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Neuer Wohnraum für Sylter : „Wir brauchen diese Wohnungen“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Im Interview mit der Sylter Rundschau reagiert KLM-Leiter Marcus Kopplin auf die wachsende Kritik am Umfang des kommunalen Wohnungsbaus.

shz.de von
erstellt am 19.Jul.2017 | 05:40 Uhr

Zweitausendachthundertfünfzig – das ist die imposante Anzahl von Wohnungen, die bis zum Jahr 2025 auf der Insel gebaut werden sollen. So lautet zumindest die Vorgabe des Wohnraumentwicklungskonzepts, das alle Sylter Gemeinden 2011 beschlossen haben. Doch seit kurzem regt sich vermehrt Widerstand gegen das Konzept und die Befürchtung einiger Insulaner wächst, dass die große Menge an Wohnungen am Ende vielleicht gar nicht gebraucht werde. Marcus Kopplin ist Leiter des Kommunalen Liegenschafts-Managements (KLM), das als Eigenbetrieb der Gemeinde Sylt rund 1100 Wohnungen vermietet und derzeit zahlreiche neue Projekte realisiert. Im Interview mit der Sylter Rundschau spricht er über die Kritik, den derzeitigen Stand beim Wohnungsbau und warum Sylt dringend mehr Wohnraum benötigt.

Herr Kopplin, brauchen wir tatsächlich noch mehr Wohnungen auf Sylt?
Ja – und dafür gibt es mehrere Gründe. Ich beginne mal mit einem sehr Entscheidenden, dem Fachkräftemangel, der uns nicht nur auf der Insel Probleme bereitet, sondern deutschlandweit Folgen hat. Es liegt daher an uns, die Insel attraktiv zu machen, um im Wettbewerb mit dem bundesweiten Festland die Fachkräfte nach Sylt zu bekommen und auch hier zu halten. Dafür müssen die Grundvoraussetzungen stimmen – und dazu gehört auch, dass sich die Leute hier wohlfühlen. Das schafft man unter anderem mit einer schönen Wohnung. Der Zuzug jüngerer Leute, die auf der Insel bleiben, hätte aber auch einen weiteren Vorteil: Wenn wir neue Familien und andere Arbeitnehmer auf der Insel dauerhaft etablieren können, dann entsteht automatisch eine Gesellschaft mit allen Altersstrukturen.

Das ist aber nicht der einzige Grund?
Nein, wir brauchen auf Sylt außerdem mehr Wohnungen, um einen ausgeglichenen Wohnungsmarkt zu bekommen. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Hier spreche ich von einem Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage. Das haben wir auf der Insel nicht. Das Angebot ist zu knapp, die Nachfrage zu hoch – das macht es problematisch. Gäbe es genug Wohnungen auf der Insel, könnte sich ein Bewerber zunächst alle Angebote von Gewoba Nord, vom KLM und auch von den Privatvermietern anschauen und sich dann für das Objekt entscheiden, in dem er sich am wohlsten fühlt. Außerdem hätte dieser Ausgleich von Angebot und Nachfrage auch einen weiteren, entscheidenden Vorteil.

Welchen?
Die Mitpreise würden dauerhaft sinken. Denn wenn viele Menschen aus teuren Unterkünften in bezahlbare Wohnungen ziehen, müssten auch viele Privatvermieter ihre Mieten anpassen, um ihre Mieter zu halten oder um Neue zu bekommen.

Das heißt, sie lassen sich von der Kritik nicht beeinflussen und bauen weiter?
Ja, auf jeden Fall. Solange es genug Bewerber gibt, heißt das für mich, dass wir noch nicht am Ende sind, sondern dringend weitermachen müssen.

Andere Kritiker behaupten, einige der Gebäude seien zu hoch. Was antworten Sie ihnen?
Wir versuchen immer, das Optimum zwischen möglichst vielen Wohnungen und einer vertretbaren Architektur zu finden. Natürlich spielt hier aber auch der persönliche Geschmack eine Rolle. Ein Beispiel dafür ist der Bastianplatz, über dessen Gestaltung bereits viel Negatives gesagt wurde. Wenn man dort allerdings jetzt über den fertig gestellten Innenhof geht, ist das ein tolles Gefühl: Dort spielen Kinder, die Menschen sitzen auf ihren Terrassen und es herrscht eine schöne Stimmung.

Wie viele Bewerber stehen aktuell bei KLM auf der Liste?
Wir haben etwa 320 Bewerber. Diese Zahl bezieht sich aber immer auf die Wohnung. Auch eine vierköpfige Familie gilt als ein Bewerber.

Aus welchen Zielgruppen kommen denn diese Bewerber?
Aus allen Zielgruppen. Das hat sich in den vergangenen Jahren beim KLM stark verändert. Lange betrachtete man uns als Vermieter der unteren Einkommensgruppen. Viele Leute aus der Mittelschicht haben wir mit unseren Wohnungen gar nicht erreicht. Durch den Neubau am Bastianplatz, durch die Wohnungen an den Blumenwiesen und auch andere neue Projekten sind aber viele neue Mieter auf uns aufmerksam geworden.

Woran merken Sie das?
Wir bekommen jetzt viel mehr Bewerbungen aus den mittleren Einkommensschichten. Wir haben Interessenten, die keinen Wohnberechtigungsschein haben und die sich bisher überwiegend auf dem privaten Wohnungsmarkt versorgten – entweder, weil sie uns nicht als Vermieter wahrgenommen haben, oder weil wir bisher auch gar nicht das passende Angebot für sie hatten.

Wie ist der derzeitige Stand beim Sylter Wohnungsbau?
Die nächsten Projekte, die fertig werden, sind die Wohnungen in der Hans-Böckler-Straße, die im April 2018 bezogen werden können. 20 Wohneinheiten für die Lebenshilfe am Bastianplatz werden im Dezember bezugsfertig sein, ebenso 72 in der Wohnsiedlung Süd. In Angriff genommen werden soll als nächstes die Alte Bahnhofstraße in List. Ein Projekt, das mir besonders am Herzen liegt, sind die geplanten Reihenhäuser auf Mietbasis, die wir am Boy-Peter-Eben-Weg in Tinnum realisieren wollen. Sie sind im dänischen Stil und haben einen ganz besonderen Grundriss, der mir persönlich sehr gut gefällt. Auch wenn schon jetzt Kritik zu diesem Bauvorhaben aufkam, glaube ich fest, dass wir auch diese Wohnungen hier auf der Insel realisieren müssen.


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