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Sylter Kirche St. Peter : Wildblumen statt Rasenkante in Sylter Kirchengarten

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Rantums Pastorin Annette Gruenagel und Naturschützerin Margit Ludwig machen aus dem Garten der Kirche St. Peter einen Ort mit Wildblumen, Heide und Strandhafer.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2017 | 05:56 Uhr

Es wird wild und bunt rund um die Kirche St. Peter. Strandhafer, ein Thymian-Rasen, Krähenbeerheide und die echte weiße Sylter Dünenrose – so sieht die Zukunft des Rantumer Kirchengartens aus. Bisher überwucherten die Kartoffel-Rose und der Japanische Knöterich das Gelände – beides invasive Arten, die auf der Insel nicht heimisch sind. Ganz anders dagegen die geplante Heidefläche, die mit den vielen Wildblumen und -kräutern auch Bienen und anderen Insekten einen Lebensraum bieten soll. Dieser Mustergarten soll aber nicht nur ein Highlight für die Besucher sein, er soll die Menschen auch anregen, die eigenen Sylter Gärten mit der Vielfalt der heimischen Pflanzen zu bestücken.

Die Idee für die Neugestaltung des Gartens hatte Annette Gruenagel, Pastorin der Kirchengemeinde Hörnum-Rantum. Vor etwa vier Jahren kam sie zu Margit Ludwig, der Vorsitzenden der Naturschutzgemeinschaft Sylt, weil sie die Broschüre des Projektes „Heide in die Gärten“ entdeckt hatte. In diesem Heftchen wird detailliert erklärt, wie es Gartenbesitzern möglich ist, ein Stück Heide in ihrem Garten anzupflanzen, zu pflegen und zu erhalten.

„Als ich von diesem Projekt las, war mir sofort klar, dass das etwas sein könnte, an dem mehrere Beteiligte Gewinn haben“, sagt die Pastorin rückblickend. „Die Kirchengemeinde hat den Vorteil, dass sie ein gepflegtes und ansehnliches Gelände rund um die Kirche hat und die Naturschutzgemeinschaft kann auf einen öffentlich begehbaren Garten verweisen, der gut zu finden ist.“

Arbeiten bei dem Projekt Hand in Hand : Jochen Neumann vom Kirchengemeinderat, Pastorin Annette Gruenagel, Deich- und Sielwart Sven Paech und Margit Ludwig.
Arbeiten bei dem Projekt Hand in Hand : Jochen Neumann vom Kirchengemeinderat, Pastorin Annette Gruenagel, Deich- und Sielwart Sven Paech und Margit Ludwig. Foto: Nieß

Diese Einschätzung bestätigt auch Margit Ludwig: „Mir fiel das regelrecht in den Schoß“, sagt sie lachend. „Ich suchte in diesem Zeitraum gerade nach einem Gelände, auf dem wir einen Mustergarten gestalten können.“ Da dieser aber für die Öffentlichkeit gut zugänglich sein sollte, war für sie ein Privatgrundstück ausgeschlossen. „Der Garten der Rantumer Kirche eignet sich einfach perfekt“, sagt sie zufrieden. „Jeder Mensch kann ganzjährig die Pflanzen betrachten – und das ist es, worauf es uns ankommt. Wir wollen ja eine Information transportieren und die Besucher inspirieren.“

