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Festmachen auf Sylt : „Wieder 17 junge Menschen an Bord“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das Leuchtturmprojekt ist in die zweite Runde gestartet. Noch bis Januar haben die Teilnehmer Zeit, in die verschiedenen Berufsfelder hinein zu schnuppern.

shz.de von
erstellt am 08.Dez.2017 | 05:20 Uhr

Im Mai dieses Jahres konnten 16 junge Männer, die einst aus Syrien, Eritrea, Afghanistan oder dem Iran geflohen waren, als neue Azubis im Sylter Gastgewerbe begrüßt werden. Zu diesem Zeitpunkt lag ein Jahr als „Festmacher“ hinter ihnen, in dem sie auf ihr neues Leben auf der Insel vorbereitet wurden. Diese 16 waren Teil des Pilot-Projektes „Festmachen auf Sylt“, das ein Ausbildungsprogramm für geflohene Menschen bietet, die sich eine Ausbildung in der Hotel- und Gastro-Branche wünschen. Sie erhielten spezielle Sprachkurse und Schulungen, um sprachlich und fachlich nahezu die gleichen Voraussetzungen zu haben wie alle anderen zukünftigen Azubis.

Ermöglicht wurde dieses einzigartige Projekt durch die Kooperation der Gemeinde Sylt, des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Sylt, der Berufsschule Niebüll, des Vereins Sylter Unternehmer (SU), der Integrationshilfe Sylt, des Projekts „Interkulturelle Öffnung“ im Netzwerk „Mehr Land in Sicht“, des Jobcenters Nordfriesland, der Bundesagentur für Arbeit Flensburg und der IHK zu Flensburg.

Alle 16 Anwärter hatten ihr Ausbildungsjahr als „Festmacher“ erfolgreich absolviert und waren somit bereit, ihre Ausbildungsverträge als Köche, Hotel- und Restaurantfachleute in Sylter Betrieben zu unterschreiben. Damit machten sie Platz für neue junge Menschen, die nach ihrer Flucht im Raum Schleswig-Holstein gestrandet und auf der Suche nach einem Neuanfang sind. Das Projekt „Festmachen auf Sylt“ konnte somit im September in seine zweite Runde gehen.

„Dieses Mal haben wir wieder 16 junge Männer und eine Dame, die wir als Festmacher begrüßen dürfen“, berichtet der Dehoga Sylt-Vorsitzende Claas-Erik Johannsen. „Wir befinden uns derzeit in der Herbstqualifikation – was bedeutet, dass unsere Festmacher bereits erste Erfahrungen in Sylter Betrieben sammeln konnten.“ In dieser Zeit absolvieren die Teilnehmer drei Praktika in verschiedenen Betrieben, erlernen das nötige Fachvokabular und bereiten sich darauf vor, gute Gastgeber zu werden.

„Das Besondere an dieser Gruppe ist, dass sie fast alle schon sehr gut Deutsch sprechen und auch schon sehr genaue Vorstellungen davon haben, was sie erlernen möchten“, berichtet Claas-Erik Johannsenweiter. „Fünf von ihnen streben eine Ausbildung als Koch an und die anderen verteilen sich gleichmäßig auf die Ausbildungszweige Hofa und Refa.“

Noch bis Januar haben die 17 „Festmacher“ Zeit, in die verschiedenen Berufsfelder hinein zu schnuppern, Bewerbungsunterlagen vorzubereiten und sich sprachlich weiter zu entwickeln, denn am Ende der Herbstqualifikation steht eine Sprachstandserhebung. „Unterstützend bekommen sie Sprachunterricht von der Integrationshilfe Sylt, die zu unseren wichtigsten Partnern gehört“, so Johannsen. Ab Februar beginnt dann die zweite Phase, die Einstiegsqualifikation. Dann haben sich zukünftige Azubis und potenzielle Ausbilder kennen gelernt und entscheiden sich in einem „Matching“ für- oder gegeneinander.

„Ausbildungsbetrieb und Azubi sollen schließlich gut zusammenpassen und im Idealfall gemeinsam in die dreijährige Ausbildungszeit starten“, gibt Johannsen zu bedenken. In dieser zweiten Phase beginnt für die „Festmacher“ dann auch der Unterricht in der Berufsschule Westerland, der an drei Tagen pro Woche in einer eigenen Klasse statt findet und die zweitägige praktische Arbeit in den Betrieben ergänzt.

14 Sylter Hotels und Restaurants beteiligen sich an diesem Programm und stellen den jungen Leuten persönliche Integrationslotsen zu Verfügung, die beim Einleben in den zukünftigen Ausbildungsbetrieb behilflich sein sollen. „Die Lotsen haben spezielle interkulturelle Schulungen erhalten und sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Festmacher und Ausbilder“, erklärt Johannsen. Und so dürfte eigentlich nichts mehr dagegen sprechen, dass Ende August 2018 alle 17 Teilnehmer vom „Festmacher“ zum „Azubi“ im Sylter Gastgewerbe werden und hier ihren neuen, sicheren Hafen finden.


Beteiligte Betriebe der Aktion „Festmachen auf Sylt“: A-Rosa in List, Benen-Diken-Hof und Severin*s in Keitum, Söl’ring Hof und Dorfhotel in Rantum, Fittichen am Dorfteich und Lindner Strandhotel Windrose in Wenningstedt, Franz Ganser, Hotel Stadt Hamburg und Hotel Roth in Westerland, Hotel Rungholt in Kampen, Hotel Budersand in Hörnum, Landhaus Stricker in Tinnum sowie das Hapimag

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