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Sylter Heimatverein : „Wir möchten die Söl’ring Foriining neu strukturieren“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Am kommenden Freitag findet die Mitgliederversammlung des Sylter Heimatvereins statt / Im Interview äußern sich die Vorsitzenden Jürgen Ingwersen und Maren Jessen zu Plänen und Projekten

Die Söl’ring Foriining steht vor großen Herausforderungen: Posten im Vorstand sowie in den Ausschüssen müssen neu besetzt, ein Nachfolger für Museumsleiterin Dörte Ahrens gefunden und finanzielle Probleme gelöst werden. Am Freitag, 8. April, findet im Kursaal³ im Wenningstedter Haus am Kliff die Jahreshauptversammlung 2016 des Sylter Heimatvereins statt. Im Interview mit der Sylter Rundschau sagen der Vorsitzende Jürgen Ingwersen und seine Stellvertreterin Maren Jessen, was sie von den Mitgliedern erwarten und welche Pläne es für die Zukunft gibt.

„Sylter Heimatverein in der Krise“ lautete eine unserer Schlagzeilen im Februar. Muss man sich Gedanken machen, wie und ob es überhaupt weitergeht mit der Söl’ring Foriining?

Maren Jessen: Da braucht sich niemand Sorgen zu machen. Wir sind in sehr ruhigem Fahrwasser und sehen jetzt Land. Jürgen Ingwersen und ich sind auf einer Ebene und möchten die Söl’ring Foriining jetzt neu strukturieren.

Jürgen Ingwersen: Wir wollen uns neu aufstellen und brauchen dafür wieder eine dritte Person im Vorstand. Außerdem wollen wir den Vorstand um zwei Beisitzer erweitern. Damit wir transparenter und flexibler werden – und damit unsere Stimme auf der Insel in Zukunft auch wieder mehr Gewicht bekommt.

Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Engagement angemessen gewürdigt wird?

Maren Jessen: Nun ja, wir müssen schon besser verdeutlichen, dass wir das alles im Ehrenamt machen. Diese ehrenamtliche Arbeit mit dieser Last der Verantwortung, zum Beispiel für die denkmalgeschützten Häuser, immer nur auf zwei Schultern zu verteilen, das geht nicht. Und wir müssen auch Menschen haben, die sich durch Fachwissen einbringen. Vielleicht ein Architekt, ein Rechtsanwalt oder ein Banker – dann wären wir wirklich gut aufgestellt.

Vor welchen Herausforderungen steht die Söl’ring Foriining?

Jürgen Ingwersen: Aktuell haben wir sehr viele Baustellen. Wir sind ja breit gestreut. Bei der Gemeinde Sylt sind wir gewesen, um mehr Geld zu bekommen. Das brauchen wir nur für die Instandhaltung unserer Häuser – und für den Museumsbetrieb. Denn der kostet einfach Geld, das ist unser operatives Geschäft. Und daneben haben wir ja noch das Brauchtum, die Landschaftspflege, den Küstenschutz und nicht zu vergessen, den Erhalt unserer friesischen Inselsprache, des Sölring.

Nur mehr Geld von den Sylter Gemeinden scheint aber nicht auszureichen. Ihr Verein will ja auch die Mitgliedsbeiträge erhöhen ...

Maren Jessen: Das ist ein Vorschlag an die Mitglieder und muss auf der Jahreshauptversammlung erst noch abgesegnet werden. Aber ich will schon jetzt sagen: Wenn ich auf der Insel wohne, wenn ich Mitglied des Vereins bin und die Sylter Kultur unterstützen möchte, dann würde es schon reichen, wenn ich zum Beispiel zweimal im Monat auf einen Coffee-to-go und auf ein Brötchen verzichte. Das erscheint mir nicht zu hoch. Denn es ist wirklich so, dass wir ohne die Beitragserhöhung nicht zurecht kommen.

Die Ausschüsse für Denkmalpflege und für restriktive Bebauung sind seit Jahren nicht besetzt, warum?

Maren Jessen: Wir haben bisher leider niemanden gefunden, der sich dafür einsetzen möchte. Deshalb haben wir überlegt, dass es jetzt an der Zeit ist, gezielt Mitglieder anzusprechen, ob sie nicht diese Ausschüsse besetzen wollen. Denn auch das kann der Vorstand nicht alleine wuppen. Dazu brauchen wir die Mitarbeit motivierter Menschen.

Der Verein sucht einen neuen Museumsleiter – wie geht es weiter nach dem Weggang von Dörte Ahrens?

Jürgen Ingwersen: Wir haben schon sehr hoffnungsvolle Bewerber. Es gab auch bereits erste Vorstellungsgespräche. Das war sehr vielversprechend und wir werden uns sicher bis zur Jahreshauptversammlung auch schon entschieden haben, wen wir nehmen. Die neue Kraft wird allerdings erst nach dem Sommer antreten, etwa im September.

Welche Ausstellungen sind für dieses Jahr geplant?

Jürgen Ingwersen: Nach der bis Ende Mai laufenden Ausstellung „Lang nicht mehr gesehen!“ gibt es 2016 zwei weitere Ausstellungen, die sich auf Kunst beschränken. Ab 5. Juni zeigen wir „Mein Kampen auf Sylt“ mit Gemälden von Kurt Lambert und im Herbst dann Werke von Johannes Hänsch unter dem Arbeitstitel „Berlin trifft Sylt“.

Maren Jessen: Ganz dringend dargestellt werden muss aber auch die Bäderzeit auf Sylt. Denn die Leute, die dazu noch Exponate oder Unterlagen zu Hause haben, werden immer älter. Und Nachlässe werden leider oft verkauft oder – was viel schlimmer ist – einfach weggeworfen.

Seit zehn Jahren wird auch über einen Anbau des Heimatmuseums gesprochen ...

Maren Jessen: Das ist nach wie vor ein wichtiges Thema, aber wir haben das erstmal zurückgestellt. Doch ich will ausdrücklich sagen: Wir beide im Vorstand sind vehemente Verfechter dieses Projektes. Die Unterlagen, die wir dafür haben, sind noch für 30 Jahre gültig. Sie sind innovativ und entsprechen genau dem, was wir künftig benötigen.

Jürgen Ingwersen: Was auch erwähnenswert ist: Wir werden noch dieses Jahr als Museum zertifiziert. Das ist zum Beispiel wichtig, um Leihgaben bekommen zu können. Wir haben ja einen Schuss nach oben gemacht mit jüngsten Ausstellungen wie C.P. Hansen und Korwan. Dadurch sind wir über die Insel hinaus viel anerkannter geworden als professionelles Museum.

Wäre das Bauprojekt lediglich eine Erweiterung oder ein ganz neues Museum?

Maren Jessen: Wir wollen gerne ein Syltmuseum schaffen und auch diesen Begriff neu festsetzen. Heimatmuseum ist ja eigentlich das Altfriesische Haus, da ist die Tradition der Insel ausgestellt. Das neue Museum soll ein modernes Syltmuseum werden, wo alles dargestellt wird.

Wie sollen diese Pläne finanziell realisiert werden?

Jürgen Ingwersen: Wir brauchen jemanden, der dieses große Projekt unterstützt – einen oder besser mehrere Geldgeber. Denn von Land oder Bund werden wir dafür nichts bekommen. Realistischerweise gehen wir aktuell von Kosten in Höhe von acht Millionen Euro aus. Aber dann hätten wir hier ein ganz tolles Museum – mit Magazin, mit Archiv im wasserfesten Keller.

Maren Jessen: Fundraising ist ja eine gute Sache. Aber es ist schwierig, wenn man keine Kontakte hat. Deshalb wäre es schön, wenn wir auch Zweitwohnungsbesitzer – wie zum Beispiel Hamburger Familien – auf unser Vorhaben aufmerksam machen und zur Mithilfe motivieren können.

Würden Sie als Fazit sagen: Die Söl’ring Foriining ist auf dem Weg in die Moderne ...

Maren Jessen: Aber selbstverständlich! Wir sind zwar Friesen, aber Friesen sind auch innovativ. Wir lassen uns nicht in die heimat-tümelige Ecke stellen. Das verbitten wir uns.

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erstellt am 02.Apr.2016 | 05:30 Uhr

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