Es wurde hin und her diskutiert und schließlich einigte man sich im Dezember darauf, das junge Hotel in die Ortsgestaltungssatzung mit aufzunehmen.

Diese Entscheidung ist auch ganz im Sinne von Lists Tourismusdirektor Boris Ziegler. „Mit diesem Hotel schließen wir eine Lücke in unserem Angebot. Nicht jeder, der für kleines Geld verreisen möchte, will auch in einer Jugendherberge absteigen.“ Die Zahl der Übernachtungen in List sei in den letzten Jahren zurück gegangen. Immer mehr Ferienwohnungen seien in Zweitwohnsitze verwandelt worden und neben hochklassigen Angeboten wie dem A-Rosa habe es kaum Alternativen in List gegeben. „Dabei braucht die Gemeinde unbedingt die Einnahmen aus der Kurabgabe, um die Infrastruktur im Ort aufrecht zu halten“, erklärt Bürgermeister Strenger. Wie er sieht auch Geschäftsmann Michael Voelmy (Strandkorb & Co.) das junge Hotel als Mittel zum Zweck, um in den Lister Ortskern wieder Leben zu bringen.

Wenn alles so läuft, wie es sich Bürgermeister Strenger vorstellt, soll mit dem Bau noch in diesem Jahr begonnen werden. „Wir wollen diesen Schandfleck so schnell wie möglich beseitigen.“

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen