Soziales Projekt auf Sylt : „Wir helfen Sylter Kindern und Eltern“

Die 'Frühen Hilfen' unterstützen junge Sylter Familien mit Kindern
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Die "Frühen Hilfen" unterstützen junge Sylter Familien mit Kindern

„Frühe Hilfen“ hält umfangreiche praktische Angebote für Familien bereit, will vor allem aber auch Schwellenängste abbauen

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23. Dezember 2017, 05:21 Uhr

Es ist Weihnachten. Der Säugling einer jungen Mutter ist krank und sie weiß nicht, ob sie ins Krankenhaus fahren soll, ob ein Medikament aus der Apotheke reicht oder ob alles nur „halb so schlimm“ ist. Um in solchen Situationen nicht alleine dazustehen, hat sich das Sylter Projekt „Frühe Hilfen“ ein Elterntelefon eingerichtet. Unter der kostenfreien Rufnummer 0800-38 48 586 ist auf der Insel täglich von 8 bis 21 Uhr eine Kinderkrankenschwester zu erreichen, die der Mutter einen Tipp oder eine Adresse geben kann.

„Es ist eine erste Gelegenheit für Eltern, unproblematisch und niedrigschwellig an Informationen zu kommen“, erklärt Jutta Ringele, Mitglied im Verbund der „Frühen Hilfen“. Der Verbund ist ein Kooperationsprojekt, das Eltern in Erziehungsfragen zur Seite stehen will. Beteiligt daran sind der Kreis Nordfriesland, das Diakonische Werk Südtondern, die Lebenshilfe Sylt und die Arbeiterwohlfahrt (AWO). Mit diesem Netzwerk kann Eltern auf der Insel frühzeitig Hilfe angeboten werden.

„Ich gehe immer davon aus, dass Eltern das Beste für ihr Kind wollen“, sagt Jutta Ringele über die Ziele der „Frühen Hilfen“. „Aber heutzutage bekommen Eltern oft in einer Situation ein Kind, in der sie keine familiären Unterstützungssysteme mehr haben.“ Viele Familien lebten oft weit auseinander – das träfe auch auf Sylt zu, so die Sozialpädagogin. „Aus diesem Grund ist es gut, dass der Gesetzgeber den Eltern ein Recht auf frühzeitige Information und Beratung ermöglicht und dass es Stellen gibt, an die sie sich ohne Vorbehalte oder Ängste wenden können.“ Durch Freundschaften oder das Kennenlernen von Menschen in ähnlichen Lebenssituationen könnten so neue Unterstützungssysteme entstehen. Im Gesetz sei das Alter zwar von 0 bis drei angesetzt, „aber wir auf Sylt haben uns entschieden, Kinder bis ins Vorschulalter zu nehmen. Wir schicken also niemanden weg, dessen Kind bereits fünf ist und der Hilfe braucht“, so Jutta Ringele.

Nicht nur für Eltern sei das Projekt eine wichtige Anlaufstelle, auch die Kinder profitierten davon: „In den ersten Lebensjahren passiert biologisch unheimlich viel bei den Kindern“, berichtet Ringele. „Oft sind Eltern bei ihren ganz normalen Aufgaben durch das, was sie hören und lesen sehr verunsichert. Aber das ist nichts Schlimmes“, betont sie. „Wir wollen sie unterstützen, indem wir ihnen erklären, dass sie auch ihrem Instinkt vertrauen können und ihnen die Sicherheit geben, dass sie es gut machen und dass sie gute Eltern sind“.

Neben dem Elterntelefon gibt es verschiedene andere Angebote der „Frühen Hilfen“. Alle 14 Tage findet zum Beispiel ein Elternfrühstück in der Lebenshilfe Sylt statt, an dem auch eine Hebamme, eine Pädagogin und eine Kinderkrankenschwester teilnehmen. Hier können sich Eltern treffen, untereinander kennenlernen und sich Informationen holen. Gemeinsam mit der Flüchtlingshilfe konnte erreicht werden, dass auch viele Migrantinnen an diesem Frühstück teilnehmen. „Das freut uns wirklich besonders“, so Jutta Ringele. Außerdem gebe es jede Woche dienstags eine Sprechstunde für kindbezogene Leistungen. „Ein Kind bekommen heißt auch, dass finanzielle Aufwendungen notwendig werden“, erklärt Jutta Ringele. Und es sei gar nicht so einfach zu wissen, welche Anträge man überhaupt stellen kann und wie man die Formulare ausfüllt. „Über diese Sprechstunde erreichen wir sehr viele Menschen, die Kinder bekommen – und das ist uns ein Herzensanliegen“, betont Ringele. In der Sprechstunde gebe es dann auch die Möglichkeit, die anderen Angebote der „Frühen Hilfen“ vorzustellen und Menschen einzuladen, an diesen teilzunehmen.

Darüber hinaus gibt es bei der „Frühen Hilfen“ eine Familienhebamme und einen Mitarbeiter, der ausgebildet ist, um entwicklungspsychologische Beratungen anzubieten. „Hier besteht die Möglichkeit, den Eltern im ersten Lebensjahr eine Möglichkeit zu zeigen, was gut ist für ihr Kind, was man weiter ausbauen könnte und wie die Interaktion gelungen ist“. Denn gerade das Bindungsthema sei in den ersten Lebensjahren sehr wichtig. Wenn das gut gelänge, hätten Kinder eine sichere Chance, auch gut aufzuwachsen, sagt Ringele. „Denn wo Bindung gut gelingt, gelingt auch Lernen gut“.

Des Weiteren werden Elternschulkurse, thematische Elternabende oder Willkommenstreffen initiiert. „Wir wollen die neuen Sylter auf der Insel begrüßen. Wir können zwar nicht ändern, dass Kinder hier nicht mehr geboren werden können. Aber wir können immerhin sagen: ‚Egal, wo die Kinder geboren sind, es sind junge Sylter Kinder.‘“ Ein sehr erfolgreiches Projekt der „Frühen Hilfen“ seien die „Erste Hilfe Kurse“, berichtet Jutta Ringele. „Denn für die Eltern ist es sehr wichtig, Sicherheit im Umgang mit ihren Kindern zu erlangen und zu wissen, wie sie damit umgehen sollen, wenn etwas passiert“, so Ringele. Am Schulzentrum Sylt werden auch Babysitterkurse angeboten. „Wir bilden Schüler ab 14 Jahren entsprechend aus und nehmen sie in eine Babysitter-Kartei auf“, so Jutta Ringele. Eltern könnten sich dann über das Elterntelefon an die „Frühen Hilfen “ wenden und erfahren, wo auf der Insel es Babysitter zu „normalen“ Preisen gibt.

Finanziert wird das Projekt „Frühe Hilfen“ weitestgehend aus öffentlichen Geldern. Allerdings müssten vor allem Fortbildungen, Lebensmittel für das Elternfrühstück oder das Handy des Elterntelefons durch Spenden bezahlt werden. „Dieser Arbeitsbereich geht aus unserem Budget heraus. Je mehr wir da reingeben, desto mehr haben wir für die anderen Arbeitsbereiche“, so Ringele.

Weitere Informationen zum Projekt „Frühe Hilfen“ per E-Mail an j.ringele@dw-suedtondern.de

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