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Ministerpräsident auf Sylt : „Wir hatten heute mehr von dir erwartet“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ministerpräsident Torsten Albigs erster Sylt-Besuch verlief zwischen Information, enttäuschten Erwartungen und Schuldzuweisungen. Auf einer SPD-Veranstaltung wies er Kritik in Sachen Wohnungsbau zurück.

Drei Dinge über die Insel weiß Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) seit gestern auch aus persönlicher Erfahrung. Erstens: Der enorme Aufwand, den Bund und Land beim Sylter Küstenschutz betreiben, lohnt sich nicht nur für die Insel. Zweitens: Am äußersten Zipfel seines Landes gibt es eine exzellente Forschungseinrichtung. Drittens: Der Wohnraummangel brennt den Sylter wie kaum ein anderes Thema unter den Nägeln. Bei seinem ersten Sylt-Besuch als Regierungschef kam Albig nicht mit vollen Taschen und vollmundigen Versprechen, sondern vor allem, um sich zu informieren und zuzuhören. Und um sich der Sylter SPD-Parteibasis als pragmatischer Landes-Manager zu präsentieren.

Knapp 90 Minuten lang stand er dazu am Dienstagabend R.SH-Moderator Carsten Kock im Haus der Lebenshilfe Rede und Antwort. Angesichts von gut 70 Zuhörern war der Sylter Parteivorstand froh, sich nicht für einen größeren Saal entschieden zu haben. Nachdem zunächst Bundestagskandidat Matthias Ilgen und Landtagsabgeordnete Gitta Trauernicht zu Wort kamen, gehörte die Bühne Torsten Albig. Von der Verkehrsinfrastruktur („zunächst einmal muss das funktionieren, was wir haben“) über den neuen SH-Slogan „Der echte Norden“ („ein bisschen stolz und unverschämt“) und seine beiden letzten Vorgänger („Heide Simonis ist eine Respektsperson“) bis zu Wolfgang Kubicki („der funktioniert nur in Kiel, aber da nervt er tödlich““) und der Küsten-Koalition („ich lasse jedem viel Raum, seine Themen zu bearbeiten“) reichten die Themen.

Dass der einstige Sprecher von Peer Steinbrück in dessen Zeit als Wirtschaftsminister in Kiel als Ministerpräsident selbst ein Freund deutlicher Worte ist, zeigte sich, als Gerd Nielsen Klartext redete: „Ich muss sagen, wir hatten heute Abend mehr von dir erwartet“, verkündete der SPD-Fraktionschef im Westerländer Rathaus mit Blick auf für den Wohnungsbau geeignete Sylter Landesliegenschaften. Die erhoffte Botschaft, welche Grundstücke das Land der Gemeinde zur Verfügung stellen wird, blieb zur Enttäuschung von Nielsen jedoch aus. Dafür kassierte der Insel-Genosse von Albig einen verbalen Konter: „Auch ich hatte mehr von euch und der Gemeinde erwartet.“ Nielsens Kritik, das Land müsse endlich „mehr Fahrt aufnehmen“, veranlasste Albig zu dem Hinweis, dass die Gemeinde das Grundstück für die Umsiedlung der Straßenmeisterei doch endlich bewerten möge, statt es aufzuschieben. „Meine Leute sagen mir, wenn hier die Backen aufgepustet werden, kommt meist nur heißer Wind raus.“

Damit war klar: So ohne weiteres lässt sich Albig die Schuld an zögerlichen Sylter Wohnungsbauplanungen nicht in die (Landes-)Schuhe schieben. Nachdem er seine Ministerien angewiesen habe, Liegenschaften zur Verfügung zu stellen, brauche es „eine etwas beweglichere Gemeinde“, um den gemeinsamen Weg zu finden. Mit anderen Worten: Ganz ohne Gegenleistungen (Grundstückstausch, Belegungsrechte etc.) wird es die Flächen vom Land nicht geben. Regelrecht erstaunt reagierte der Ministerpräsident, als ihm berichtet wurde, dass angeblich einzig und allein die Landesplanung Wohnungsbau auf Außenbereichsflächen wie in Morsum oder List verhindere. „Das ist mir völlig neu und ich wundere mich, warum dann noch kein Bürgermeister laut protestiert hat.“ Darüber hinaus rief er die Gemeinden auf, das Baurecht „mutig zu gestalten“, um den Anstieg von Zweitwohnungen zu bremsen.

Harmonischer ging die Insel-Visite dann gestern Vormittag weiter. Sowohl beim Besuch der Wattenmeerstation des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in List wie auch beim Informationsgespräch zum Thema Küstenschutz war für Albig vor allem Zuhören und interessiertes Nachfragen angesagt. Besonders beeindruckt zeigte er sich von der erst jüngst aufgeschütteten Düne vor dem AWI und der Verstärkung des Mövenbergdeiches. Albig: „Hier wird einem die große Bedeutung des Küstenschutzes bewusst und wie dynamisch auch unser Umgang damit ist. Es ist gut zu hören, dass es uns seit Jahrzehnten gelingt, die Küstenlinie zu halten, so lassen sich die Ausgaben natürlich leichter rechtfertigen.“ Wobei er den Nutzen nicht allein auf Seiten der Küstenbewohner sieht. „Unser ganzes Land braucht von seinem Wesen her den Küstenschutz. Auch Bad Segeberg würde ohne den Schutz der Küsten völlig anders aussehen.“

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erstellt am 19.Sep.2013 | 06:00 Uhr

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