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Sylter Rundschau

23. Oktober 2017 | 03:07 Uhr

Syltshuttle : Wie vergebe ich einen Autozug?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ausschreibung, Verfahren, Kriterien, Bewerber – die Sylter Rundschau beantwortet Fragen rund um den Syltshuttle.

von
erstellt am 09.Okt.2014 | 05:11 Uhr

Die Entscheidung, wer wann und zu welchem Zweck die Bahnstrecke zwischen Niebüll und Westerland nutzen darf, wird in einem komplizierten Verfahren geregelt. Der neue Bewerber für den Autozug, der gestern seinen Hut in den Ring warf (wir berichteten), muss sich daran genauso halten wie die DB Fernverkehr AG, die derzeit den Syltshuttle betreibt. Die Sylter Rundschau beantwortet alle wichtigen Fragen zur Vergabepraxis.

 

Warum wird der Betrieb des Autozugs neu ausgeschrieben? Der Betrieb des Syltshuttle wird nie ausgeschrieben. Aber für alle Eisenbahnstrecken in Deutschland können Unternehmen jeweils zur Fahrplanänderung so genannte Trassenanmeldungen einreichen. Sie „bewerben“ sich dann darauf, die Strecken für Zeiträume von mindestens fünf Jahren zu befahren. Aktuell nutzen über 390 verschiedene Bahnunternehmen rund 60 000 Trassen für den Personen- und Güterverkehr auf einem Schienennetz von knapp 34 000 Kilometern. Für die Strecke des Syltshuttles hat sich jetzt mit der Railroad Development Cooperation Deutschland (RDCD) ein Konkurrent zum DB Autozug ins Spiel gebracht.

Wer vergibt die Trassennutzung für den Syltshuttle? Die Vergabe sämtlicher Bahnstrecken in Deutschland erfolgt durch die DB Netz AG, einem eigenständigen Unternehmen der Deutschen Bahn.

Nach welchen Kriterien werden Bewerber ausgewählt? Zunächst werden alle fristgerecht eingegangenen „Trassenanmeldungen“ auf Vollständigkeit und Plausibilität geprüft, teilt die DB Netz AG auf Anfrage mit. Zum Beispiel wird untersucht, ob die Leistungen der Lokomotiven tatsächlich ausreichen, die Steigungen der gewünschten Strecke zu bewältigen. Ergeben sich keine Beanstandungen, sind die „Anmeldungen“ verbindlich. Sollten sich Trassen-Wünsche verschiedener Anbieter überschneiden, müssen zunächst alle beteiligten Unternehmen in einem Koordinierungsverfahren nach einvernehmlichen Lösungen suchen.

Was passiert, wenn es zu keiner Einigung kommt? Für solche Fälle sieht der Gesetzgeber ein Entscheidungsverfahren vor, in dem die Zuweisung der Zugtrasse nach bestimmten Regeln erfolgt. Derartige Verfahren gab es laut Auskunft der DB Netz AG bisher nur in wenigen Ausnahmen. Im Fall einer beabsichtigten Ablehnung einer Trassenanmeldung ist die DB Netz AG gemäß Allgemeinem Eisenbahngesetz (AEG) verpflichtet, die Bundesnetzagentur als Aufsichtsbehörde über diesen Sachverhalt vorab zu informieren. Die endgültige Entscheidung über die Trassenvergabe liegt jedoch ausschließlich bei der DB Netz AG – unabhängig und auf Basis aller gesetzlichen Vorschriften, wie Bahnsprecherin Sabine Brunkhorst betonte.

Wer hat sich um die Trassenzulassung für den Autozug zwischen Sylt und Festland beworben? Bisher gibt es zwei bekannte Bewerber: die DB Fernverkehr AG, die derzeit den Syltshuttle betreibt, und den neuen Konkurrenten Railroad Development Cooperation Deutschland. Zu möglichen Anmeldungen weiterer Mitbewerber verweigern die DB Netz AG und auch die Bundesnetzagentur aus Gründen des Datenschutzes jegliche Auskünfte.

Wann fällt eine Entscheidung? Konkrete Trassenanmeldungen müssen der DB Netz AG spätestens acht Monate vor Beginn einer Fahrplanperiode vorliegen, in der Regel ist dies der zweite Montag im April. In den folgenden 50 Arbeitstagen muss die DB Netz AG mögliche Konflikte lösen und den „vorläufigen Netzfahrplan-Entwurf“ für die Strecke erstellen. Danach haben Trassenanmelder einen Monat lang die Möglichkeit, Stellung zu nehmen und so genannte berechtigte Beanstandungen zu übergeben.

Darf ein neuer Betreiber vorhandene Anlagen des Syltshuttle nutzen? Infrastruktureinrichtungen wie Terminals und Rampen muss die Bahn AG ihren Konkurrenten grundsätzlich zugänglich machen – das haben mehrere Gerichte in Streitigkeiten der Bahn mit der Bundesnetzagentur entschieden.

 

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