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Neue Serie : Wie Sylt wurde, was es heute ist

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Anhand alter Zeitungsberichte geht die neue SR-Serie zurück in die Zeit, in der die Grundlagen vieler bis heute prägender Strukturen gelegt wurden.

Wie Sylt wurde, was es ist: In unserer neuen Serie „Zurückgeblättert!“ schlägt Autor Frank Deppe die jüngere Vergangenheit der Insel auf. Die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war wegbestimmend für Entwicklungen, deren Auswirkungen zum Teil bis heute sichtbar sind – ob in politischer, touristischer oder gesellschaftlicher Hinsicht. Anhand der Sichtung alter Zeitungsbände der Sylter Rundschau mit Unterstützung des Sylter Archivs lässt der Autor bedeutsame Ereignisse, aber auch Normalitäten jener Zeit schlaglichtartig wieder lebendig werden.


Sylt im Februar 1974


Die stetig wachsende Zahl der Gäste fordert ihren Tribut. Westerland plant den Bau einer innerstädtischen Entlastungsstraße auf der ehemaligen Inselbahntrasse (der heutige Bahnweg). Kostenpunkt: Gut 18 Millionen Mark. Doch das Projekt findet nicht nur Beifall: „Westerländer Entlastungsstraße stand im Kreuzfeuer“, titelt die Sylter Rundschau am 16. Februar. Im Rahmen einer Bürgerversammlung monierten Kritiker unter anderem, dass die „Stadtautobahn“ Westerland in zwei Hälften teile.

Während die Umwandlung der bis dato befahrbaren Friedrichstraße in eine Fußgängerzone noch nicht umgesetzt werden kann – Anwohner hatten dagegen Rechtsmittel eingelegt –, geht es an anderer Stelle voran: Mit dem Bau eines Altenpflegeheims auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses an der Steinmannstraße könne wohl bald begonnen werden, teilt Bürgervorsteher Helmut Schwabe der Presse mit.

Die Realität übertraf alle gezeigten Katastrophen auf der Leinwand: Nachts bricht im Lichtspieltheater „Kurbel“ an der Westerländer Strandstraße ein Brand aus – hundert Feuerwehrmänner bekämpfen die Flammen, der Sachschaden beziffert sich auf eine Million Mark. Wird zunächst Brandstiftung angenommen, gehen die Sachverständigen später von einem technischen Defekt aus.

Brenzlig wird es auch andernorts. In Keitum versuchen Unbekannte tief in der Nacht den Biikehaufen auf perfide Weise vorzeitig zu entzünden: Aus einem Auto werfen sie im Vorbeifahren Molotow-Cocktails auf die Biike. Einige Keitumer Bürger können das Feuer jedoch schnell löschen.

In Hörnum freut sich Bürgermeister Josef Springer derweil über einen Bescheid von Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg, wonach das Jugendaufbauwerk in Kürze ausgebaut werden solle. Die Sylter Polizei zieht Bilanz für 1973: Die beachtliche Zahl von 729 Verkehrsunfällen musste bearbeitet werden.

In Kampen erwägen die Kommunalpolitiker für die bevor stehende Saison nach dem Vorbild der Inselmetropole ein Nachtfahrverbot, während der Vorsitzende des TSV Westerland eklatanten Platzmangel beklagt: Drei Sporthallen, zwei Sportplätze und ein Schießstand würden dringend benötigt, erklärt Karl Buchloh.

Hätte man angesichts der heutigen Immobilienpreise damals nur all sein Geld zusammen gekratzt: Eine Zeitungsanzeige verheißt eine Zwei-Zimmer-Eigentumswohnung in Westerland für 95 000 Mark, ein komplettes Wohnhaus in Wenningstedt ist für 275 000 Mark zu haben und eines in Morsum für 172 000 Mark. Selbst die geforderten 580 000 Mark für ein großes Reetdachhaus in der Alten Dorfstraße in Kampen wären eine unschlagbare Geldanlage gewesen.

Und was geschah sonst noch? Beim Westerländer Schützenverein avanciert Sylta Flatters zur neuen Schützenkönigin. Und Fußball-Schiedsrichter Rudi Wieser pfeift beim Spiel zwischen Tinnum 66 und dem TSV Medelby seine 600. Partie, was eine besondere Ehrung erfährt.

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