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Sylter Rundschau

12. Dezember 2017 | 07:41 Uhr

Wassersport : „Wir haben Platz ohne Ende“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sylter Kitesurfer halten sich schon heute an die Zonen, die Umweltminister Habeck ihnen vorschreiben will

von
erstellt am 13.Jun.2017 | 10:07 Uhr

Wenn Kitesurfer Luftsprünge machen, dann halten die Zuschauer den Atem an – so beeindruckend sind die tollkühnen Manöver der Wassersportler mit ihren Drachen. Doch die Kitesurfer haben ein Problem – Politik und Naturschutz wollen den Wassersport nur noch in abgesteckten Zonen zulassen. Das Kitesurfen ist sogar zum Thema der Kieler Koalitionsverhandlungen geworden. „Bis jetzt sieht es aber ganz gut aus“, glaubt der Sylter Philipp Brückmann.

Der Ärger begann vor Jahren, als Naturschützer die Kiter als Störfaktor im Nationalpark Wattenmeer erkannt haben. Von den Brut- und Rastvögeln werde der Lenkdrachen der Kitesurfer als gefährlicher Greifvogel mit starker Scheuchwirkung identifiziert. Die Wassersportler reagierten mit einer Unterschriftenaktion gegen das geplante Surfverbot an der Westküste und sammelten die Namen und Adressen von 22  000 Unterstützern. Umweltminister Robert Habeck (Grüne) setzte sich im Februar 2016 mit Surfern, Naturschutz, Nordsee-Gemeinden und Tourismus an einen Tisch. Das Ergebnis: „Kiten soll als naturnaher Sport weiterhin in großem Umfang erlaubt sein, sensible Naturflächen sollen aber Ruhezonen sein können“, sagte Habeck. „Niemand will Kiten verbieten, und niemand will der Natur schaden.“

Doch kurz nach der Landtagswahl gab der Umweltminister Gas: Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Habeck am 18. Mai beim Bundesverkehrsministerium auch im Namen Hamburgs und Niedersachsens beantragt hat, die Befahrensverordnung für den Nationalpark zu ändern. In dem Antrag spricht sich Habeck dafür aus, das Kitesurfen nur noch in speziell ausgewiesenen Zonen zu erlauben – im weitaus größeren Rest des Nationalparks jedoch aus Naturschutzgründen zu verbieten.

Dass Habeck den Brief an Berlin nach der Abwahl der Küsten-Koalition und vor einer neuen Regierungsbildung abgeschickt hat, brachte den in Hamburg ansässigen Branchenverband Global Kitesports Association auf die Zinne. Er bezweifelt, dass Vögel von Kitesurfern nennenswert beeinträchtigt werden. Auch Politiker von CDU und FDP zeigten sich über den Zeitpunkt von Habecks Antrag erstaunt.

Der Umweltminister verweist darauf, dass es sich bei seinem Antrag um das Modell handelt, das die Nationalparkkuratorien für Nordfriesland und Dithmarschen schon im letzten Sommer nach vielen Gesprächsrunden formuliert hatten. Demnach soll an rund 20 Küstenabschnitten Kiten erlaubt bleiben, überall anders wird es verboten. Dass der Antrag erst kurz nach der Wahl abgeschickt worden ist, erklärt das Umweltministerium mit der zeitraubenden Abstimmung mit den Kollegen vom Verkehrs- und vom Innenministerium und mit den Bundesländern Hamburg und Niedersachsen.

Doch am Freitagnachmittag kam die Kehrtwende: Bei den Koalitionsgesprächen sei vereinbart worden, „die Änderung der Befahrensverordnung auszusetzen und das Gespräch mit den betroffenen Verbänden neu aufzunehmen“, teilte das Umweltministerium mit. Habeck gab sich betont diplomatisch: Er könne „nachvollziehen, dass die FDP Bauchschmerzen hat“. Deshalb solle das Verfahren „erstmal ruhen.“ Es sein „kein Beinbruch, da noch mal Luft dranzulassen. So etwas ist zu klein, als dass daran Regierungsbündnisse scheitern.“

Doch warum engagieren sich die Grünen so für ein Kiteverbot, wo doch Habeck selbst bekannt hat, dass er gerne surfen geht? Jörgen Vogt von der Global Kitesports Association glaubt an ein rein politisch motiviertes Manöver: „Habeck unterstützt den Bau der Beltquerung – nun muss er für einen Ausgleich beim Naturschutz sorgen.“ Vorstöße, das Wattwandern oder den Krabbenfang einzuschränken, seien am Widerstand der Lobbyisten gescheitert. „Nun sind die Kitesurfer dran.“

Dabei sind die Positionen von Umweltminister und Wassersportlern gar nicht so weit voneinander entfernt. Die Sylter Kitesurfer hätten eine gute Einigung mit Naturschützern und Behörden erzielt, erläutert Philipp Brückmann, der eine Kiteschule in List betreibt. Nach einem Beschluss des Landschaftszweckverbandes Sylt vom Dezember 2015 ist das Kitesurfen an der gesamten Westküste der Insel sowie an der Ostküste im Lister Königshafen und im Hörnumer Möwennest erlaubt, die Gemeinden haben Korridore für das Kitesurfen ausgewiesen. „Wir haben Platz ohne Ende“, sagt Brückmann.

„Wir warten erstmal die Koalitionsverhandlungen in Kiel ab“, sagt der Jurist und GKA-Geschäftsführer Jörgen Vogt. Der Rückzieher von Habeck sei „noch keine abgemachte Sache.“

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