„Wir brauchen die Schwimmhalle“

Hans-Wilhelm Hansen und Stefan Reimers sind um die Schwimmsparte ihres Vereins besorgt.
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Hans-Wilhelm Hansen und Stefan Reimers sind um die Schwimmsparte ihres Vereins besorgt.

Der TSV Westerland fürchtet um seine Schwimmsparte – für das Training wird eine Schwimmhalle benötigt, doch es gibt keine.

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13. Oktober 2020, 16:11 Uhr

Westerland/List | „Wo sollen unsere Kinder schwimmen lernen?“ Spätestens nach dem Facebook Post der Initiative Pro List ist klar, dass es momentan auf Sylt nicht nur an bezahlbarem Wohnraum mangelt – der Schuh drückt auch an einer anderen Stelle.

Die Schwimmhalle in List, in der die Sylter Vereine ihren Schwimmunterricht bislang geben konnten, ist geschlossen. Hintergrund ist, dass der Kreis Nordfriesland Anfang Juli festgestellt hat, dass seit der Schließung der Marineversorgungsschule vor 13 Jahren keine Betriebsgenehmigung für die Schwimmhalle vorliegt (wir berichteten).

Bevor die jedoch wieder erteilt werden kann, muss die Sanierung des Gebäudes erfolgen. Dazu hat sich der Investor des Dünenparks, Marc Weinstock, im Rahmen der Realisierung seines Projektes bereit erklärt. Das Gebäude befindet sich auf seinem Gelände, nach der Sanierung würde er es der Gemeinde List übergeben. Vier Millionen Euro ist Marc Weinstock bereit dafür zu investieren, dazu kommen öffentliche Fördermittel in Höhe von rund 900 000 Euro.

Außerdem würde der Investor die Nutzung der geplanten Ferienimmobilien im Dünenpark ebenfalls zugunsten der Schwimmhalle einsetzen. Einen Euro pro Tag und Person werden die Gäste für die Schwimmhalle entrichten. Geld, das in den Betrieb der Schwimmhalle fließen könnte. Erst, wenn die Sanierung der Halle abgeschlossen ist, kann der Kreis eine Betriebserlaubnis erteilen.

Aus diesem Grund hat Hans-Wilhelm Hansen, Vorsitzender des TSV Westerland, bereits im August einen Dringlichkeitsantrag bei der Gemeinde Sylt gestellt. Darin bittet er um die Öffnung des Bewegungsbades und des Sportbeckens der Sylter Welle. Diese ist seit der coronabedingten Schließung am 14. März nicht zugänglich. Dem Antrag wurde nicht stattgegeben. Im Jugend-, Kultur- und Sportausschuss sei daraufhin ein Gespräch mit Peter Douven avisiert worden. Hansen habe darum gebeten als Vorsitzender des TSV Westerland ebenfalls teilzunehmen. „Dieses Gespräch, so sagte mir Frau Wehrhahn von der Gemeinde, sei nie zustande gekommen. Es bedarf einer schnellstmöglichen Lösung, um den Schwimmsport auf der Insel wieder eine Plattform zu bieten“, mahnt der Vorsitzende des TSV Westerland.

Ansonsten, so heißt es in einem weiteren Schreiben Hansens an die Gemeinde, bestünde die eklatante Gefahr des Verfalls von Strukturen innerhalb der Vereine. „Wir haben riesige Probleme, die sehr aktive Schwimmsparte am Leben zu erhalten“, sagt er. Bislang habe es trotz der aktuellen Einschränkungen bei den Schwimmkurse keine Austritte gegeben. „Zum Glück“, wie Hans-Wilhelm Hansen sagt.

Bis zu den Ferien habe der Sylter Sportverein noch die Schwimmhalle in Niebüll nutzen können. Zwei Mal die Woche seien die Schwimmer seit August für ihr Training aufs Festland gependelt. „Über 3000 Euro hat uns das gekostet“, bilanziert Stefan Reimers, Geschäftsführer des TSV Westerland. Doch auch das hat nun ein Ende – denn die beiden Übungsleiterinnen können die wöchentlichen Fahrten mit den Kindern nach Niebüll nicht mehr leisten. Zu viel Aufwand für 40 Minuten Schwimmtraining. Hans-Wilhelm Hansen ist verzweifelt. „Wir brauchen die Schwimmhalle“, sagt er noch einmal und tippt mit dem Finger auf die vor ihm liegenden Unterlagen. Für Hansen spielt dabei auch die Entscheidung über den raumordnerischen Vertrag eine Rolle. Dieser schafft nach seiner Einschätzung ein Baurecht, das auch die Realisierung des Dünenparks und damit die Sanierung der Lister Schwimmhalle befördern würde. In der kommenden Woche wird in der Gemeinde Sylt über den Vertrag entschieden, die Amtsgemeinden haben dem raumordnerischen Vertrag bereits zugestimmt.

„Ich habe alle Fraktionen, die in der Gemeindevertretung Sylt sind, angeschrieben und darum gebeten, „dass die Entscheider bei der Beratung und Beschlussfassung über den Vertrag diejenige Brille tragen werden, durch die man die für den Schwimmsport zwingenden Notwendigkeiten erkennt.“

Er würde zeitnah mit allen bisherigen Nutzern der Lister Schwimmhalle – also dem Verein Tinnum 66, den Sportfreunden List, den Sylter Feuerwehren, der Sylt-Klinik, dem Dänischen Freizeitheim, der Norddörfer Schule, dem Lister Kindergarten sowie der DLRG – in Dialog treten, um Ideen zu entwickeln, wie mit Unterstützung der Inselgemeinden nach erfolgten Sanierung ein Betriebermodell funktionieren könnte.

Und dann gibt es da doch einen Silberstreifen am Horizont: „Wir arbeiten intern an einem Hygienekonzept zur Teilöffnung der Sylter Welle – für alle Besucher, nicht nur für Vereine – für den Zeitpunkt, da eine Umsetzung verantwortbar ist“, gab Peter Douven, Geschäftsführer des Insel Sylt Tourismusservice (ISTS), gegenüber unserer Zeitung bekannt. Wann konkret mit einer Öffnung der Sylter Welle gerechnet werden kann, sei noch unklar – sicher sei nur, wie ein Blick auf die Entwicklung der Infektionszahlen zeigt, „dass es während der Herbstferien sicher nicht der Fall sein wird“. „Nach den Herbstferien haben wir ganz sicher eine neue Infektionslage, eine neue Landesverordnung und damit einen aktualisierte Entscheidungsgrundlage für unsere Bewertung. Diese Aussagen sind nicht kurz, nicht schön, aber sie dienen der Darlegung, dass es uns um Sicherheit und Gesundheit geht. Wir wollen weiter dazu beitragen, kein Corona-Hotspot zu werden.“

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