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Flüchtlingsunterbringung : „Wir müssen an die Sporthallen ran“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Hörnums Bürgermeister Rolf Speth ließ die Einwohner über die Unterbringung von Flüchtlingen im JAW-Heim abstimmen. Die Bürger sprachen sich dagegen aus.

Hörnums Bürger haben sich dagegen ausgesprochen, dass Flüchtlinge im JAW–Heim leben dürfen. Nach gut einer Stunde mit Referaten und Diskussionen zum Für und Wider wurde es ruhig im großen Saal des Hörnumer Tourismusservice. Denn Bürgermeister Rolf Speth bat dann die zirka 100 Teilnehmer der Einwohnerversammlung am Dienstagabend zu der mit Spannung erwarteten Abstimmung: Soll dafür, wie bisher vorgehen, das Gebäude des Jugendaufbauwerks (JAW) mit seinen ungefähr 80 Plätzen genutzt werden? Oder sollen künftig bis zu 16 Asylbewerber in zwei Haushälften wohnen, die vergangene Woche überraschend von der Bundesanstalt für Immobilien (BImA) zur Verfügung gestellt wurden? Das Abstimmungsergebnis war eindeutig: Die übergroße Mehrheit der anwesenden Bürger sprach sich dafür aus, keine Flüchtlinge in dem leer stehenden Jugendheim unterzubringen. Stattdessen sollen dafür die Häuser des Bundes genutzt werden.

„Damit kommt das JAW für unsere Planungen definitiv nicht mehr in Betracht“, sagte Nikolas Häckel anschließend zur Sylter Rundschau. Der Bürgermeister der Gemeinde Sylt erklärte, er sei zwar sehr enttäuscht, würde das Votum der Hörnumer Bürger jedoch wie zuvor angekündigt respektieren. Allerdings stelle sich jetzt die entscheidende Frage, wo auf Sylt künftig noch Flüchtlinge untergebracht werden könnten, wenn alle derzeitig zur Verfügung stehenden Kapazitäten ausgeschöpft seien. In den eigentlich zum Abriss vorgesehenen KLM-Wohnungen wäre Platz für 115 Personen, dazu kämen nun deutlich weniger Plätze als erwartet in Hörnum. „Wir haben aber dieses Jahr einen potenziellen Bedarf für insgesamt 416 Asylbewerber – und wir wissen nicht, wann wie viele tatsächlich kommen“, sagte Nikolas Häckel. „Wenn es hart wird und wenn wir schnell handeln müssen, dann müssen wir an die Sporthallen ran.“

Bei nüchterner Betrachtung der Situation sehe er gesamtinsular keine anderen Möglichkeiten, erklärte der Bürgermeister. In Kampen gäbe es beispielsweise überhaupt keine Häuser und Wenningstedt verweise auf seine Beteiligung am Flughafen-Zweckverband. Die Fläche südlich der Sylter Werkstätten sei zwar für die Aufstellung von mobilen Einheiten wie Wohncontainern oder Holzhäusern freigegeben. Bis diese Pläne aber umgesetzt werden könnten, würden mindestens acht Monate vergehen: „So lange brauchen wir realistisch gesehen, um die erforderlichen Bauleistungen auszuschreiben und umzusetzen. Außerdem müssen ja die Unterkünfte bestellt und aufgebaut werden“, sagte Nikolas Häckel. „Das bedeutet, bevor wir dort Ende des Jahres Flüchtlinge unterbringen können, haben wir bereits die Quoten für 2017.“

Bürgermeister Rolf Speth betonte, dass Hörnum sich keineswegs sperren würde, Asylbewerber unterzubringen. „Mit den Flüchtlingen ist es wie mit einer Sturmflut – wir wissen nicht, wie hoch das Wasser kommt.“ Diese Last müssten alle Gemeinden in Deutschland tragen. Außerdem sei Hörnum sogar bereit, ein weiteres Haus aus Gemeindebesitz zusätzlich zu den BImA-Häusern für 20 Personen zur Verfügung zu stellen. „Das sollte dann doch für alle ausreichen“, so Speth. Insgesamt würde Hörnum somit 36 statt wie geplant rund 80 Flüchtlinge aufnehmen.

Nikolas Häckel hält dies für zu wenig: „Auch im Bereich des Amtes Landschaft Sylt müssen zirka 100 Personen untergebracht werden. Wir können die anderen Inselgemeinden da nicht aus der Verantwortung nehmen.“ Konkrete Pläne, wo welche Sporthallen genutzt werden, würden bisher nicht vorliegen, erklärte Gabriele Gotthardt nach der Einwohnerversammlung. „Das ist eine neue Situation und auch Herausforderung, auf die wir uns jetzt einstellen müssen.“

Zuvor hatte sich die Ordnungsamtsleiterin vehement für eine Unterbringung der Flüchtlinge im JAW ausgesprochen und immer wieder aufs Neue versucht, die zahlreichen Bedenken der Hörnumer Bürger zu entkräften. Auf die Frage, ob zum Beispiel damit zu rechnen sei, dass „wir dann bettelnde Leute oder hungernde Kinder am Straßenrand sehen müssen“, erläuterte Gotthardt ausführlich, wie und wofür die finanziellen Leistungen für Asylbewerber aufgeteilt werden und dass auch Institutionen wie die Sylter Tafel zur Verpflegung genutzt werden können.

Zahlreiche Einwohner bewegte die Frage, wie denn die Sicherheit gewährleistet sei, wenn „fast einhundert junge männliche Nordafrikaner“ im JAW untergebracht wären – schließlich gäbe es ja keine Polizeistation mehr in Hörnum. Außerdem gelte auf der L24 in Richtung Süden schon jetzt ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern. „Sie können sicher sein, dass sich unsere Beamten bei einem Einsatz dafür überhaupt nicht interessieren“, lautete die lakonische Antwort von Haye Jebsen. Der Sylter Polizeichef warnte jedoch ausdrücklich vor solchen „unlauteren Szenarien, die lediglich Ängste schüren.“ Seit Oktober 2015 habe es in Sylter Flüchtlingskreisen nur sieben Fälle wie Ladendiebstähle oder Straftaten untereinander gegeben: „Das ist ein ganz niedriger Schwellenbereich.“

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erstellt am 23.Mär.2016 | 18:13 Uhr

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