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Sylter Zeitgeschichte : Wie Sylt von der dänischen Herrschaft befreit wurde

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Folge 38 der SR-Serie „Sylter Zeitgeschichte“ beschreibt, warum die Insel heute deutsch und nicht dänisch ist. 1864 eroberten zunächst preußische und österreichische Truppen den Landesteil Schleswig, 1920 schließlich votierten auch die Sylter gegen den Anschluss an Dänemark.

Eine Insel als Reibungspunkt zwischen zwei Staaten: Lange Zeit stand Sylt unter dänischer Herrschaft, ehe sich die Verhältnisse und die Grenzlinie 1864 nach einem Krieg grundlegend änderten.

Bis zum 12. Jahrhundert konnten die Sylter ihre Freiheit tapfer wahren. Dann wurden sie von den Dänen unterworfen und tributpflichtig gemacht. Anno 1231 wurde die Steuerlast der Insel in der Großen dänischen Grundbuchakte mit „40 Mark feines Silber“ benannt. Doch waren die Uthlande – die Inseln Sylt, Föhr und Amrum – für Dänemark dabei eher Bundesgenossen denn Reichsangehörige.

Nur kurzzeitig gelang es im Laufe der folgenden Jahrhunderte, sich von Dänemark zu lösen. Das war Anno 1252, als die Dänen bei einer Schlacht auf dem Festland von den Nordfriesen geschlagen wurden und diese ihre Unabhängigkeit in vollem Umfang wieder herstellen konnten.

Doch die frisch gewonnene Freiheit währte nicht lange: 1344 fiel der dänische König Waldemar IV. mit einem Heer ein und unterwarf die Friesen, die fortan in Rechten und Pflichten den normalen dänischen Untertanen fast gleich gestellt waren.

Ab etwa 1830 mehrten sich in den beiden Herzogtümern Schleswig und Holstein – Sylt war inzwischen dem Herzogtum Schleswig, einem dänischen Lehen, eingegliedert worden – Stimmen, die für eine Verbindung der beiden Landesteile zu einer Provinz des Deutschen Bundes plädierten.

Als Dänemark 1863 entgegen den Bestimmungen des ein Jahr zuvor verabschiedeten „Londoner Protokolls“ – ein völkerrechtlicher Vertrag der Großmächte – in seiner Verfassung das Herzogtum Schleswig als integralen Bestandteil in den dänischen Kernstaat mit einbezieht, hat dies fatale Folgen: Zu Jahresbeginn 1864 marschieren Truppen von Preußen und Österreich, den führenden Staaten des Deutschen Bundes, im Territorium des heutigen Schleswig-Holstein ein.

Davon erfuhren die Sylter zunächst nichts – die Dänen hielten alle Briefe und Zeitungen zur Insel zurück. Sylt gehörte auch zum letzten Bereich des Herzogtums Schleswig, den die Invasoren einnahmen: Am 13. Juli setzten Jägerkompanien nach Keitum und Morsum über.

Die Sylter bereiteten ihnen einen freudigen Empfang. Vor Keitum hatten sie eine Ehrenpforte errichtet, die die Aufschrift „Deutsche Brüder, seid willkommen!“ trug, in Morsum wurden die Soldaten festlich bewirtet, vier Kommandeure von den Syltern zu Ehrenbürgern ernannt. Im Zuge des „Wiener Friedens“ wurden das Herzogtum Schleswig und damit auch Sylt endgültig von Dänemark abgetrennt und zur preußischen Provinz.

Doch noch ein Mal wurde die Nationalität in Frage gestellt: Nach dem Ersten Weltkrieg legte der „Versailler Vertrag“ fest, dass in verschiedenen Grenzgebieten des Deutschen Reiches Volksabstimmungen über die staatliche Zugehörigkeit entscheiden sollten. So auch im Bereich der deutsch-dänischen Grenze. Begleitet von einer beiderseitigen Propagandaschlacht votierten am 1920 im heutigen Südjütland fast 75 Prozent der Bevölkerung für den Anschluss an Dänemark.

Im südlichen Teil des Abstimmungsgebietes – Teilbereiche der heutigen Kreise Nordfriesland und Schleswig-Flensburg nebst der Stadt Flensburg – votierten gut 80 Prozent der Bevölkerung für den Verbleib im Deutschen Reich. Auf Sylt stimmten dabei nur 11,6 Prozent der Bürger zugunsten von Dänemark, wobei der Prozentsatz in Morsum mit 25 Prozent am höchsten lag.

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erstellt am 21.Okt.2013 | 06:00 Uhr

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