Margit Ludwig und Annette Gruenagel sind nun seit knapp vier Jahren dabei, das Projekt zu realisieren. „Es ist schon eine lange Zeit, die wir durchhalten mussten und ein zähes Stück Arbeit. Das geht nicht ohne starke Partner“, sagt die Pastorin. Dennoch hätte es sich gelohnt: „Hier haben sich Menschen zusammengefunden, die gerne miteinander arbeiten“, so Gruenagel. Zu diesen Menschen gehören nicht nur die Pastorin und die Naturschützerin, sondern noch eine große Anzahl ehrenamtlicher Helfer und Sylter Betriebe, die ihre Leistungen kostenlos – oder für wenig Geld – zur Verfügung stellen. Vor knapp einem Jahr haben Gruenagel und Ludwig das Projekt einigen Sylter Betrieben vorgestellt, darunter auch Garten- und Landschaftsbau-Unternehmen und Gartenarchitekten. Einige von ihnen hätten sofort ihre Hilfe angeboten. „Es war für mich ein besonderes Erlebnis, dass hier so viele zusammengekommen sind und uns unterstützen“, sagt die Pastorin. „Dieses Projekt kann aus den unterschiedlichsten Spendenformen wie Maschinenstunden, Arbeitsstunden, Pflanzmaterial und Geldspenden realisiert werden“. Das Ziel von Annette Gruenagel und Margit Ludwig: Ihnen geht es um die biologische Vielfalt – auch als Biodiversität bekannt. „Es wäre schön, wenn sich das wieder zu einer Selbstverständlichkeit entwickeln könnte“, sagt Ludwig. „Zudem können wir vielleicht eine Begeisterung für den eigenen wilden Garten wecken – damit man nicht immer diese ordentlichen Grünanlagen sieht, wie wir sie allerorts auf der Insel vorfinden.“

Doch der Wildblumen-Garten hat im Gegensatz zum Rollrasen mit Hortensien einen Nachteil: „Unser Projekt ist langwieriger“, sagt Annette Gruenagel. „Es dauert einfach seine Zeit, bis Heide wächst, weil sie zur Familie der Baumgewächse gehört.“ Doch auch, wenn im kommenden Jahr noch nicht die Heide blüht, soll es etwas für die Besucher zu sehen geben – denn die Bepflanzung des 550 Quadratmeter großen Geländes, das in den vergangenen Wochen für das Vorhaben vorbereitet wurde, beginnt in diesen Tagen. Darunter wird auch ein ganz besonderes Exemplar sein: „Die echte Dünenrose, eine cremeweiße Wildrose, kommt bei uns auf den Friesenwall“, freut sich Annette Gruenagel. Die ursprünglich im Listland heimische Pflanze wird in einer Baumschule in Bullenkuhlen gezüchtet und vertrieben. Der Kirchengemeinde hat der Inhaber nun knapp 100 Pflänzchen geschenkt, auch zur Freude der Naturschützerin Margit Ludwig: „Wir wollen einfach diese heimischen Pflanzen auf der Insel wieder populärer machen – und das ist dafür ein guter Weg.“ Den Trend, Wildblumen in Siedlungsgebiete zu bringen, haben auch schon andere entdeckt: In der Gemeinde Sylt sollen Verkehrsinseln und öffentliche Grünanlagen in Zukunft mit Wildblumen und -kräutern bepflanzt werden (wir berichteten). Auch das schleswig-holsteinische Umweltministerium hat das Thema aufgegriffen und den Naturschutztag am 9. November unter das Motto „Natur in Dorf und Stadt“ gestellt – bei dem es um die Potenziale zum Erhalt der biologischen Vielfalt im Siedlungsraum geht.

Margit Ludwig und Annette Gruenagel freuen sich auf die kommenden Wochen und Monate, in denen sich der Garten nach und nach verändern soll. Aber auch der gesamte Kirchengemeinderat steht hinter dem Vorhaben. „Die Mitglieder haben sehr positiv reagiert und ohne ihre Unterstützung und das Einverständnis wäre das Projekt gar nicht erst möglich gewesen“, sagt die Pastorin. Und so wird es bald in Rantum einen bunten Garten mit vielen Wildblumen geben, der auch für verschiedene Tierarten ein neuer Lebensraum werden kann. Margit Ludwig hat da auch schon ein bestimmtes Exemplar im Sinn: „Die letzte Sichtung der Zauneidechse, die auf Sylt immens selten geworden ist, gab es tatsächlich im vergangenen Jahr in Rantum“, sagt sie und fügt augenzwinkernd hinzu: „Vielleicht kommt sie ja auch mal im Kirchengarten vorbei.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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