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Umweltschutz : Will Sylt Schwule aus den Dünen vertreiben?

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das Sylter Umweltamt will das Betreten der Dünen bei Dikjen Deel erschweren. Dort ist seit Jahrzehnten ein Homosexuellen-Treffpunkt. Ein regelmäßiger Sylt-Urlauber beschreibt die Atmosphäre als „sehr nett“.

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erstellt am 02.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Sollen die Dünen oder soll die Jugend geschützt werden? Diese Frage stellt sich angesichts der aktuellen Überlegungen des Sylter Umweltamts. In den Fokus des Sylter Naturschutzes ist der Dünenabschnitt im Westerländer Süden zwischen dem Restaurant Strandoase und der Jugendherberge Dikjen Deel geraten. Das Betreten der dortigen Dünenlandschaft soll mit Zäunen und Informationstafeln erschwert werden, wurde auf der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Küstenschutzausschusses beschlossen.

Müll, Trampelpfade und Menschen in der Dünenlandschaft – das ist dem Umweltamt ein Dorn im Auge. Infotafeln und eine stärkere Besucherlenkung sollen zu einer Beruhigung des Biotops führen. „Wahrscheinlich durch die Stadtrandlage begründet“, werde die Dünenlandschaft vermehrt „zum Spazierengehen und Verweilen genutzt“, heißt es aus dem Umweltamt.

Da diese Ecke der Westerländer Dünenlandschaft seit Jahrzehnten im Sommer Treffpunkt der Schwulenszene ist, lässt sich vermuten, dass diese Überlegungen nicht nur dem Naturschutz-Gedanken entspringen. Auf der Insel kursiert zudem das Gerücht, es handle sich in den Dünen um eine „Stricher-Szene“. Zäune und Infotafeln sollten bis Pfingsten aufgestellt werden, sagte die Leiterin des Umweltamtes, Ruth Weirup, auf der Sitzung. Ob die Maßnahmen auch im Schwulen-Treffpunkt begründet sind, dazu wollte sie sich gegenüber unserer Zeitung nicht äußern: „Mir ist als Sylterin bekannt, dass es dort einen Schwulentreffpunkt gibt. Als Leiterin des Umweltamts ist das aber nicht mein Thema – mir geht es darum, das Schutzgebiet dort halten zu können.“ Rund 40.000 Euro soll die Dünen-Beruhigung kosten.

Roland Klockenhoff, Vorsitzender der Naturschutzgemeinschaft, begrüßt ein verstärktes Engagement des Umweltamtes in Sachen Naturschutz. Auch wenn Dikjen Deel bisher nicht als geschützter Landschaftsteil ausgewiesen ist – das Betreten der Trampelpfade ist damit erlaubt –, hält er es für sinnvoll, wenn zum Schutz vor Nachahmern das Betreten der Dünen erschwert wird. Wenn es der Gemeinde Sylt wirklich um Naturschutz gehe, erwarte die Naturschutzgemeinschaft allerdings auch, dass bestehende Schutzgebiete wie die Hundeauslaufwiese am Flughafen künftig stärker kontrolliert werden.

Was genau passiert denn nun in den Dünen? Dass es sich dort um eine „Stricher-Szene“ handelt, es also vor allem um bezahlten Sex geht, hält man bei der Sylter Aids-Hilfe für unwahrscheinlich: „Es ist eher ein Treffpunkt, zu dem auch Sylter gehen“, sagt Dagmar Prott, „vielleicht passiert da auch mal was, das kann ich nicht beurteilen.“ Auch in der Beurteilung der geplanten Maßnahmen ist sie zwiegespalten: Einerseits findet sie, dass es so einen Treffpunkt auf der Insel auch geben darf, andererseits sieht sie es kritisch, dass „die Szene“ immer weiter Richtung Jugendherberge wandert.

Ein regelmäßiger Sylt-Urlauber beschrieb die Atmosphäre als „sehr nett“: „Der Strandabschnitt ist eine Kontaktbörse, sowohl für Sexkontakte als auch für reine Unterhaltungen. Die Dünen sind schön zentral, viele Schwule kommen auch allein nach Sylt, weil sie genau wissen, dass sie dort Gleichgesinnte treffen. Es wäre sehr schade, wenn das dort nicht mehr erwünscht ist, oder gar verboten werden soll. Ich bin regelmäßig mit meinem Freund da.“

Udo Sonnleitner, Inhaber des Lokals Strandoase, das nördlich an das Dünengebiet grenzt, fühlt sich und seine Gäste nicht durch dortige Aktivitäten gestört. Auch dass die Dünen in diesem Bereich übermäßig häufig betreten würden, könne er nicht beobachten.

Übrigens ist der Küstenschutz auch in den einschlägigen Netzportalen, in denen Treffpunkte auf Sylt besprochen werden, Thema. So schreiben Autoren im Reisemagazin „Adam“, dass es in den Westerländer Dünen im Vergleich zu früher zahm zu gehe: „Ging es früher gleich in den Büschen zur Sache, wird das heute, obwohl es natürlich immer noch passiert, von der Verwaltung nicht mehr gern gesehen. Der Grund ist nicht die Moral, sondern der Naturschutz.“ Viele Homosexuelle würden die Regeln respektieren und ihre Partner mit ins Hotel nehmen.

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