zur Navigation springen

Bürgermeisterwahl auf Sylt : Wie leistet man sich einen Wahlkampf?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Es kostet tausende von Euro, um beim Rennen ums Sylter Bürgermeisteramt mitzumachen. Wer zahlt das?

von
erstellt am 19.Nov.2014 | 06:04 Uhr

Plakatieren, inserieren, organisieren: Ein Wahlkampf kostet nicht nur viel Zeit, sondern auch relativ viel Geld. Die Sylter Rundschau hat nachgefragt, wie die sechs Bürgermeisterkandidaten der Gemeinde Sylt damit umgehen und wie sie unterstützt werden.

Am offensten spricht der unabhängige Bewerber Robert Wagner über Geld: Rund 20.000 Euro, schätzt er, kostet es, wenn man darum kämpft, Verwaltungschef der Gemeinde Sylt zu werden: „Ich ziehe momentan aber keine Zwischenbilanz, das würde mich sonst vielleicht nur blockieren“, sagt der 36-Jährige, der während der Wahlkampfmonate nur noch zwei Tage pro Woche arbeitet. Seinen Wahlkampf, betont er, finanziere er ganz allein. Dass sich der Spaß zum Verlustgeschäft entwickeln könnte, weil er letztendlich doch nicht Bürgermeister wird, glaubt der Aachener Bundeswehrbeamte nicht. Er ist von seinem Erfolg überzeugt – und selbst wenn es doch nichts werde mit dem Einzug ins Rathaus, habe er „unglaublich viel Lebenserfahrung“ gesammelt.

Ganz so viel Geld wie Wagner steckt Markus Ballentin nicht in seinen Wahlkampf. Der Kölner Polizist schätzt, dass ihn sein Einsatz auf der Insel ein paar tausend Euro kosten wird. Wie bei den anderen unabhängigen Kandidaten auch, steht ein ehrenamtliches Kompetenzteam mit Rat und Tat zur Seite. Im Gegensatz zu Nikolas Häckel und Bernd Reinartz, die sich bei inhaltlichen Fragen vertrauensvoll an ihre unterstützenden Kommunalpolitiker wenden können, müssen sich die unabhängigen Kandidaten andere Informationsquellen suchen. Viele Gespräche mit den unterschiedlichsten Insulanern seien dabei natürlich wichtig, betonen alle vier. Er habe sich zudem über die Zeitung und im Internet über Sylt und die hiesigen Probleme informiert, sagt Ballentin. Auch der 40-Jährige betont: Er habe so viele Erfahrungen gewonnen, dass es um das Geld nicht schade sei, sollte er am 14. Dezember nicht gewählt werden.

Für Gabriele Pauli ist dies zwar nicht der erste Wahlkampf, aber der erste, bei dem sie sich um alles selbst kümmern muss. „Durch meine Erfahrung kann ich einschätzen, was ich wann tun sollte“, sagt die ehemalige Fürther Landrätin, „aber in den Wahlkämpfen zuvor ist mir die Orga-Arbeit abgenommen worden.“ Allein das, da sind sich alle vier unabhängigen Kandidaten einig, kostet sehr viel Zeit. Wie viel sie sich den Kampf ums Sylter Rathaus kosten lassen will, mag Pauli nicht verraten. Nur so viel: Sie habe sich ein Budget gesetzt, damit wolle sie auskommen. Auf die Frage, ob sie ihren Wahlkampf komplett selbst finanziert, antwortet die 57-Jährige: „Im Moment geht alles aus meiner Tasche.“ Bedauern würde sie es trotzdem nicht, dass sie keine Partei im Rücken habe.

„Wir sind alle Nikolas Häckels Fans – und Fans tun bekanntlich sehr viel“, beschreibt Erik Kennel, Fraktionsvorsitzender der Sylter Wählergemeinschaft (SWG) die Unterstützung der SWG-Mitglieder für den Kronshagener Bauamtschef. Häckel erhält Hilfe beim Plakatieren, ihm werden Räumlichkeiten und sonstige Unterstützung zur Verfügung gestellt, außerdem wird die Wählergemeinschaft für den 40-Jährigen Anzeigen schalten. Ähnlich sieht das Engagement der SPD für Häckel aus: Rund 2 000 Euro, schätzt der Fraktionsvorsitzende Gerd Nielsen, lassen sich die Sylter Sozialdemokraten den Wahlkampf kosten.

Wie viel Geld die Sylter CDU für den Wahlkampf ihres Kandidaten Bernd Reinartz ausgibt, will der Ortsvorsitzende Oliver Ewald nicht verraten . Ein Team aus dem Vorstand kümmere sich seit der frühen Nominierung von Reinartz einerseits um die inhaltliche Aufbereitung, andererseits stelle die Insel-CDU ihre Logistik für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung. Dazu gehörten zum Beispiel Anzeigenschaltungen, Medieninformationen, das Verteilen von Flyern und das Aufstellen von Plakaten. „Außerdem organisieren wir Veranstaltungen zum Kennenlernen in allen Ortsteilen“, sagt Ewald. Wie auch SPD und SWG wolle man „seinen“ Kandidaten vor allem in der heißen Schlussphase auch bei öffentlichen Auftritten begleiten.

Präsenz zeigen, und zwar nicht nur auf Weihnachtsmärkten oder in der Fußgängerzone, sondern vor allem multimedial im Internet und auf Facebook will auch Lars Schmidt. „Aber natürlich wird es auch Plakate geben“, erklärt der unabhängige Kandidat aus Morsum. Seinen finanziellen Aufwand kann Schmidt nicht genau beziffern: Vieles macht er mit seinem kleinen Unterstützerteam in Eigenarbeit, von Fall zu Fall, je nach Bedarf. Genau wie sein pünktlich zum Wahlkampf erschienenes Buch „Sylt ausgebrannt“ – gedruckt wird on demand, also erst bei Bedarf. „Über hundert Exemplare sind bereits verkauft“, sagt Lars Schmidt. „Das zeigt ja auch, dass ich damit genau den Nerv vieler Sylter getroffen habe.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen