Thermenruine auf Sylt : „Wir können es kaum noch abwarten“

In unmittelbarer Nachbarschaft des Thermenareals befinden sich zahlreiche Wohn- und Geschäftsgebäude.
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In unmittelbarer Nachbarschaft des Thermenareals befinden sich zahlreiche Wohn- und Geschäftsgebäude.

Vom Abriss ab 15. März sind besonders die Anlieger in Keitum betroffen – die Sylter Rundschau hat sich vor Ort umgehört

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08. März 2017, 00:06 Uhr

Keitum | Mitte kommender Woche soll endlich Ernst gemacht werden mit dem Abriss der Keitum-Therme am Wattenmeer. Nachdem alle Verhandlungen der ehemaligen Bürgermeisterin Petra Reiber und auch ihres Nachfolgers Nikolas Häckel mit Bauinvestor Kurt Zech über sogenannte Deals zum Abbruch der Ruine auf dessen Kosten in Verbindung mit Gegenleistungen der Gemeinde gescheitert waren, hatte die Politik entschieden, das Vorhaben in die eigenen Hände zu nehmen und dafür eine halbe Million Euro zur Verfügung zu stellen.

Der Beifall zum lange ersehnten Ende des „Schandmals der Insel“ kam prompt und war groß – unter Syltern ebenso wie bei Urlaubsgästen und Zweitwohnungsbesitzern. Doch was sagen die unmittelbar Betroffenen, die Nachbarn des weitläufigen Ruinengeländes zum Abriss, der acht bis zwölf Wochen dauern soll und mit Lärm- und Staubbelästigungen sowie Verkehrsbehinderungen verbunden sein wird?

„Offen gestanden, wir alle hier können es kaum noch erwarten“, erklärt Nina Becker, die seit mehr als zehn Jahren ihren Modeladen „Lossas Syltwear“ im Geschäfts- und Appartementkomplex „Alte Mühle“ gleich neben der Thermenruine am Tipkenhoog betreibt. „Allerdings hätte der Abriss schon viel früher beginnen müssen – so rutscht es doch sehr in die beginnende Saison hinein.“

Ähnlich äußern sich auch die Verkäuferin sowie Kunden der Bäckerei Speck zwei Türen weiter: „Wir mussten diesen Anblick lange genug ertragen. Es ist höchste Zeit, dass dieser elende Schrotthaufen auf Nimmerwiedersehen verschwindet.“

Bevor der Startschuss zum Beginn der Abbrucharbeiten am 15. März gegeben werden konnte, haben Ingenieure in anliegenden Geschäften – wie der Bäckerei, der Zahnarztpraxis und der Apotheke – sowie in Wohnungen den Ist-Zustand der Gebäude dokumentiert, um Beweise für mögliche Schäden durch den Abriss zu sichern. Im Keller der Uwe-Jens-Lornsen-Apotheke und in einer privaten Ferienwohnung der Anlage „Alte Mühle“ wurden außerdem Schwingungssensoren installiert, die bei übermäßigen Erschütterungen per Funk sofort ein Warnsignal an die Bauarbeiter senden.

Für René Dörr setzt der geplante Abriss der Keitum-Therme vis à vis seiner Geschäfts- und Wohnräume den lange erhofften Schlusspunkt ungezählter Tage im Schatten der Bauruine. „Alles, was danach kommt, ist besser als alles, was jetzt da ist“, sagt der Keitumer Apotheker.

Mittlerweile liegen der Sylter Rundschau detailliertere Informationen zum Ablauf der Arbeiten vor. Laut Angaben des Abrissunternehmens wird die Baustelle ab Montag, dem 13. März, eingerichtet, sagte Marcus Kopplin, der Chef des zuständigen Kommunalen Liegenschafts-Managements (KLM). Erste Baggeraktivitäten seien für den Mittwoch darauf avisiert. Dies wäre aber abhängig von benötigten und bereitgestellten Baggervorsätzen, Baustrominstallationen sowie einem Löschwasseranschluss zur Staubminderung.

Die Verkehrsbehinderungen sollen im vertretbaren Rahmen bleiben. Es würden keine Parkplätze gesperrt, so Kopplin. Gedacht sei, den Baustellenverkehr nur fahren zu lassen. Zum Stoppen, Wenden und dergleichen sollte die Zufahrt zwischen Therme und Arena ausreichend sein und kein weiterer Platz benötigt werden.

Wenn Baufahrzeuge die Baustellen verlassen, befänden sie sich im Bereich des öffentlichen Straßenverkehrs und müssten sich an die geltenden Vorschriften halten. Auch auf der vorgeschriebenen Route für Baufahrzeuge und Lkw gäbe es keine besonderen Vorkehrungen, erläuterte der KLM-Chef. Im Vertrag sei niedergelegt worden, dass der Verkehr über C.P.-Hansen-Allee, Alten Kirchenweg und über die Kehre hinter St. Severin zur Munkmarscher Chaussee und zum Kreisel erfolgen muss. Sollte dort widerrechtlich geparkt oder es zu Behinderungen beispielsweise des fließenden Lkw-Verkehrs kommen, wäre dies eine Ordnungswidrigkeit, die zur Anzeige gebracht werden könne.

Die Abrissarbeiten würden voraussichtlich regelmäßig im Rahmen einer Fünf-Tage-Woche durchgeführt, so Marcus Kopplin. „Häufig jedoch pendeln die Arbeitskräfte vom Betriebssitz auf dem Festland. Ohne persönliches Umfeld wird Freizeit oft nebensächlich und eine Arbeitszeitverlängerung liegt im Ermessen des einzelnen Arbeiters.“ Auf die Einhaltung der gemeindlichen Ruhezeiten sei hingewiesen worden. Daher könne durchaus auch zwischen 16.30 Uhr und 19 Uhr gearbeitet werden, der Sonntag werde aber Ruhetag sein.

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